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Wirtschaft

Elevion übernimmt Hermos

Der oberfränkische Automatisierungs-Spezialist gehört künftig zu einem Jenaer Firmenverbund. Was ist der Hintergrund und was bedeutet das für die Mistelgauer?



Jörg Herrmannsdörfer (links) und Harald Köhler stehen auch nach dem Verkauf an der Hermos-Spitze. Foto: Stefan Schreibelmayer
Jörg Herrmannsdörfer (links) und Harald Köhler stehen auch nach dem Verkauf an der Hermos-Spitze. Foto: Stefan Schreibelmayer  

Mistelgau/Jena - Paukenschlag in Mistelgau: Die Firma Hermos hat einen neuen Eigentümer. Der Automatisierungs-Spezialist wird damit zu einer 100-prozentigen Tochter der Elevion GmbH in Jena. Für die rund 500 Mitarbeiter werde sich allerdings nichts ändern, unterstreichen die Vorstände Jörg Herrmannsdörfer und Harald Köhler, die an Bord bleiben werden. Vielmehr verspreche der neue Gesellschafter mit seiner Strategie, mittelständische Unternehmen unter seinem Dach zu vereinen, ganz neue Wachstumschancen für Hermos.

Zahlen & Fakten

Die Hermos-Gruppe ist ein Spezialist für Automatisierungs- und IT-Lösungen für Industrie, Energie, Umwelt und Gebäude. Die Wurzeln des 1980 in Limmersdorf bei Thurnau von Dieter Herrmannsdörfer gegründeten Unternehmens liegen im Schaltanlagenbau, der auch heute noch einen nennenswerten Anteil hat. Hermos hat insgesamt gut 500 Mitarbeiter, davon etwa 320 am heutigen Stammsitz in Mistelgau. Hinzu kommen zehn weitere Inlands-Standorte, unter anderem in Berlin, Dresden, Frankfurt und München sowie Auslands-Niederlassungen in Polen, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Malaysia. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Euro, 2016 waren es noch etwa 70 Millionen Euro.

 

Die Elevion-Gruppe ist nach eigenen Angaben mit über 55 nationalen und internationalen Standorten einer der Marktführer für mechanische und elektrotechnische Gebäudetechnik in Deutschland und beschäftigte bislang in ihren Tochterunternehmen rund 2500 Mitarbeiter. Der Gruppenumsatz betrug 2018 rund 400 Millionen Euro. Mit der Übernahme von Hermos, die noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung steht, steigen die Werte entsprechend auf rund 3000 Mitarbeiter und etwa 500 Millionen Euro Umsatz. Treibende Kraft bei Elevion ist Lars Ebelein, der den eigenen Familienbetrieb mit rund 500 Mitarbeitern in die erst 2013 gegründete Elevion GmbH einbrachte. Seither wächst die Gruppe durch Zukäufe vehement. Hauptgesellschafter ist allerdings mit 92 Prozent der tschechische Energieversorger CEZ. Die restlichen Geschäftsanteile werden vom Elevion-Management gehalten.

 

Jörg Herrmannsdörfer, der seit dem Tod seines Vaters und Firmengründers Dieter Herrmannsdörfer Mehrheitsgesellschafter bei Hermos war, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Das Wichtigste sei ihm, dass die Zukunft des Unternehmens mit seinen Arbeitsplätzen und Standorten gesichert werde und der Name erhalten bleibe: "Beides ist durch Elevion gewährleistet."

 

"Nicht nur wegen ihrer technischen Kompetenzen und ihrer Leistungsfähigkeit, sondern vor allem durch das gelebte mittelständische Unternehmertum sowie die familiäre Unternehmenskultur passt Hermos sehr gut in die Elevion-Gruppe", sagt Lars Eberlein, Gründer und Chef (CEO) von Elevion. Das sieht auch Harald Köhler so. Hermos als Spezialist für Automatisierungs- und IT-Lösungen für Industrie, Energie, Umwelt und Gebäude sei eine "optimale Ergänzung" für die Elevion-Gruppe, die damit jetzt "top aufgestellt" sei: "Die Firmen unter dem Elevion-Dach können voneinander profitieren und zum Beispiel als Bietergemeinschaft auftreten. Damit werden für uns als Hermos Projekte in Größenordnungen möglich, an die wir bisher nicht einmal denken konnten, weil Elevion auch für den nötigen finanziellen Hintergrund sorgt."

Jörg Herrmannsdörfer sagt, er habe sich deshalb nach einem Partner umgeschaut, um den Finanzbedarf für das nötige Wachstum des Unternehmens absichern zu können. Laut Köhler geht es dabei mittelfristig um einen "nennenswerten zweistelligen Millionenbetrag". Das könne die Familie trotz der guten Entwicklung der vergangenen Jahre allein nicht stemmen. "Als kleines gallisches Dorf in einem von zunehmender Konsolidierung geprägten Markt hätten wir eine gute Zukunft von Hermos zumindest langfristig nicht garantieren können", sagt Herrmannsdörfer. Ein reiner Finanzinvestor, der nach wenigen Jahren wieder aussteige, sei für ihn und seine Kollegen in der Führungsmannschaft nicht infrage gekommen: "Elevion dagegen ist langfristig und strategisch orientiert."

Mistelgaus Bürgermeister Karl Lappe räumt auf Kurier-Nachfrage ein, "dass der Verkauf für uns schon überraschend kam. Aber als Gemeinde muss man Unternehmensentscheidungen einfach mal zur Kenntnis nehmen." Er hoffe, dass sich die Planungen von Hermos bewahrheiten: "Am wichtigsten ist, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben oder sogar ein paar hinzukommen." Hermos sei eines von zwei großen Unternehmen in der Gemeinde und als Arbeitgeber und Steuerzahler entsprechend wichtig. Angedachte Erweiterungsinvestitionen werde die Gemeinde, wenn möglich, positiv begleiten.

Eberlein wie Herrmannsdörfer betonen, dass es zwischen den Unternehmerfamilien seit rund zehn Jahren Kontakte gebe, bei denen immer wieder auch Visionen etwa über ein Zusammengehen ausgetauscht worden seien. "Dass mein Vater auch schon in diese Richtung gedacht hat, hat mir den Schritt erleichtert", sagt Herrmannsdörfer. Elevion sei bekannt dafür, dass es die operative Verantwortung in den Tochterunternehmen belasse. Ein Beleg dafür sei die Tatsache, dass sich das Management aller Firmen der Gruppe habe verpflichten müssen, für mehrere Jahre bei Hermos zu bleiben.

Er ergänzt, dass Elevion gar nicht die Managementkapazitäten vorhalte, um bei seinen Töchtern aktiv hineinzuregieren. Abstimmungen über die Ziele und deren Umsetzung aber seien "natürlich selbstverständlich". Dennoch könne Hermos auch von Elevion als Organisation vielfach profitieren, sagt Herrmannsdörfer: "Als strategische Management-Holding werden dort viele wichtige Services durch Spezialisten vorgehalten, die wir als Hermos bislang nicht zur Verfügung hatten und auf die wir nun auch zurückgreifen können."

Die Hermos-Mitarbeiter wurden in Betriebsversammlungen von dem Verkauf informiert. Es habe natürlich viele Fragen gegeben, sagen Herrmannsdörfer und Köhler, die aber beantwortet worden seien und auch noch würden, wenn weiterer Bedarf sei. Man habe der Belegschaft aber wohl vermitteln können, dass ihre Arbeitsplätze durch den Schritt gesichert werden. Köhler beschreibt die Stimmung mit "erwartungsfroher Skepsis".

Autor

Stefan Schreibelmayer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 04. 2019
20:23 Uhr

Aktualisiert am:
17. 04. 2019
20:23 Uhr

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Autor

Stefan Schreibelmayer

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Veröffentlicht am:
17. 04. 2019
20:23 Uhr

Aktualisiert am:
17. 04. 2019
20:23 Uhr



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