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Wirtschaft

Guter Jobmarkt, aber auch wunde Punkte

In Bayern, Thüringen und Sachsen sinkt die Zahl der Arbeitslosen. Allerdings schwächeln manche Branchen. Und bestimmte Entwicklungen machen die Gewerkschaften sauer.



In Bayern ging die Arbeitslosigkeit im September besonders deutlich bei den 15- bis 25-Jährigen zurück. Fotos: Atelier 211/Adobe Stock, Andreas Gebert/dpa
In Bayern ging die Arbeitslosigkeit im September besonders deutlich bei den 15- bis 25-Jährigen zurück. Fotos: Atelier 211/Adobe Stock, Andreas Gebert/dpa   » zu den Bildern

Nürnberg - Der bayerische Arbeitsmarkt zeigt sich nach der Sommerpause gut in Form. Im September waren 209 469 Menschen ohne Arbeit. Das sind 9713 beziehungsweise 4,4 Prozent weniger als im August, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Montag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote reduzierte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent.

In Sachsen hat die Arbeitslosigkeit den tiefsten Stand seit der Wende erreicht. Im September waren 111 000 Männer und Frauen erwerbslos. Die Arbeitslosenquote sank auf 5,2 Prozent. Dies ist nach Auskunft der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz die geringste Arbeitslosenzahl und Arbeitslosenquote seit 1991. Das bisherige Rekordtief lag bei 112 000 Arbeitslosen und einer Quote von 5,3 Prozent im Juni dieses Jahres. Im Vergleich zum Vormonat waren im September in Sachsen rund 4500 Menschen weniger ohne Arbeit, was einem Rückgang der Quote um 0,2 Prozentpunkte entspricht. Vor Jahresfrist waren in Sachsen bei einer Quote von 5,6 Prozent 119 000 Menschen ohne Arbeit.

Auch in Thüringen ist die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt zu spüren: Die Zahl der Arbeitslosen im benachbarten Bundesland ist im September ebenfalls gesunken. Es waren rund 56 600 Frauen und Männer ohne feste Anstellung, 2700 weniger als im August, wie die Landesarbeitsagentur berichtete. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen allerdings nur noch um rund 1800. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum August um 0,2 Punkte auf 5,1 Prozent zurück. Thüringen war damit erneut das ostdeutsche Bundesland mit der geringsten Arbeitslosenquote und lag niedriger als Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bremen. Thüringens Arbeitsmarkt ist nach Einschätzung der Landesarbeitsagentur stabil, aber nicht mehr so dynamisch wie in der Vergangenheit.

In Bayern ging die Arbeitslosigkeit im September besonders deutlich bei den 15- bis 25-Jährigen zurück. Zu Beginn des Schul- und Ausbildungsjahres verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen in dieser Altersgruppe um 5231 oder 18,3 Prozent, sagte der Chef der Regionaldirektion Bayern, Ralf Holtzwart. Im Vergleich zum Vorjahr allerdings stieg die Arbeitslosigkeit. Insgesamt waren 2464 Menschen oder 1,2 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als im September 2018.

Nach Einschätzung des BA-eigenen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) macht der Konjunkturabschwung dem Arbeitsmarkt zwar zu schaffen, doch dieser halte sich insgesamt weiter gut. Die Arbeitsagenturen erwarteten zwar weiter einen Anstieg der Arbeitslosigkeit, jedoch in moderatem Umfang.

Der Rückgang der bei den Agenturen verfügbaren offenen Stellen hielt auch im September an. Aktuell sind 128 605 Angebote unbesetzt, das sind 5,0 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auch die neu gemeldeten Stellen seit Jahresbeginn sind mit insgesamt 258 320 rückläufig. In beinahe allen Branchen gingen die Neumeldungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück - mit minus 17,5 Prozent am deutlichsten in der konjunktursensiblen Metall- und Elektroindustrie und im verarbeitenden Gewerbe.

Dennoch wächst die Beschäftigung in Bayern insgesamt. Nach der aktuellen Hochrechnung waren im Juli mit 5,691 Millionen zwar im Vergleich zum Juni jahreszeitlich üblich 0,2 Prozent weniger Menschen beschäftigt. Im Vergleich zum Juli 2018 aber zeige sich ein weiter solides Wachstum um 98 600 Menschen oder 1,8 Prozent. "Damit waren am 30. Juni 2019 etwa eine dreiviertel Million Menschen mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt als im Jahr 2013", rechnete der Regionaldirektor vor. Den Großteil dieses Wachstums steuerte das verarbeitende Gewerbe bei, das um gut 130 000 Menschen zunahm, gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen, in dem jetzt rund 120 000 Menschen mehr beschäftigt sind als vor sechs Jahren.

Deutlich überdurchschnittlich nimmt die Beschäftigung weiter in der Informations- und Kommunikationsbranche, der Dienstleistungsbranche mit ihrer Nachfrage nach Bürofachkräften und Software-Entwicklern und im Baugewerbe zu. In der sogenannten Unterbeschäftigung, bei der auch Arbeitslose in geförderten Weiterbildungsmaßnahmen erfasst werden, befinden sich derzeit rund 292 400 Menschen - das sind 4511 oder 1,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damit wuchs deren Zahl stärker an als die Arbeitslosigkeit. "Noch trotzt der bayerische Arbeitsmarkt dem unruhigen konjunkturellen Umfeld. Die anhaltend hohe Beschäftigung sichert die gute Binnennachfrage", kommentierte Bayerns DGB-Chef Matthias Jena die Zahlen. Skandalös sei jedoch, dass noch immer viele Arbeitnehmer um ihren Lohn geprellt würden. Wie eine Statistik der Finanzkontrolle Schwarzarbeit zeige, habe sich die Zahl der Verfahren wegen Nichteinhaltens des Mindestlohns seit dessen Einführung im Jahr 2015 in Bayern mehr als verfünffacht. Dabei würden derzeit nur unter zwei Prozent der Betriebe kontrolliert.

Arbeitsministerin Kerstin Schreyer (CSU) verwies auf die im bundesweiten Vergleich mit 3,1 Prozent in Bayern niedrigste Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen. Es sei nötig, dass auch Ältere mit ihrem Wissen im digitalen Wandel konkurrenzfähig blieben. Sie ermutige diese Altersgruppe, von dem staatlichen "Bildungsscheck" in Höhe von 500 Euro als Zuschuss für eine Fortbildung Gebrauch zu machen.

Autor

Simone Rothe, Herbert Mackert, Martin Kloth
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Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
20:24 Uhr

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Autor

Simone Rothe, Herbert Mackert, Martin Kloth

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Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
20:24 Uhr



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