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Wirtschaft

Geldstrafe für die Rache am Chef

Das Amtsgericht Hof verurteilt den Ex-Angestellten einer Coburger Firma. Er hatte geheime Daten des Unternehmens online gestellt.



Hof/Coburg - Rache am ungeliebten Chef - das ist für einen Wirtschaftsinformatiker aus dem Raum Bayreuth eine teure Angelegenheit geworden. Wegen des Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen ist der 36-Jährige jetzt von Strafrichterin Diana Fritzsche in Hof zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen verurteilt worden. Aufgrund seines überschaubaren Einkommens beläuft sich die Höhe eines Tagessatzes auf nur 30 Euro.

Die Richterin war überzeugt, dass der Mann im Jahr 2015 von seinem Arbeitsplatz aus eine umfangreiche Datenbank auf eine öffentlich zugängliche Seite im Internet hochgeladen hatte. Sie enthielt alle wesentlichen Kalkulations- und Betriebsdaten seines Arbeitgebers, eines Metallbauunternehmens mit Sitz in Coburg und Naila. Erst zwei Jahre später stieß der Chef des Unternehmens bei einer Internetrecherche rein zufällig auf die Daten aus seinem Unternehmen. Sofort sorgte er über seinen Anwalt für die Sperrung des Inhalts.

Wie sich kurz darauf herausstellte, waren die sensiblen Daten von einem Internetnutzer hochgeladen worden, der dazu nicht nur den Namen des Angeklagten, sondern auch dessen Geburtsdaten und dessen Handynummer genutzt hatte. Außerdem wurden sie vom PC an dessen Arbeitsplatz - im Chefbüro - online gestellt.

Als die Sache aufflog, war der heute 36-Jährige schon lange nicht mehr bei der Firma beschäftigt. Man hatte ihn fristlos entlassen, weil er fünf Schecks der Firma unterschlagen und auf seinem Konto eingelöst hatte.

Das hätte er seinem Beschäftigten niemals zugetraut, sagte der Vorstand der Aktiengesellschaft nun als Zeuge vor Gericht. Der Angeklagte habe sich im Laufe der Jahre aus dem Lager ins Chefbüro hochgearbeitet. Als Assistent der Geschäftsführung sei er jahrelang durch Einsatz und Arbeitstempo aufgefallen. Nur am Schluss des Beschäftigungsverhältnisses habe es Probleme gegeben, was der Geschäftsführer aber auf die Schwierigkeiten zurückführte, die sein Ex-Assistent seinerseits mit seiner damaligen Freundin gehabt habe. Er selbst hatte angegeben, mit den unterschlagenen Schecks seine Freundin unterstützt zu haben.

Im Laufe der zweitägigen Verhandlung hatte der 36-Jährige gleich mehrere Versionen angeboten, wie es zu dem fatalen Datenleck gekommen sein könnte. Zunächst war er sich sicher, dass ein anderer Angestellter seinen Rechner benutzt haben müsse, um ihn schlecht dastehen zu lassen. Später konnte er sich vorstellen, dass er selbst die besagte Internetseite für einen missglückten Programmierversuch genutzt hatte. Hochgeladen habe er aber nur die Bedienungsanleitung, niemals die Datenbank selbst.

Richterin Fritzsche wertete dies alles als Ausflüchte. Immer wenn eine Erklärung aufgrund entgegenstehender Fakten unmöglich geworden
sei, habe sich der Angeklagte eben eine neue gesucht. Das wahrscheinlichste Motiv sei die Rache am ungeliebten Ex-Chef. Der wiederum war in seiner Zeugenaussage äußerst fair mit seinem ehemaligen Assistenten umgegangen und hatte keinerlei Tendenzen gezeigt, ihn zu belasten. So gab er an, dass sein Unternehmen durch die Preisgabe der Daten keinen spürbaren Schaden genommen habe.

Autor
Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
19:36 Uhr

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17. 05. 2019
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