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Wirtschaft

"Das ist eher ein politischer Werbegag"

Die CSU hat kürzlich eine Klimaanleihe für Bürger vorgeschlagen. Was ist davon zu halten? Wir fragten nach beim Aktionärsschützer Daniel Bauer.



Interview: mit Daniel Bauer, Vorstandschef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK)
Interview: mit Daniel Bauer, Vorstandschef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK)   » zu den Bildern

Herr Bauer, die CSU plant eine Klimaanleihe. Freut sich da der frustrierte Sparer?

Die SdK

Die 1959 gegründete Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) mit Sitz in München ist nach eigenen Angaben mit rund 5000 Mitgliedern eine der führenden deutschen Anlegervereinigungen. Diplom-Volkswirt Daniel Bauer steht seit 2016 an der SdK-Spitze.


Die Klimaanleihe ist wohl eher als politischer Werbegag zu verstehen.

Warum?

Sofern die Anleihe, die von der staatlichen KfW-Bankengruppe begeben werden soll, eine staatlich garantierte Rendite von zwei Prozent jährlich auf zehn Jahre vorsieht, würde die Rendite deutlich über vergleichbaren Bundesanleihen liegen. Und wäre somit aus Sicht des Herausgebers der Anleihe weitab von jeglicher wirtschaftlichen Vernunft. Sollte der Bund tatsächlich die Rendite garantieren, würde dies die Frage der Untreue gegenüber dem Steuerzahler aufwerfen. Denn warum sollte man eine Anleihe mit zwei Prozent Rendite garantieren, wenn das Geld auf dem Markt deutlich günstiger zu bekommen wäre?

Ein attraktives Angebot wäre es doch jedenfalls?

Da die Anleihe staatlich garantiert werden würde, wäre das bei dem aktuellen Zinsumfeld - zum Vergleich: zehnjährige Bundesanleihen rentieren bei minus 0,73 Prozent - ein höchst attraktives Geschäft.

Wie können die Zinsen der
Klimaanleihe erwirtschaftet
werden?

Generell können sich Projekte im Klimaschutz durchaus auch als wirtschaftlich erweisen. Investiert ein Unternehmen zum Beispiel in modernere Fertigungsmethoden, können dadurch zukünftig Rohstoffe eingespart werden. Investiert der Fiskus zum Beispiel in eine bessere Wärmedämmung oder intelligente Beleuchtungslösungen von öffentlichen Gebäuden wie Schulen, spart man sich zukünftig Energiekosten.

Können Sie weitere Beispiele

nennen?

Auch der Ausbau des ÖPNV oder von schnellen Bahnverbindungen könnte volkswirtschaftlich sinnvoll sein, wenn dadurch Investitionen in neue Flughäfen vermieden werden können und der Energieverbrauch zukünftig gesenkt werden kann. Das müsste man aber im Einzelfall betrachten. Da die Projekte, die durch die Klimaanleihe gefördert werden sollen, bisher nicht bekannt sind, kann man aktuell auch keine Einschätzung dazu abgeben, ob man die Zinsen gesamtwirtschaftlich gesehen auch tatsächlich erwirtschaften kann.

Neuverschuldung durch die
Hintertür?

Ja, solange der Staat dafür bürgen soll, kommt es einer Neuverschuldung gleich. Generell müssen Schulden aber auch nichts Verwerfliches sein, sie müssen nur zur richtigen Zeit gemacht werden, und die dadurch generierte Liquidität müsste sinnvoll investiert werden.

Der Bund könnte Negativzinsen seiner Staatsanleihen in Positives für die Bürger wandeln.

Positiv würde ich das nicht sehen. Das gleicht mehr dem Prinzip linke Tasche rechte Tasche. Der Emittent der Klimaanleihe muss die Rendite ja auch wieder erwirtschaften. Gelingt das nicht, müsste im Zweifel der Bund einspringen, der die Zinsen ja auch wieder über Steuereinnahmen "erwirtschaften" muss. Somit müsste am Ende der Steuerzahler die Rendite der Kapitalanleger zahlen, die weit über Marktniveau liegt.

Falls die Klimaanleihe kommt: Werden Sie auch einsteigen?

Nein, ich investiere vor allem in Aktien. Die Renditen auf angeblich sichere Wertpapiere erscheinen mir bei der aktuellen Gemengelage nicht sehr interessant.

Welche Möglichkeiten haben Sparer sonst noch?

Die Zeit der risikofreien Geldanlage via Sparbuch oder dem Kauf von Staatsanleihen dürfte auf lange Sicht vorbei sein. Alles, was als sichere Geldanlage gilt, liefert aktuell negative Renditen. Aus meiner Sicht sollte man sich vor allem hoch liquide Anlagemöglichkeiten anschauen, von denen man sich in unruhigeren Zeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch wieder trennen kann. Dazu zählen für mich vor allem Aktien, börsengehandelte Fonds und teilweise Unternehmensanleihen.

Sind Immobilien und Anleihen schon viel zu teuer?

Anleihen mit negativen Renditen würde ich aktuell nicht kaufen, außer, man nutzt die Anlage kurzfristig in Erwartung weiter steigender Kurse im Falle von weiteren Zinssenkungen. Immobilien würde ich aufgrund der geringen Fungibilität und der damit einhergehenden Risiken wie weitere Eingriffe staatlicherseits in den Immobilienmarkt, wie sie aktuell in Berlin geplant werden, auch nur dann kaufen, wenn man die Immobilien auch selbst benutzt beziehungsweise benutzen würde.

Sollten Anleger wirklich Aktien kaufen vor einer drohenden Rezession?

Die Frage stellt sich durchaus. Aktuell schaut das Konjunkturumfeld nicht rosig aus. Langfristig dürfte sich das Umfeld aber wieder aufhellen, zumindest dann, wenn der Handelskrieg der USA irgendwann auch sein Ende finden sollte. Daher ist die Aktienauswahl entscheidend. Unternehmen, deren Produkte auch in Zukunft gefragt sein werden, können daher auch im aktuellen Umfeld zu günstigen Kursen gekauft werden.

Kommt bald der große Knall an der Börse?

Nein, das glaube ich nicht. Es fehlen einfach die alternativen Anlagemöglichkeiten. Denn Anleihen und Immobilien sind im Vergleich deutlich zu teuer und Geld ist aktuell so günstig wie nie zu leihen. Daher spricht vieles für steigende Aktienmärkte. Entscheidend dürfte aber sein, wie es mit der Handelspolitik der USA unter Trump weitergeht. Verschärft er die Konfrontation, könnte es tatsächlich nochmal unangenehm werden an den Märkten. Das Gespräch führte

Roland Töpfer

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Veröffentlicht am:
25. 09. 2019
20:34 Uhr

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Veröffentlicht am:
25. 09. 2019
20:34 Uhr



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