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Wirtschaft

Corona-Krise drückt auf den Arbeitsmarkt

Die Kurzarbeit erreicht Rekordwerte in Rekordzeit, die Zahl der Arbeitslosen springt in die Höhe. Die gute Nachricht: Geld für die Abfederung ist da.



Allein für die ersten Tage des April (bis zum Statistik-Stichtag 12. April) rechnet die Bundesagentur für Arbeit mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit von bis zu 200 000 Menschen. Foto: Caroline Seidel/dpa
Allein für die ersten Tage des April (bis zum Statistik-Stichtag 12. April) rechnet die Bundesagentur für Arbeit mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit von bis zu 200 000 Menschen. Foto: Caroline Seidel/dpa  

Berlin/Nürnberg - Die Corona-Krise schlägt mit Gewalt auf dem deutschen Arbeitsmarkt ein: Die Zahl der Anzeigen für Kurzarbeit ist auf ein nie da gewesenes Niveau emporgeschnellt. Trotzdem geht die Bundesagentur für Arbeit von einem Zuwachs von bis zu 200 000 Arbeitslosen im April aus. In den nur etwas mehr als zwei Wochen seit Beginn des wirtschaftlichen Stillstandes hätten 470 000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet, teilten Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Detlef Scheele, am Dienstag in Berlin mit.

Dahinter versteckt sich ein Vielfaches an Menschen, die in Kurzarbeit gehen werden, eine genaue Schätzung sei derzeit nicht möglich. Als sicher aber gilt: Der bisherige Höchstwert von 1,44 Millionen Kurzarbeitern von Mai 2009 in der internationalen Finanzkrise wird deutlich übertroffen werden. Zum Vergleich: In einem normalen Monat des Jahres 2019 gingen in Nürnberg etwa 1300 Anzeigen ein. Scheele und Heil machten deutlich, dass die Kurzarbeit als Mittel zur Rettung von Arbeitsplätzen in jedem Fall finanziert werde - koste es, was es wolle. Es handele sich um einen Rechtsanspruch. Die Bundesagentur verfüge über eine Rücklage von immensen 26 Milliarden Euro. Selbst falls diese aufgebraucht würde, müsste für etwaige Mehrkosten der Bundeshaushalt herhalten. "Das Geld ist kein limitierender Faktor, um den Rechtsanspruch auf Kurzarbeit zu finanzieren", sagte Scheele.

Vor allem in der Tourismusbranche und in der Gastronomie, wo sich die Kleinunternehmer derzeit mit innovativen Geschäftsmodellen über Wasser zu halten versuchen, wird Kurzarbeit wohl nicht reichen. "Wir gehen zurzeit davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im April um 150 000 bis 200 000 Menschen gestiegen sein wird", sagte Scheele mit Blick auf den Stichtag am 12. April für die nächste Arbeitsmarktstatistik. Noch nie seit 1991 hatte es von März auf April überhaupt einen Anstieg gegeben, saisonal bedingt fällt die Arbeitslosigkeit in dieser Zeit normalerweise.

"Die Arbeitslosigkeit - das sagen uns alle Agenturen - steigt, und sie steigt sehr stark im Bereich der Gastronomie und des Tourismus", sagte Scheele. In diesen Branchen sei die Eigenkapitaldecke oft nicht groß genug, um Mitarbeiter lange zu halten.

Die von der Corona-Krise ausgelöste Problematik trifft auf einen Arbeitsmarkt, der sich ohnehin nicht mehr so rosig präsentiert wie noch vor einigen Monaten. In der Märzstatistik, in der die Krise noch keinen Widerhall findet, ist die Zahl der Arbeitslosen zwar saisonal bedingt im Vergleich zum Februar um 60 000 gesunken, im Vergleich zum März des Vorjahres aber um 34 000 gestiegen. Das Angebot an offenen Stellen ging schon im März um mehr als 100 000 zurück.

Heil betonte, dass trotz vieler Sorgen Anlass zu "realistischer Zuversicht" bestehe. Deutschland sei "einer der stärksten Sozialstaaten der Welt". Und das Ziel der Politik laute, auch mit eilig beschlossenen Schutzschirmen: "Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz, der in dieser Situation gefährdet ist." Allerdings sei realistischerweise nicht jeder einzelne Arbeitsplatz zu beschützen.

Konkret will der Staat Arbeitnehmern und Selbstständigen nun mit mehreren Krisenmaßnahmen unter die Arme greifen: Wenn Unternehmen Personal in Kurzarbeit schicken, übernimmt die Arbeitsagentur 60 Prozent des Lohns, bei Menschen mit Kindern 67 Prozent. Die Unternehmen bekommen die Sozialbeiträge erstattet. Heil appellierte an die Wirtschaft, Kurzarbeitergeld wo immer möglich aufzustocken. Dies sei auch eine "Nagelprobe für unsere Sozialpartnerschaft".

Daneben werden Hinzuverdienstmöglichkeiten erleichtert - zum Beispiel, wenn Beschäftigte einer Wäscherei, die sonst für jetzt geschlossene Hotels arbeitet, nun in der Wäscherei einer Klinik mithelfen. Zudem ist der Zugang zur Grundsicherung vorerst leichter möglich - Jobcenter verzichten bei einem Hartz-IV-Antrag ein halbes Jahr auf Prüfungen von Vermögen und Wohnungsmiete.

Autor

Michael Donhauser, Sascha Meyer
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Veröffentlicht am:
31. 03. 2020
21:32 Uhr

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Michael Donhauser, Sascha Meyer

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Veröffentlicht am:
31. 03. 2020
21:32 Uhr



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