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Wirtschaft

Ein 40-Stunden-Job neben dem Beruf

Stellvertretender Chef ist er schon - nun will sich Sebastian Döberl zum Bundesvorsitzenden der Wirtschaftsjunioren wählen lassen. Was treibt den Bayreuther an?



Engagiert sich seit Jahren für die Wirtschaftsjunioren: Sebastian Döberl. Foto: Stefan Schreibelmayer
Engagiert sich seit Jahren für die Wirtschaftsjunioren: Sebastian Döberl. Foto: Stefan Schreibelmayer  

Bayreuth - Ehrenamtlich engagiert hat sich Sebastian Döberl schon immer, als Fußball-Schiedsrichter oder in der Jugendarbeit. Der außergewöhnliche zeitliche Aufwand, den er seit rund fünf Jahren betreibt, ist aberschon außergewöhnlich und hat dem 34-Jährigen bereits den einen oder anderen Rüffel seiner Frau eingebracht. Doch bald dürfte es sogar noch aufwendiger werden. Denn wenn alles normal läuft, ist der Bayreuther in knapp sieben Wochen Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren.

Wirtschaftsjunioren

Die Wirtschaftsjunioren sind ein Verband für junge Unternehmer und Führungskräfte. Sie sind auf Kreis-, Landes- und Bundesebene organisiert. Stärkster Landesverband ist Bayern mit rund 4500 der bundesweit gut 10 000 Mitglieder und 60 von 210 Kreisverbänden. Der Kreisverband Bayreuth hat gut 60 Mitglieder. Führungsämter kann man jeweils nur ein Jahr ausüben. Deshalb gibt es ein Stellvertreterprinzip - der stellvertretende Vorsitzende hat so ein Jahr Zeit zum Einarbeiten, ehe er als Vorsitzender richtig loslegen kann. Der Bayreuther Sebastian Döberl trat den Wirtschaftsjunioren vor sechs Jahren bei und machte Karriere bis hin zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Am 21. September soll er in Wuppertal zum Bundesvorsitzenden gewählt werden.


Man könnte meinen, bei den Wirtschaftsjunioren geht alles einfach so seinen Gang. Man tritt ein, zeigt besonderes Interesse, wird zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden, rückt zum Vorsitzenden auf, durchläuft dann die gleichen Positionen auf Landesebene und schafft das dann sogar auf Bundesebene. Geht natürlich nicht einfach so, betont Sebastian Döberl, auch wenn es bei ihm genau so gelaufen ist. "Man kann bei den Wirtschaftsjunioren relativ schnell aufsteigen, wenn man engagiert ist", sagt der Bayreuther, der als Prokurist bei Eisen Bauer in Bayreuth bereits seit einigen Jahren Führungsverantwortung trägt.

Auf bis zu 40 Stunden beziffert Döberl sein zeitliches Engagement pro Woche - neben der Arbeit. Und 15 Tage seines Urlaubs gehen im Jahr auch noch für die Wirtschaftsjunioren drauf. Manchmal bekomme er 75 Whatsapp-Nachrichten pro Tag, in denen es um die Wirtschaftsjunioren geht. Kein Wunder, dass seine Frau das Ganze nicht nur positiv sieht. "Immer, wenn ich in eines der Ämter aufgerückt bin, habe ich ihr versprochen, dass es das letzte ist. Und dann habe ich doch noch ein Jahr drangehängt", sagt Döberl, zuckt lächelnd mit den Schultern und ergänzt schnell: "Aber zum einen steht meine Frau wirklich hinter mir, und sie weiß ja, dass ich spätestens 2021 durch bin." Dann, wenn das Jahr als Bundesvorsitzender vorbei ist, soll auch wieder mehr Zeit für gemeinsame Wellnessurlaube sein.

Und für die Firma. Wobei das nicht heißen soll, dass er seine berufliche Tätigkeit vernachlässigt habe, betont Döberl. "Aber es musste natürlich von vornherein abgesprochen werden. Mein Arbeitgeber spielt mit, auch weil klar ist, dass es ein Engagement auf Zeit ist." Zumal das Unternehmen auch profitiere. Schon allein deshalb, weil er sich dank seiner Ämter persönlich weiterentwickle. Man werde gelassener, wenn man zum Beispiel eine Landeskonferenz organisiert habe. "Mich kann kaum noch etwas schocken", sagt Döberl. Zudem könne man sich viel von anderen Unternehmern und Führungskräften abschauen. Oder das persönliche Netzwerk - ein wichtiges Element bei den Wirtschaftsjunioren - auch zum Nutzen der Firma einsetzen. Und nicht zuletzt habe man als Bundesvorstand Führungsverantwortung für gut 25 Leute und ein Budget von rund einer Million Euro. "Man führt nebenbei noch eine Firma."

Apropos abschauen: Beeindruckt haben Döberl Treffen mit Spitzenpolitikern beim jährlichen Know-how-Transfer in Berlin. Da gab es kürzlich einen Austausch in Berlin unter anderem mit FDP-Chef Christian Lindner, Unions-Fraktionsvorsitzendem Ralph Brinkhaus und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Und ein Foto mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Sie selbst war zwar nur ein paar Minuten da. Aber das Aufstellen fürs Foto dauert vorher 35 Minuten, bis die Fotografen zufrieden sind." Das alles sei beeindruckend. Noch besser aber seien Hintergrundgespräche mit Politikern im kleinen Kreis, "wo man auch mal offen reden und ein Thema adressieren kann". Als Landes- oder Bundesvorsitzender habe man da einen ganz anderen Zugang.

Themen, die die Wirtschaftsjunioren besonders bewegen, seien zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt oder flexiblere Arbeitszeiten in Zeiten der Digitalisierung. Oder auch das Thema Aus- und Weiterbildung statt des zunehmenden Trends zum Studium. Er selber habe nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und Stationen in Hamburg und Stuttgart den IHK-Handelsfachwirt und den IHK-Betriebswirt und so auf dem zweiten Bildungsweg Karriere gemacht. Auch deshalb will Döberl dieses Thema zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit als Bundesvorsitzender machen und entsprechende Projekte in Schulen intensivieren.

Sicher kann sich Döberl natürlich erst dann sein, wenn er am 21. September beim Bundeskongress in Wuppertal als Nachfolger des Bonners Florian Gloßner tatsächlich zum Bundesvorsitzenden gewählt worden ist. Dann wartet noch mal ein intensives Jahr auf ihn. Döberl rechnet mit bis zu 180 Terminen zwischen Rostock und Garmisch und entsprechend Zehntausenden Autobahnkilometern. Ehe es dann 2021 ruhiger werden soll - mit einer einfachen Mitgliedschaft bei den Wirtschaftsjunioren und mehr Zeit für Firma, Frau und Hund.

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Stefan Schreibelmayer
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Veröffentlicht am:
07. 08. 2019
20:10 Uhr

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Stefan Schreibelmayer

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Veröffentlicht am:
07. 08. 2019
20:10 Uhr



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