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Wirtschaft

Kiddy-Mitarbeiter stellen Insolvenzantrag

Der Kindersitzhersteller aus Hof hat nur ein halbes Jahr nach dem Ende des letzten Verfahrens erneut finanzielle Probleme. Die Belegschaft hat die Arbeit niedergelegt.



Die Hauptverwaltung von Kiddy in Hof ist derzeit nahezu verwaist. Laut Informationen unserer Zeitung haben die Mitarbeiter des Kindersitzherstellers am Montag einen Insolvenzantrag gestellt und die Arbeit niedergelegt. Foto: Christopher Michael
Die Hauptverwaltung von Kiddy in Hof ist derzeit nahezu verwaist. Laut Informationen unserer Zeitung haben die Mitarbeiter des Kindersitzherstellers am Montag einen Insolvenzantrag gestellt und die Arbeit niedergelegt. Foto: Christopher Michael  

Hof - Die Verfügbarkeitsampel für Kinderwagen, Kindersitze und weitere Artikel des Hofer Kindersitzherstellers Kiddy steht auf zahlreichen Onlineshops schon seit Tagen auf tiefrot. "Nicht verfügbar" heißt es bei den Artikeln in einem Shop, "ausverkauft" in einem anderen, "Dieser Artikel kann nicht mehr nachbestellt werden" in einem dritten.

Wie mehrere deutschlandweit aktive Fachhändler unabhängig voneinander im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigen, gebe es bereits seit längerer Zeit einen Auslieferungsstopp bei Kiddy. Die Lagerbestände der Babyausstatter leeren sich und kaum ein Onlinehändler hat mehr die Produkte des Hofer Kindersitzherstellers vorrätig. Und immer
wieder fällt in diesen Gesprächen auch das Wort "Insolvenz". "Kiddy sucht einen Käufer", heißt es in einem Telefonat, "Die Situation bei Kiddy ist in der Schwebe" in einem anderen.

Nun gibt es Fakten: Wie aus Kreisen der Kiddy-Belegschaft verlautet und wie das dafür zuständige Amtsgericht Hof bestätigt, haben die Mitarbeiter des Kindersitz-Herstellers Anfang der Woche einen Insolvenzantrag gestellt. Grund dafür war demnach, dass der Lohn seit zwei Monaten, also für die Monate Januar und Februar nicht bezahlt worden sei. Gleichzeitig legten sie auch die Arbeit nieder, das Kiddy-Gebäude in Hof ist nahezu verwaist.

Die Gerüchteküche in Hof brodelte schon seit einigen Tagen. Fast die gesamte Kiddy-Belegschaft hätte sich bereits Anfang März vorsorglich beim Arbeitsamt als arbeitssuchend gemeldet, lässt ein ehemaliger Mitarbeiter, der noch in Kontakt mit der aktuellen Belegschaft steht, unsere Zeitung wissen.

Die Arbeitsagentur Hof, die in diesem Fall zuständig wäre, verweist auf Nachfrage auf den Datenschutz. Prinzipiell sei es aber so, dass sich Arbeiter jederzeit arbeitssuchend melden könnten, sagt die Pressesprecherin der Agentur, Evelyn Kannhäuser. Die für den eigentlichen Bezug von Arbeitslosengeld notwendige Meldung als arbeitslos könne aber erst erfolgen, wenn ein definitiver Zeitpunkt der Arbeitslosigkeit, etwa durch eine schriftliche oder mündliche Kündigung bekannt sei.

Finanzielle Schwierigkeiten begleiteten Kiddy schon seit fast zwei Jahren. Im Juni 2017 kündigten Geschäftsführerin Bettina Würstl und der Rechtsanwalt Gunther Neef, der als Sanierungsexperte und insolvenzrechtlicher Eigenverwalter interimistisch in die Geschäftsführung eingetreten war, im Gespräch mit unserer Zeitung an, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchführen zu wollen.

Damals hieß es, die Probleme seien vor allem auf das chinesische Joint-Venture Kiddy Shanghai zurückzuführen. Der Geschäftsführer des Kiddy-Schwesterunternehmens sei untergetaucht und habe das Unternehmen mit hohen Verbindlichkeiten hinterlassen. Obwohl Kiddy Shanghai rechtlich selbstständig gewesen sei, hätte sich der Vertrauensverlust bei Lieferanten auch auf die Schwestergesellschaft niedergeschlagen, sagte Neef im Juni 2017. Dadurch sei es zu Produktionsengpässen gekommen, die auch Auswirkungen auf die deutsche Kiddy GmbH hatten.

Das Geschäftsführer-Duo war jedoch optimistisch, die Probleme rasch wieder in den Griff zu bekommen. Im März 2018, also gerade einmal neun Monate nach dem ersten Bekanntwerden der Schwierigkeiten, war Neef zuversichtlich, schon bald in die Erfolgsspur zurückkehren zu können.

Das Insolvenzgericht Hof beendete das Verfahren im August 2018, wie aus einer Kopie des amtlichen Beschlusses hervorgeht, der unserer Zeitung vorliegt. Alle Gläubiger hätten dem Insolvenzplan zugestimmt, sagt der Sachwalter des damaligen Verfahrens, der Altenstadter Rechtsanwalt Florian Schott. Mitte August sei Neef dann auch als Geschäftsführer abberufen worden, wie er uns am Freitag bestätigt. "Als ich ausgeschieden bin, lief alles planmäßig", teilt er uns in einem Telefonat mit.

"Nach den Daten, die die Eigenverwaltung durch Frau Würstl und Herrn Neef im Insolvenzplan ausgedrückt haben, gab es keinerlei Hinweis darauf, dass sich die Lage in so kurzer Zeit wieder verschärfen wird", sagt Schott. Als Sachwalter oblag
ihm die Aufsicht darüber, ob das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung verfahrensrechtlich in Ordnung ist.

Nun sind die Probleme offenbar zurück - und diesmal ungemein schwerwiegender als beim vergangenen Mal. Schon seit mindestens
zwei Wochen seien am Kiddy-Hauptsitz in Hof die Lichter aus. Das berichten Mitarbeiter von Firmen,
die in Nebengebäuden untergebracht sind. Ein Handwerker habe damals schon keinen Zutritt mehr zum Gebäude bekommen, sagt ein Angestellter im Gespräch mit unserer Zeitung.

Auch unsere Zeitung stand am Freitagmorgen vor verschlossenen Türen. Auf mehrmaliges Klingeln öffnete zwar eine Frau. Sie sei jedoch die einzig verbliebene Mitarbeiterin. Für weitere Rückfragen verwies sie auf Geschäftsführerin Bettina Würstl.

Telefonisch teilt Bettina Würstl unserer Zeitung am Freitag mit, derzeit keine Stellungnahme abgeben zu wollen. Einzige Ausnahme: "Wir führen derzeit Investorengespräche", sagt sie.

Wie das Hofer Gericht auf Anfrage mitteilt, sei nach dem Insolvenzantrag der Mitarbeiter nun ein Schreiben an Kiddy gegangen, in dem um Stellungnahme gebeten wird. Hierfür hat das Unternehmen zehn Tage Zeit. Im Anschluss muss wohl zunächst einmal ein Sachverständigengutachten darüber befinden, ob und, wenn ja, seit wann eine Zahlungsunfähigkeit besteht.

Kiddy blickt auf eine mehr als 50-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Das Unternehmen wurde 1966 von Curt Würstl gegründet. Später trat sein Sohn in die Unternehmensleitung ein. Zuletzt war Curt Würstls Schwiegertochter, Bettina Würstl, alleinige Geschäftsführerin der Kiddy GmbH.

Laut Bundesanzeiger lag der Umsatz des Unternehmens 2016 - aktuellere Zahlen sind derzeit nicht verfügbar - bei 9,98 Millionen Euro. Als Mitarbeiterzahl für das Geschäftsjahr 2016 weist der Jahresabschluss 72 Angestellte sowie Bettina Würstl als Geschäftsführerin aus.

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Christopher Michael

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Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
23:05 Uhr

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