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Wirtschaft

Porzellanfabrik Walküre: Insolvenz in Eigenverwaltung

Die Porzellanfabrik Walküre ist insolvent und will sich mit Hilfe eines so genannten Eigenverwaltungsverfahrens neu aufstellen.



Porzellan der Firma Walküre in Bayreuth.
Porzellan der Firma Walküre in Bayreuth.   Foto: red

Das Amtsgericht Bayreuth hat einem entsprechenden Antrag der Geschäftsführung stattgegeben. Es wurden ein Sanierungsgeschäftsführer und ein vorläufiger Sachwalter eingesetzt. Der Geschäftsbetrieb gehe ohne Unterbrechung weiter, es gebe guten Grund zur Zuversicht.

"Für unsere Kunden ändert sich nichts. Die Aufträge werden in gewohnter hoher Qualität, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit ausgeführt", werden die Geschäftsführer Wolfgang und Siegmund Meyer in einer Mitteilung zitiert. Betriebsrat und Belegschaft seien am Dienstag über die aktuelle Situation informiert worden. Die Löhne und Gehälter der 82 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld bis Ende September 2019 gesichert. Wesentliche Lieferanten hätten bereits ihre Kooperationsbereitschaft angekündigt. Grund für den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung seien deutliche Umsatz- und Auftragsrückgänge im laufenden Jahr, nachdem größere Projekte und Abrufaufträge verschoben worden seien.

Den beiden bisherigen Geschäftsführern wurde ein Sanierungsgeschäftsführer zur Seite gestellt. Dabei handelt es sich um Martin Schoebe von der bundesweit tätigen Restrukturierungskanzlei hww Hermann Wienberg Wilhelm. ,,Wir beabsichtigen den Sanierungsweg im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens fortzusetzen. Dies soll in enger Abstimmung mit unseren Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Gesellschaftern geschehen. Zudem werden wir in den nächsten Tagen die Gespräche mit möglichen Investoren aufnehmen beziehungsweise fortsetzen", beschreibt Martin Schoebe die nächsten Schritte.

Auf Nachfrage unserer Zeitung konkretisierte Schoebe: „Um den Sanierungsprozess erfolgreich gestalten zu können, brauchen wir frisches Geld. Deshalb werden wir den bereits angestoßenen Investorenprozess jetzt ausbauen und ihm mehr Geschwindigkeit verleihen.“ Er stellte aber klar: „In der Porzellanindustrie ist die Lage allgemein schwierig. Aber die Lage bei der Porzellanfabrik Walküre ist alles andere als aussichtslos. Wir sehen durchaus gute Chancen, mit unserem Investorenprozess erfolgreich zu sein.“ Auf die Frage, ob und zu welchen Einschnitten es während der Sanierung kommen könnte, sagte Schoebe: "Dazu kann man jetzt noch nichts sagen.“

Zusätzlich zu Schoebe und seinem Team wird die Gesellschaft von der Kanzlei Rosenschon Rechtsanwälte, München, begleitet, die die Vorbereitung des Eigenverwaltungsverfahrens gesteuert hat.

Zum vorläufigen Sachwalter wurde als erfahrener Sanierer der Bayreuther Rechtsanwalt Ulrich Graf bestellt. Er sagte unserer Zeitung, dass es in dieser Funktion anders als bei einer Regelinsolvenz seine Aufgabe sei, quasi von oben draufzuschauen, dass das Verfahren korrekt abläuft: "Das sieht das Gesetz so vor." Er werde seine Erfahrung einfließen lassen und auch beratend tätig werden. Das Sanierungsteam habe bereits eine Planung vorgelegt, die er jetzt zu prüfen habe. "Man sieht aber, dass da Profis am Werk sind."

Das Eigenverwaltungsverfahren bietet Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb neu aufzustellen. Anders als im Regelinsolvenzverfahren bleibt dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuert und den Geschäftsbetrieb fortführt. Das Insolvenzrecht erlaubt dies in Fällen, in denen Unternehmen bei wirtschaftlichen Problemen frühzeitig selbst tätig werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht.

INFO: Die Porzellanfabrik Walküre wurde im Jahr 1899 gegründet und wird heute in vierter Generation von den Urenkeln des Gründers geführt. Sie produziert und vertreibt Geschirrporzellan für den gewerblichen Bereich. Zum Kundenkreis gehören in erster Linie die Hotellerie und Gastronomie sowie nationale und internationale Kaffeeröstereien. Viele Jahre habe sich das Unternehmen durch den Einsatz von modernster Technik und innovativen Designern als gefragter Nischenanbieter etabliert, heißt es in einer Mitteilung. Es erhielt für das Design seiner Produkte zahlreiche renommierte Auszeichnungen, mit denen man sich gegenüber anderen Anbietern habe abgrenzen und sich in einem schwierigen Branchenumfeld erfolgreich bleiben können.

 

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Stefan Schreibelmayer
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Veröffentlicht am:
06. 08. 2019
15:55 Uhr

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Stefan Schreibelmayer

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Veröffentlicht am:
06. 08. 2019
15:55 Uhr



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