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Wirtschaft

Das magische Notizbuch

Bayreuther Wissenschaftler nutzen die Blockchain, um Behörden schneller zu machen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat großes Interesse an deren Arbeit.



Alexander Rieger (links) und Professor Gilbert Fridgen im Blockchain-Labor der Uni Bayreuth. Foto: Valentin Tischer
Alexander Rieger (links) und Professor Gilbert Fridgen im Blockchain-Labor der Uni Bayreuth. Foto: Valentin Tischer  

Bayreuth - An der Speerspitze der Digitalisierung stehen zwei Bayreuther Wissenschaftler - zumindest in einem Teilbereich. Gilbert Fridgen, Professor für Wirtschaftsinformatik und nachhaltiges IT-Management an der Universität Bayreuth, und sein Doktorand Alexander Rieger unterstützen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit Blockchain-Technologie, um den Asylprozess effizienter zu gestalten.

Etwas versteckt liegt das Blockchain-Labor der Universität und des Fraunhofer-Instituts. Im dritten Stock eines Geschäftshauses wird an der Zukunft geforscht. Damit das Bamf nicht so überlastet wird wie zur Flüchtlingskrise 2015, entwickelt Gilbert Fridgen mit seinen Mitarbeitern digitale Werkzeuge für das Amt. Mit dem zentralen Begriff seines Projektes können Laien meist nur wenig anfangen: Blockchain.

Um die Blockchain für Laien zu erklären, zieht er eine Metapher heran. "Die Blockchain ist wie ein Notizbuch mit magischen Eigenschaften. Wenn ich auf eine Seite etwas schreibe, dann können auch alle anderen, mit ähnlichen Notizbüchern, das sehen. Die Informationen, die auf den Seiten stehen, können nicht mehr verändert werden. Die einzelnen Seiten wären der ‚Block‘ mit der Information und die Bindung des Buches die ‚Chain‘, die verhindert, dass Informationen verändert werden." Übersetzt in die digitale Sprache heißt das dann: Es besteht eine große dezentrale Datenbank mit Informationen, auf die jedes Amt zugreifen, sie aber nicht verändern kann.

Für das Bamf wäre eine solche Datenbank Gold wert. Wegen des deutschen Föderalismus sind verschiedene Behörden, ob Regionaldirektionen des Amts oder Landratsämter, in die Entscheidungen verwickelt. Das Grundgesetz verbiete es, den ganzen Prozess zu zentralisieren. Ungefähr 7500 einzelne Behörden seien, auf ganz Deutschland gesehen, für den Asylprozess zuständig, erklärt Gilbert Fridgen. Eine dezentrale Datenbank, in der bestimmte Daten und Verweise auf andere Datensätze verfügbar sind, würde den Prozess erheblich beschleunigen, erklärt Fridgens Mitarbeiter Alexander Rieger.

In der Datenbank werden keine persönlichen Informationen der Asylbewerber gespeichert, sondern nur Prozessdaten wie Registrierungen und Anhörungen. "Schon das bisschen Prozessinformation macht das Verfahren schneller", sagt Alexander Rieger. Die Ämter könnten gezielter Daten anfragen, und das gleich in der richtigen Dienststelle. Noch müsste so etwas analog laufen, aber in absehbarer Zeit könne dies auch digitalisiert werden, sagt er.

Entstanden sei das Projekt auf die Initiative des Bamf. Ende 2017 seien sie auf die Universität zugekommen, sagt Fridgen. Das Ankerzentrum in Dresden ist gerade an das System angebunden worden. Dort läuft es im Testbetrieb parallel zum normalen Verfahren, sagt Rieger. Wenn das Projekt Erfolg hat, kann es auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden. Und dann vielleicht sogar auf die gesamte EU. "Das Ankerzentrum in Dresden ist ein kleiner Nukleus, an den andere angebaut werden können. Es ist viel Arbeit, eine Behörde anzuschließen, aber beim zweiten, dritten und vierten Mal geht es dann schneller", sagt Alexander Rieger.

Beide Wissenschaftler betonen, dass das Bamf-Projekt ein Pilotprojekt ist. Um "die zwischenbehördliche Zusammenarbeit zu verbessern und sie einfacher und transparenter zu machen". Das funktioniere auch in anderen Bereichen, sagt Gilbert Fridgen. "Es ist die Idee, dass die Blockchain niemandem gehört und dass es keine Hoheitsbehörde gibt", sagt Alexander Rieger.

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Valentin Tischer
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Veröffentlicht am:
01. 08. 2019
21:48 Uhr

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Valentin Tischer

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01. 08. 2019
21:48 Uhr



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