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Wirtschaft

Schicke Träumereien

Von Edelmann heißt ein junges Modeunternehmen. Es ist eines, das deutlich aus der Reihe tanzt. Die drei Gründer verführen in eine Welt, in der nichts unmöglich erscheint.



Die drei Gründer von Von Edelmann (von links): Marcel Spitzel, Philipp Iselt und David Ernst.	Foto: Privat
Die drei Gründer von Von Edelmann (von links): Marcel Spitzel, Philipp Iselt und David Ernst. Foto: Privat  

Dresden/Bayreuth/Ilmenau - Drei Typen posieren ganz lässig. So, als könnte sie nichts aus der Ruhe bringen. Marcel Spitzel, David Ernst und Philipp Iselt heißen sie. Und gerade haben sie jede Menge um die Ohren. Grund: Sie wollen sich einen Namen machen. Das Trio macht Mode. Diese Mode zu beschreiben, ist alles andere als einfach. Außergewöhnlich ist sie - und schick. Vor allem aber soll sie für jedermann bezahlbar sein.

Von Edelmann heißt das junge Dresdner Unternehmen, das Spitzel (Bayreuth), Ernst (Ilmenau) und Iselt (Bautzen) aus dem Boden gestampft haben. Maßgeschneiderte Anzüge bieten die jungen Männer ihren Kunden. Bei Anzügen ist aber noch nicht Schluss: Schals, Hemden und viele hervorstechende Accessoires gehören ebenso zum Sortiment. "Wir wollen dabei keine stinknormale Modemarke sein", betont David Ernst. Nullachtfünfzehn ist absolut nichts für den Südthüringer. "Ein Anzug muss nicht immer schwarz, grau oder dunkelblau sein." Wie er nach den Vorstellungen von Ernst stattdessen aussehen kann? Zum Beispiel weiß mit auffällig schwarzen Abstickungen.

Das ist nur eines vieler ausgefallener Beispiele. Bei Von Edelmann ist viel Raum für seltene modische Verrücktheiten. "Erst vor Kurzem haben wir für einen Kunden Manschettenknöpfe gefertigt, die wie Feuerlöscher aussehen. Wenn der Kunde es wünscht, schneidern wir zum Sakko auch eine kurze Hose", betont Ernst.

All das klingt nach Spinnerei. Doch schon lange ist es das nicht mehr. Im Sommer 2015 hat sich das junge Trio - Spitzel ist 25, Ernst 24, Iselt 28 - dazu entschlossen, ein Modeunternehmen aufzubauen. Startkapital: lediglich 3000 Euro. "Wir haben es riskiert", sagt Ernst. Und das Risiko sei ja überschaubar gewesen. "Wie oft geht man sinnlos feiern und wirft Geld zum Fenster raus?", fragt Ernst mit einem Mix aus Coolness und frechem Humor. Am Ende hat es sich für ihn und seine Kollegen ausgezahlt. Heute leben die drei Männer von ihrer noch jungen Firma.

Aber wie kam es zu der Idee, maßgeschneiderte Anzüge anfertigen und verkaufen zu wollen? Die Geschichte beginnt in einer Dresdner Versicherungsagentur. Dort haben die Jungunternehmer vor ein paar Jahren während ihres Studiums gejobbt. Einmal im Jahr gab es dort einen neuen Anzug. "Der hat viel Geld gekostet und war zerknittert, als er dann angekommen ist", erzählt Ernst. Viel Verbesserungspotenzial habe er damals gesehen. "Dann haben wir uns gedacht, dass das ein Geschäftsfeld für uns nach dem Studium sein könnte."

Stressige Monate standen von Juli bis Dezember 2015 an. Das Trio hatte die Idee, aber keine Produzenten für seine Mode. In Polen sind sie dann fündig geworden. Ursprünglich stellten sie dort nur Herrenmode her. "Seit Kurzem werden auch Damen bei uns fündig", sagt Marcel Spitzel aus Bayreuth.

Heute sind Spitzel, Ernst und Iselt viel im Auto unterwegs, um Firmen zu besuchen. Von Edelmann kleidet ganze Abteilungen ein - so zum Beispiel die Führungsriege des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden. Doch nicht nur das. Spitzel holt weit aus: "Unsere Kunden sind nicht nur Unternehmen, sondern auch Einzelpersonen. Auch einen Hochzeitsanzug kann man bei uns anfertigen lassen. Dabei geht es uns nicht um schnelle Kundenabfertigung - im Gegenteil: Es soll ein Lifestyle entstehen." Was das bedeutet? Der Bayreuther kommt auf ein Produkt aus dem fernen Kuba zu sprechen. "Oft kommen wir mit ein paar Zigarren vorbei und nehmen uns etwas mehr Zeit." Von Edelmann will sich so absetzen. Absetzen von anderen Modemarken. Absetzen von der grauen Masse.

Eben das scheint zu gelingen. Von Edelmann wächst - vor allem im sächsischen und thüringischen Raum. Die Ziele sind aber größer. "Wir wollen uns geographisch breit aufstellen", sagt David Ernst. Auch den Freistaat Bayern hat er dabei im Visier. Um die etwas größeren Städte herum will er mit seinen Kollegen letztlich deutschlandweit Vertriebspunkte aufbauen. Und auch das Ausland sei ein potenzieller Markt. Ernst will an dieser Stelle nicht abheben. Er bezeichnet das noch als "persönlichen Traum".

Ob dieser wahr wird, ist offen. An Ehrgeiz mangelt es Spitzel, Ernst und Iselt aber nicht. Zeit? "Die ist immer knapp", sagt Spitzel schmunzelnd. In seinem Kopf kreisen unzählige Ideen. Anzüge, Hemden, Schals, Röcke, Blazer, Accessoires - in verschiedenen Farben und Schnitten. "Das ist ein irrsinnig großes Feld", sagt der 25-jährige Bayreuther. Dementsprechend groß müssten Kreativität und Vorstellungskraft sein.

Große Felder will das Gründer-Trio von Von Edelmann übrigens auch mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten der Kundschaft abdecken. "Vom Studenten bis zum Millionär", beschreibt Spitzel die Abnehmer der maßgeschneiderten Mode.

Millionäre sind Spitzel, Ernst und Iselt mit ihrer Firma, die nach gut einem Jahr acht feste Mitarbeiter zählt, noch nicht geworden. Dennoch kann sich das Gründer-Trio keinesfalls beschweren. Der Trend zeigt nach oben. "Der Gegenwind war anfangs enorm", sagt Ernst. Der Ilmenauer wollte sich aus den gewöhnlichen Zwängen befreien, sein eigenes Ding machen. "Wir wollten nicht mit 67 in Rente gehen und uns fragen, was passiert wäre, wenn ...", betont er. "Wenn man mit etwas Erfolg haben will, sollte man es einfach machen", sagt der Jungunternehmer. Und während er das sagt, hofft er, dass auch aus seinen kühnsten Träumen bald Realität wird. Ein Anfang ist gemacht.

Wir wollen keine stinknormale Modemarke sein.

David Ernst

 
Oft kommen wir mit ein paar Zigarren vorbei und nehmen uns etwas mehr Zeit.

Marcel Spitzel

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Von Hannes Huttinger
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Veröffentlicht am:
09. 09. 2016
00:00 Uhr

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Von Hannes Huttinger

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09. 09. 2016
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