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Wirtschaft

In Oberfrankens M+E-Branche kriselt es

Die Betriebe sind längst nicht mehr so optimistisch wie noch vor einigen Jahren. Einige Unternehmen in Oberfranken schreiben bereits rote Zahlen.



Die Geschäftslage in der Metall- und Elektroindustrie könnte besser sein. Zuletzt hatte es hingegen noch bayernweit einen kräftigen Beschäftigungsaufbau gegeben. Foto: Sven Hoppe/dpa
Die Geschäftslage in der Metall- und Elektroindustrie könnte besser sein. Zuletzt hatte es hingegen noch bayernweit einen kräftigen Beschäftigungsaufbau gegeben. Foto: Sven Hoppe/dpa  

Coburg - Die oberfränkischen Vertreter der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbände Bayme und VBM rechnen mit einer deutlichen wirtschaftlichen Abkühlung. "Unsicherheit ist das größte Gift für die Konjunktur", betonte Thomas Kaeser, Bezirksvorsitzender der Arbeitgeberverbände, bei der Vorstellung der halbjährlichen Verbandsumfrage zur Situation der Mitgliedsbetriebe am Mittwoch in Coburg.

Zur Branche

2018 waren etwa 61 000 Menschen in der oberfränkischen Metall- und Elektroindustrie beschäftigt, 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Bayernweit waren Ende vergangenen Jahres etwa 875 000 Beschäftigte registriert. Seit dem letzten Tiefstand vor zehn Jahren sind das fast 160 000 Arbeitsplätze mehr. 2017 erwirtschaftete die Branche einen Umsatz von 265 Milliarden Euro, rund 60 Prozent davon im Ausland.


Allerdings bewerteten die oberfränkischen Metall- und Elektrounternehmen (M+E) die konjunkturelle Lage nach Kaesers Worten im ersten Halbjahr 2019 noch mehrheitlich positiv. Rund 60 Prozent der Betriebe kamen beim Inlandsgeschäft zu einer guten Einschätzung, etwa 50 Prozent mit Blick auf den Export. Eingetrübt haben sich die Geschäftserwartungen. Nur etwa zehn Prozent der Mitgliedsunternehmen erwarten weiterhin gute Geschäfte im Inland und knapp 30 Prozent im Ausland.

Die weniger optimistische Stimmung drücke auf Produktion und Investitionen. So planten nur rund 34 Prozent der Betriebe eine Erhöhung der Produktion, während etwa 16 Prozent von einer Drosselung ausgingen. In der zweiten Jahreshälfte wollen laut Umfrage nur etwas mehr als 14 Prozent investieren. Dabei machen Innovationen lediglich zehn Prozent der investierten Gelder aus. Beim Gros der Investitionen handelt es sich um Erweiterungs- und Ersatzbeschaffungen sowie Rationalisierungsmaßnahmen. Sorgenfalten treibt Kaeser auf die Stirn, dass ein Großteil der oberfränkischen Unternehmen einen zu geringen Gewinn erwirtschafte oder sogar rote Zahlen schreibe.

Die Folge: "Der lang anhaltende Beschäftigungsaufbau geht in ganz Bayern zu Ende", sagte der Verbandsvorsitzende. Im vergangenen Jahr habe die Branche bayernweit 18 000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Für dieses Jahr sei mit einem Plus von nur noch 8000 neuen Stellen zu rechnen. Beschäftigungsmotoren seien weiterhin die Elektroindustrie, der IT-Bereich sowie der Maschinenbau.

Stellenabbau befürchten die Hersteller von Metallerzeugnissen und elektrischen Ausrüstungen sowie die Automobilindustrie. Dies sei die Konsequenz aus der Verunsicherung, die entstanden sei, weil die Politik oft allein auf die Elektromobilität setze. Dazu kämen weltweite Unwägbarkeiten wie der Brexit oder die Unstimmigkeiten zwischen USA und China.

Nicht nur ein erwarteter Stellenabbau deute auf eine Anspannung des Arbeitsmarkts hin. So bauten die Betriebe Arbeitszeitkonten ab, in den Geschäftsstellen des Verbands häuften sich Nachfragen nach Kurzarbeit und Zeitarbeit werde massiv zurückgefahren. Ungeachtet dessen gelte: "Fachkräfte werden wir immer brauchen". Und so ändere der Abbau von Stellen kaum etwas am Fachkräftemangel, der die ganze Branche betreffe. Die bayerischen Unternehmen bräuchten im Schnitt fünf Monate, um einen qualifizierten Mitarbeiter zu finden.

"Lange Zeit hat die gute Konjunktur die Themen Standort und Wettbewerbsfähigkeit ausgeblendet", sagte Kaeser. Das werde sich jetzt ändern. Die Augen der Unternehmen richteten sich jetzt wieder verstärkt auf Standorte im Ausland, an denen sie kostengünstiger produzieren könnten. Kaeser verwies darauf, dass die Arbeitskosten in Deutschland im weltweiten Vergleich am höchsten lägen. Dazu kämen die zweithöchste Unternehmenssteuerlast, die dritthöchsten Stromkosten und eine überdurchschnittliche Regulierung des Arbeitsmarkts. "Wir haben in den vergangenen Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verloren", meinte er.

Aus Sicht der Arbeitgeberverbände gebe es Mittel, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und sich so dem Trend einer sich abschwächenden Konjunktur entgegenzustemmen. So sollten Forderungen nach mehr Lohn bei den Tarifverhandlungen maßvoll ausfallen und Tarifverträge flexibel gestaltet werden. Was für einen großen Automobilbauer passe, sei längst nicht für einen kleinen Betrieb mit einem Dutzend Mitarbeitern gut, meinte Kaeser. Beim Entgelt sollten die Betriebe mehr Spielraum bekommen, sodass sie ihre Zahlungen der wirtschaftlichen Lage anpassen können.

"Von Politik und Gesetzgeber wünschen wir uns vor allem Klarheit", betonte der Verbandsvorsitzende. Das heißt: ein klares Bekenntnis zur Technologieoffenheit bei den Antrieben von Fahrzeugen und zum weiteren Ausbau der digitalen Netze. Weiter sollten die Lohnzusatzkosten die 40-Prozent-Marke nicht übersteigen. "Unerhört" nannte Kaeser, dass der Solidaritätsbeitrag nicht längst komplett abgeschafft ist. International wettbewerbsfähiger würde die deutschen Unternehmen nicht zuletzt eine Senkung der Unternehmenssteuer auf 25 Prozent bis 2022 machen.

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Mathias Mathes
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Veröffentlicht am:
31. 07. 2019
20:28 Uhr

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Mathias Mathes

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Veröffentlicht am:
31. 07. 2019
20:28 Uhr



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