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Wirtschaft

Die Brille sagt, wo es langgeht

Die Bayreuther Firma Ebu Umformtechnik nutzt die Digitalisierung für ihre Pressen. Aber wie funktioniert das genau?



Jörg Berger, Geschäftsführer und Mitgesellschafter bei Ebu Umformtechnik, vor dem Corpus einer Presse, die gerade generalüberholt wird. Foto: Andreas Harbach
Jörg Berger, Geschäftsführer und Mitgesellschafter bei Ebu Umformtechnik, vor dem Corpus einer Presse, die gerade generalüberholt wird. Foto: Andreas Harbach  

Bayreuth - Wenn man wie der Pressenhersteller Ebu Umformtechnik rund 60 Prozent seiner Geschäfte mit der Autoindustrie macht, dann bleibt man von den aktuellen Problemen dieser Branche nicht unberührt. Doch das Bayreuther Unternehmen steuert gegen - etwa durch ein zunehmendes Asiengeschäft, bei dem die chinesische Mutter eine wichtige Rolle spielt, aber auch durch neue Angebote zum Beispiel im Bereich Digitalisierung.

Die Pressen

Ebu Umformtechnik entwickelt, konstruiert und baut Pressen für die Industrie, die mit bis zu 1600 Tonnen Druck arbeiten, 400 Tonnen schwer sein können und in komplette Fertigungsstraßen integriert werden. Diese Maschinen werden in Bayreuth zumindest vormontiert und je nach Größe erst beim Kunden aufgebaut.

Das bislang größte Einzelprojekt von Ebu brachte acht Millionen Euro. Das andere Extrem sind Kleinpressen für rund 40 000 Euro, die etwa an Zulieferer für die Uhrenindustrie gehen. Auf denen werden dann filigrane Teile für Uhrwerke gestanzt, die in Edeluhren wie Rolex oder Glashütte verwendet werden.


Ebu-Geschäftsführer Jörg Berger kommt am Rande der Hausmesse mit rund 150 Fachbesuchern aus dem In- und Ausland fast ins Schwärmen, wenn er von der neuen Datenbrille erzählt, die den Service an seinen Pressen geradezu revolutionieren soll. Augmented Reality - also erweiterte Realität - ist der Fachausdruck für das, was dieses System möglich macht.

Und das geht so: Trägt ein Techniker vor Ort die Brille, kann er sich zum Beispiel die nötigen Schalt- oder Projektzeichnungen direkt in sein Sichtfeld einblenden lassen. Zugleich kann das, was er sieht, über das Internet in die Ebu-Zentrale übertragen werden. Gibt es ein Problem, können die Fachleute in Bayreuth in Echtzeit an der Lösung mitarbeiten. So ist es zum Beispiel möglich, den Techniker vor Ort Schritt für Schritt zum eigentlichen Problem zu leiten und ihm dann Anweisungen für dessen Behebung auf die Brille zu projizieren. Und zwar weltweit.

"Das spart natürlich viel Geld, weil kein Techniker extra anreisen muss und sich eventuelle Standzeiten deutlich reduzieren lassen", sagt Geschäftsführer Berger. Durch solche und weitere Angebote aus dem Bereich Digitalisierung könne man sich vom Wettbewerb unterscheiden.

Dass mancher Kunde momentan trotzdem gerade hier spart, dürfte wohl am steigenden Kostendruck vor allem in der Autoindustrie und der allgemeinen Verunsicherung über die konjunkturelle Entwicklung liegen. Da werden Investitionen schon mal aufgeschoben, das spüren sie auch bei Ebu. Mehr als die Hälfte der Pressen aus Bayreuth geht an die Auto-Zulieferindustrie, der Rest in die Bereiche Haushaltsgeräte, Bau, Elektro oder Heizungstechnik.

Da hilft es, dass Ebu mittlerweile zunehmend auf dem asiatischen Markt Fuß fasst. Was an der Zusammenarbeit mit der Xuzhou Metalforming Machine Group in China liegt, die Ende 2016 die Mehrheit an Ebu übernommen hat. Ein bisschen mehr Dynamik wünscht sich Berger da noch, doch wurden erste gemeinsame Projekte bereits realisiert. In Zukunft soll die Exportquote auch dadurch von derzeit knapp 40 auf über 50 Prozent gesteigert werden.

Zumal sich das Unternehmen laut Berger vom klassischen Maschinenbauer zum Systemlieferanten gewandelt hat, der nicht nur ganze Fertigungsstraßen individuell für jeden Kunden entwickelt und liefert, sondern auch gleich für den Service sorgt. Dabei müsse man sich auf seine Kernkompetenzen und Schlüsseltechniken konzentrieren und dürfe sich nicht scheuen, auch von Experten zuzukaufen. Den Schaltschrankbau zum Beispiel übernehme mittlerweile Hermos in Mistelgau für Ebu.

Dabei werden die Maschinen immer größer, und auch der Pressdruck nimmt wegen der im Automobilbau zunehmend verwendeten hochfesten Materialien immer weiter zu - auf bis zu 1600 Tonnen. "Mit unseren Pressen werden vor allem kompliziertere Teile hergestellt, die unter anderem wichtige Aufgaben für die Stabilität eines Autos übernehmen", sagt Berger. Dabei seien bis zu 18 Umformungen nacheinander nötig, bis so ein Teil fertig ist.

Immerhin gut 20 Prozent zum Umsatz trägt die Überholung gebrauchter Pressen zum Geschäft bei. "Die bekommen von uns zum Beispiel neue Steuerungen und eine neue Pneumatik und gehen dann mit Garantie zurück an den Eigentümer", sagt Berger, der hier ein Potenzial von bis zu 30 Prozent des Umsatzes sieht. Zum einen, weil mehr Kunden in der momentan unsicheren konjunkturellen Lage eine Neuanschaffung scheuen, aber auch, weil ökologische Aspekte mehr Bedeutung bekommen.

25 Millionen Euro Umsatz peilt Berger in diesem Jahr an, was ein ebenso konstanter Wert wäre wie die Mitarbeiterzahl von 120. Sollte das Asiengeschäft wie geplant anspringen, kann er sich aber mittelfristig auch einen Anstieg auf bis zu 200 Beschäftigte vorstellen. Nicht zuletzt deshalb behalte man ebenfalls die vergleichsweise hohe Ausbildungsquote von deutlich über zehn Prozent bei.

Noch unsicher ist sich Berger, wie und vor allem wo er ein solches Wachstum baulich darstellen soll. Am jetzigen Standort in der Rathenaustraße könnte man eine frei gewordene und derzeit vor allem als Lager genutzte Halle abreißen und eine neue bauen, die alle Anforderungen in Hinblick auf immer größere Projekte erfüllt. Was allerdings nichts an der grundsätzlich schwierigen und beengten Situation in einem Wohngebiet ändere. Deshalb sei auch ein kompletter Neubau am Rand von Bayreuth denkbar, so Berger. Allerdings rede man dann von einem Zeitraum von mindestens acht bis zehn Jahren.

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Stefan Schreibelmayer
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Veröffentlicht am:
11. 07. 2019
21:28 Uhr

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Stefan Schreibelmayer

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11. 07. 2019
21:28 Uhr



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