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Wirtschaft

Harter Kampf um die Jobs bei Loewe

Die Geschäftsführung hat konkrete Pläne: Sie will Produktionsbereiche zurück nach Kronach zurückholen. Die Gewerkschaft hingegen befürchtet dennoch einen dreistelligen Stellenabbau.



Für den Kronacher TV-Hersteller Loewe brechen schwere Zeiten an. Die Geschäftsführung sucht fieberhaft nach einem Investor - und will gleichzeitig die Produktionslinien besser auslasten.	Archivfoto: Frank Wunderatsch
Für den Kronacher TV-Hersteller Loewe brechen schwere Zeiten an. Die Geschäftsführung sucht fieberhaft nach einem Investor - und will gleichzeitig die Produktionslinien besser auslasten. Archivfoto: Frank Wunderatsch  

Kronach - Mit einer völlig neuen Variante ist der ums Überleben kämpfende TV-Hersteller Loewe am Dienstagnachmittag in die Betriebsversammlung gegangen: Es soll Produktion aus dem Ausland zurückgeholt werden, um den Standort Kronach zu stärken. "Das ist was Positives", sagte Bayerns IG-Metall-Pressesprecher Timo Günther im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Vorschlag müsse nun aber genau geprüft werden. Es gebe keinen Grund für Euphorie.

Denn bei einem deutlichen Personalabbau in dreistelliger Höhe soll es Günther zufolge bleiben. Statt in der Produktion solle nun in anderen Abteilungen wie Marketing, Vertrieb und Entwicklung abgebaut werden. Dies alles gelte zunächst nur für die Zeit des Insolvenzverfahrens, also bis Ende Juli. Damit es langfristig weitergehen könne, müsse ein Investor her.

Der Coburger IG Metall-Chef Jürgen Apfel bestätigte, dass der Plan einen Ausbau der Produktion in Kronach vorsieht. Für die IG Metall sei die Produktion in Kronach "ganz wichtig". Die Betriebsversammlung sei ruhig und sachlich verlaufen. Das Thema Personalabbau sei nicht vom Tisch, sagte Apfel unserer Zeitung. Mit potenziellen Investoren gebe es laut Unternehmen "vielversprechende Gespräche".

Für Loewe-Chef Ralf Vogt gilt die Produktionsverlagerung weiterer TV-Modelle trotz der neuen Variante weiter als "eine Option", erklärte er auf Nachfrage. Wie viele der knapp 500 Stellen in Kronach auf der Strecke bleiben werden, konnte oder wollte Vogt auch gestern auf Nachfrage unserer Zeitung nicht sagen.

Aktuell würden verschiedene Modelle mit dem Betriebsrat verhandelt. Ziel sei, so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Bord zu halten wie irgend möglich. "Das geht aber nur, wenn Loewe auf diesem Weg wieder profitabel wird. Eine konkrete Zahl kann ich deshalb noch nicht nennen." Es sei aber richtig, dass es bei Loewe zu größeren Einschnitten kommen kann, solange das Unternehmen ohne neuen Investor agieren muss. "Wir müssen unsere Kapazitäten an die Umsatzerwartungen anpassen, die während der Insolvenzphase realistisch erscheinen. Langfristig ist die Personalentwicklung abhängig von den Vorstellungen und Konzepten eines künftigen Investors."

Der oberfränkische DGB-Chef Mathias Eckardt bewertet die Lage bei Loewe als "äußerst schwierig". Habe man nach dem Einstieg des letzten Investors Stargate Capital anfangs noch positiv gedacht, habe sich dies schließlich doch als Luftblase erwiesen. Für die Region Kronach sei die Lage doppelt schwierig, nachdem auch dort ansässige Autozulieferer zunehmend Probleme bekämen.

Vogt bekräftigte gegenüber unserer Zeitung, dass Loewe ein deutsches Unternehmen bleiben und die Produkte weiterhin in Deutschland konzipiert und entwickelt werden sollen. "Das gilt insbesondere für Software-Entwicklung, Qualitätswesen, Kundenservice, Vertrieb und Marketing sowie die Fertigung der High-End-OLED-Fernsehgeräte. Die Produktionsverlagerung weiterer Fernsehgerätelinien ist eine Option."

Entschieden sei jedoch noch nicht, wie sich das Unternehmen langfristig aufstellen wird. Dabei sei ganz klar, dass Loewe als Ganzes profitabel werden muss, um nachhaltiges Wachstum zu erreichen. Das betreffe neben der Fabrik in Kronach auch alle anderen Unternehmensteile und die Auslandsgesellschaften.

Vogt gegenüber unserer Zeitung: "Wir werden unser Geschäftsmodell schrittweise umstellen, uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren, das Unternehmen mit Partnerschaften weiter internationalisieren, über Lizenzgeschäfte die Stärken der Premiummarke nutzen und neben dem TV-Geschäft das Sortiment vor allem auf Audio- und andere smarte Produkte ausweiten. In der Fertigung praktizieren wir die Erweiterung des Geschäftsfeldes bereits, indem wir Elektronikkomponenten auch für Unternehmen aus anderen Branchen herstellen."

Die Gläubiger würden Loewe auf diesem neuen Weg "grundsätzlich unterstützen". Zu den wichtigsten Aufgaben gehöre aktuell, die Kosten an die gesunkenen Umsätze anzupassen. Das schaffe Zeit bis zum Einstieg eines Investors.

Und wie läuft es bei der Investorensuche? Wie viele Interessenten gibt es? Vogt: "Wir stehen in Kontakt zu einer Reihe von potenziellen Investoren. Alle werden im Rahmen eines Bieterverfahrens die Möglichkeit erhalten, ein Angebot abzugeben." Wird Loewe einen Investor finden? "Da sind wir zuversichtlich. Es sind sehr ernsthafte Interessenten dabei, für die es viel Sinn machen würde, in Loewe zu investieren."

Loewe hatte 2017 bei einem Umsatz von 160 (Vorjahr 143) Millionen Euro unterm Strich einen Verlust von 4,5 Millionen Euro verbucht. Für 2018 liegen noch keine genauen Zahlen vor. Loewe selbst hat bestätigt, die eigenen Ziele nicht erreicht zu haben.

Autor

Roland Töpfer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
17:42 Uhr

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Roland Töpfer

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Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
17:42 Uhr



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