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Wirtschaft

Michelin steht unter Druck

Überkapazitäten und Preiskampf - der Reifenmarkt wird immer schwieriger. Das bekommt auch das oberfränkische Michelin-Werk in Hallstadt zu spüren.



Michelin steht unter Druck
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Hallstadt - Die Autokonjunktur schwächelt, oberfränkische Zulieferer bekommen zunehmend Probleme. Auch bei Michelin in Hallstadt bei Bamberg klingeln die Alarmglocken. Der Konzern "hat uns schwierige Zeiten angekündigt", sagt Betriebsratsvorsitzender Josef Morgenroth auf Nachfrage unserer Zeitung. "Wir wissen nicht, wohin die Reise geht."

Das Problem: 56 Prozent der in Hallstadt produzierten Reifen sind 16-Zöller. Bei denen gibt es einen besonders harten Preiskampf. Immer mehr Kunden greifen zu einem günstigeren Produkt statt zum teureren Michelin. Dazu kommt, dass es Überkapazitäten bei den Reifenherstellern in Europa gibt, sagt Morgenroth, der seit 43 Jahren für den Konzern arbeitet. Immer wieder habe man die Kosten gesenkt. Wenn nun Reifen "wegbrechen und wir keinen Ersatz bekommen", dann müsse man sich eben Alternativlösungen überlegen. "Wir hängen schon etwas in den Seilen", klagt der Betriebsratschef. In der Belegschaft herrsche Unsicherheit, aber von einer Panik könne man nicht sprechen.

Morgenroth rechnet damit, dass es vielleicht im Herbst vom Konzern nähere Informationen darüber gibt, wie es in Hallstadt weitergeht. Sascha Spörl, Gewerkschaftssekretär der IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie) mit Sitz in Würzburg (Bezirk Mainfranken), weist im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass es einen Tarifvertrag mit Standortsicherheit bis Ende 2022 gibt. Kündigungsfrist ein halbes Jahr. "Wir gehen davon aus, dass dieser Vertrag erfüllt wird."

Das Problem mit den 16-Zöllern sei nicht so einfach zu lösen, "weil Frankreich die Verteilung der Reifengrößen macht". Er könne sich schon vorstellen, dass die Reifenherstellung in Deutschland teurer ist als anderswo, sagt Spörl. Man habe aber immer wieder Tarifverträge abgeschlossen, die die Wettbewerbsfähigkeit sichern sollen. Im Werk in Hallstadt gebe es Überlegungen, auf andere Felder auszuweichen. Spörl nennt auf Nachfrage das Recycling von Reifen, mobile Brennstoffzellen oder die Möglichkeit, aus Hallstadt einen Entwicklungsstandort zu machen. Fakt sei, dass Michelin "einige Schwierigkeiten" habe, seine Preise gerade auch bei den 16-Zöllern durchzusetzen.

Andererseits hat sich der Reifenhersteller im vergangenen Jahr trotz widriger Branchenumstände gut geschlagen. Der Konzernumsatz stieg um 4,1 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Unterm Strich wurde ein konstanter Gewinn von 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Für die Zukunft des Werks in Hallstadt könne man prinzipiell gar nichts ausschließen, sagt Spörl. Von Standortschließung bis Beschäftigungsaufbau sei alles möglich. Er selber geht davon aus, dass es das Werk auch 2025 weiter geben wird. Bei der Finanzkraft des Konzerns sollte es keine Schwierigkeiten geben, das Werk weiterzubetreiben. Aber, kritisiert Spörl: "Die wollen Geld scheffeln, bekommen es nicht und laden die Probleme bei den Beschäftigten an den deutschen und europäischen Standorten ab."

Seit April letzten Jahres ist Jens Schlemmer Chef in Hallstadt. Der 48-jährige Maschinenbauingenieur kämpft gegen eine schrumpfende Produktion. Die Stückzahlen in Hallstadt gehen seit Jahren zurück. 2011 wurden 7,5 Millionen Pkw-Reifen produziert, im letzten Jahr waren es noch rund 5,5 Millionen, die dieses Jahr aber gehalten werden sollen, sagt Schlemmer auf Nachfrage unserer Zeitung.

Er bestätigt, dass es zwei wesentliche Gründe für die Schwierigkeiten in Hallstadt gibt: Der Trend zu größeren Zollgrößen und die Billigkonkurrenz aus Asien. Seit Jahren würden alle Premiumhersteller bei Reifen der Größen 16 Zoll und kleiner massiv Marktanteile verlieren. 20 Prozent habe man seit 2010 verloren. Ginge das so weiter, "dann bekommen wir hier Probleme". 19-Zöller kommen frühestens 2021 hinzu. Dann feiert der Standort 50-jähriges Bestehen und hat in dieser Zeit über 250 Millionen Reifen hergestellt.

Im Werk sei man nun dabei, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wohin die Reise genau gehen soll, könne er noch nicht sagen. "Das sind alles ungelegte Eier", sagt der Hallstadter Michelin-Chef. Frühestens Ende September sei mit Ergebnissen zu rechnen. Viel mehr Zeit hat Schlemmer auch gar nicht, denn: "Wir müssen Ergebnisse bringen in diesem Jahr."

Autor

Roland Töpfer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
20:16 Uhr

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Autor

Roland Töpfer

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Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
20:16 Uhr



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