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Wirtschaft

Bosch baut in Bamberg Brennstoffzelle

Die Diesel-Krise wird im oberfränkischen Werk des Autozulieferers Jobs kosten. Doch im nächsten Jahr beginnt dort auch die Vorserienproduktion für ein neues Geschäftsfeld.



Martin Schultz (links) hält eine Zelle des neuen Brennstoffzellen-Moduls in der Hand. Zusammen mit Stefan Schmitz leitet er das Bamberger Bosch-Werk. Tausend Zellen ergeben ein Modul mit zehn Kilowatt Leistung. Foto: Roland Töpfer
Martin Schultz (links) hält eine Zelle des neuen Brennstoffzellen-Moduls in der Hand. Zusammen mit Stefan Schmitz leitet er das Bamberger Bosch-Werk. Tausend Zellen ergeben ein Modul mit zehn Kilowatt Leistung. Foto: Roland Töpfer  

Bamberg - Das Bamberger Bosch-Werk, das mit seinen 7500 Beschäftigten gut zur Hälfte vom Dieselmotor abhängt, will sich mit der Produktion von Brennstoffzellen ein neues Geschäftsfeld erschließen. Das Dieselgeschäft ist seit Monaten rückläufig und kostet Arbeitsplätze.

Berichte, wonach die Beschäftigtenzahl in Bamberg in den nächsten zehn Jahren von aktuell 7500 auf 5000 sinken wird, will der kaufmännische Werksleiter Martin Schultz auf Nachfrage unserer Zeitung "absolut nicht bestätigen". Im laufenden Jahr sei die Mitarbeiterzahl um 200 reduziert worden und auch im kommenden Jahr könne sich der Abbau in dieser Größenordnung bewegen. Was danach komme, könne man "definitiv nicht sagen". Man werde aber "mit Sicherheit keinen Beschäftigungsaufbau sehen".

Schultz bestätigte, dass das Dieselgeschäft seit Monaten rückläufig ist. Das Bamberger Bosch-Werk stellt Komponenten für die Diesel-Hochdruckeinspritzung, für die Benzin-Direkteinspritzung und auch Zündkerzen her und ist Leitwerk für 22 Werke rund um den Globus. In diesem Jahr werden gut 80 Millionen Euro in Maschinen und Anlagen investiert, ein Jahr zuvor waren es 90 Millionen. Im nächsten Jahr werden die Investitionen weiter zurückgehen. Schultz: "Wir müssen uns vorsichtiger aufstellen."

Das Werk setzt noch viele Jahre auf gute Geschäfte mit dem Verbrenner, will parallel dazu aber zukunftsträchtige Alternativen finden. Ein zehnköpfiges "Zukunftsteam" analysiert Möglichkeiten, wie das Werk von der autonomen, vernetzten, elektrifizierten Mobilität profitieren kann. Dabei rückt nun das Thema alternative Energiespeicher in den Mittelpunkt.

Mit 60 Beschäftigten soll von Mitte nächsten Jahres an auf 700 Quadratmetern die Produktion stationärer Brennstoffzellen starten. Es ist das erste Produkt aus Bamberg, das nichts mit dem Auto zu tun hat. Ausgenommen Ladestationen für E-Autos, die auch mit der neuen Brennstoffzelle versorgt werden können.

Weitere Einsatzorte sind etwa Rechenzentren, Fabriken, Kliniken, Häuser und Städte. Bei den Brennstoffzellen handelt es sich im Grunde um kleine Kraftwerke, die überall platziert werden können und die mit Wasserstoff oder Gas betrieben werden. Der Wirkungsgrad soll bei 60 Prozent liegen. Ein Modul schafft zehn Kilowatt elektrische Leistung, ist etwas größer als ein Kühlschrank und kann beliebig mit weiteren Modulen gekoppelt werden. "Das System in Serie zu bringen, das ist unser Job", sagt Stefan Schmitz, der technische Werksleiter in Bamberg. Und Schultz kann sich vorstellen, dass, wenn alles klappt, in einigen Jahren einige Hundert Mitarbeiter in diesem Bereich arbeiten.

Nun gibt es Brennstoffzellen schon seit Jahrzehnten, was ist neu in Bamberg? Das Produkt selbst wird neu sein, und vor allem bei Wirkungsgrad und Preis will man punkten. "Das Produkt gibt es noch gar nicht", ergänzt Schmitz. Das Aufbringen extrem dünner keramischer Schichten auf die Zellen ist eine Bamberger Spezialität. "Das kann nur Bosch", sagt eine Projektmitarbeiterin.

Hintergrund der technischen Offensive ist eine Kooperation mit dem britischen Technologie-Spezialisten Ceres Power aus Horsham, an dem sich Bosch mit vier Prozent beteiligt hat. Die Briten seien führend in der Entwicklung der Festoxid-Brennstoffzellen-Technologie (SOFC), heißt es von Bosch. Bis 2035 werde der Energieverbrauch weltweit um 30 Prozent steigen. Dieser erhöhte Strombedarf könne nicht mehr nur mit großen, zentralen Kraftwerken abgedeckt werden. Bei SOFC werden Erdgas oder Wasserstoff durch eine elektrochemische Reaktion im Inneren der Brennstoffzelle, im sogenannten Stack, in Elektrizität umgewandelt. In das neue Projekt hat das Bamberger Werk bislang einen einstelligen Millionenbetrag investiert. 2020 soll über die Serienproduktion entschieden werden.

Gewerbesteuer wird Bosch in Bamberg wohl auch die nächsten Jahre nicht bezahlen. Obwohl der Konzern mit über 400 000 Mitarbeitern
und 78 Milliarden Euro Umsatz im letzten Jahr einen operativen Gewinn (Ebit) von 5,3 Milliarden
Euro ausweisen konnte, gingen Bamberg und die anderen deutschen Standorte leer aus. "Das betrifft alle Werke", sagt Schultz. Hintergrund dafür sind Milliardenverluste in der inzwischen aufgegebenen Photovoltaik-Sparte, die Bosch verrechnen kann.

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Roland Töpfer
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Veröffentlicht am:
30. 11. 2018
20:12 Uhr

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Roland Töpfer

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30. 11. 2018
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