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HSC Coburg

Die Nerven-Strapazierer

Wie schon im Vorjahr machen es die Coburger Drittliga-Handballer bis zum letzten Saisonspiel spannend. Verantwortliche und ein Spieler verraten ihre Eindrücke zum Last- Minute-Klassenerhalt.



Drei der Helden von Bernburg (von links): Lukas Wucherpfennig, Benedikt Kellner und Jakob Knauer.	Foto: Henning Rosenbusch
Drei der Helden von Bernburg (von links): Lukas Wucherpfennig, Benedikt Kellner und Jakob Knauer. Foto: Henning Rosenbusch  

Coburg - Sie machten es spannend, mal wieder. Nicht bis zur letzten Sekunde, aber doch bis tief hinein in die letzten Spielminuten der Saison 2017/18 in der 3. Handball-Bundesliga Ost. 52 Minuten und sechs Sekunden waren am Samstagabend in Bernburg verstrichen, als Kilian Kraft für die Gastgeber auf Unentschieden stellte: 22:22. Das Spiel drohte zu kippen.

Und die zweite Mannschaft des HSC 2000 Coburg stand in der Sporthalle in der Nienburger Straße 16 wie aus dem Nichts wieder an der schon verlassen geglaubten Schwelle zum Abstieg in die Bayernliga.

Aber das Team von Trainer Martin Röhrig berappelte sich ein letztes Mal. Verscheuchte jegliche Gedanken an die hergeschenkte 16:10-Führung. Und blieb cool - bis zur Schlusssirene beim Stand von 28:25. Der Klassenerhalt war gesichert - wie schon im Vorjahr am letzten Spieltag. Und wie schon im Vorjahr dank eines regelrechten Endspurts im Saisonfinale.

"Sehr angespannt"

"Eine zweite Mannschaft in der 3. Liga zu haben, das ist ein echtes Qualitätsmerkmal. Das können nicht viele Zweitligisten von sich behaupten", sagt Jan Gorr . Der Trainer und Sportliche Leiter der ersten Mannschaft macht entsprechend keinen Hehl daraus, dass ein Abstieg durchaus wehgetan hätte. Und er klingt dabei tatsächlich ein wenig gelöster als in den vergangenen Wochen. "Wir möchten jungen Spielern optimale Ausbildungsmöglichkeiten bieten und die Nachwuchsförderung weiter forcieren. Da spielt die zweite Mannschaft natürlich eine extrem große Rolle. Und der Verbleib in Liga drei, die eben doch eine Kategorie besser ist als die Bayernliga, macht es uns da einfacher."

Die entscheidende Partie am Samstagabend hat der 40-Jährige, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich beim "Business-Cup" auf der Lauterer Höhe eingespannt war, an seinem Smartphone verfolgt. Mit eineinhalb Augen, wie er sagt. "Und es hat sich wieder Mal gezeigt, dass so ein Live-Ticker nichts für mich ist, ich war sehr angespannt. Gerade weil es auf einmal ja nochmal richtig spannend wurde. Aber die Truppe hat dann echte Nervenstärke bewiesen." Und ihr Ziel erreicht.

"So wie letztes Jahr"

Martin Röhrig wollte in der Nacht nach der Partie in Bernburg nur noch ins Bett. Immerhin war es auch schon 1.30 Uhr, als er mit seinem Team zurück in Coburg ankam. Und anders als für seine Spieler sollte für ihn schon um 7 Uhr der Wecker klingeln - Bayernliga-Qualifikation der B-Jugend. Das Feiern überließ der Trainer des HSC II also seinen aufgepumpten Spielern: "Ein paar von ihnen habe ich aber noch in die Stadt gefahren, bevor ich meine fünf Stunden Schlaf bekommen habe."

Vor sechs Wochen in Gelnhausen sei seine Mannschaft nach einer vernichtenden Niederlage mausetot gewesen, erinnert sich Röhrig: "Da habe ich in der Kabine gesagt, 'machen wir es nochmal so wie letztes Jahr'". Auch wenn Röhrig daran gar nicht direkt beteiligt war. Erst vor der nun zu Ende gegangenen Saison tauschte er den Job als Co-Trainer der ersten Mannschaft mit Ralf Baucke, der bis zu diesem Zeitpunkt das zweite Coburger Team betreut hatte. Und sie machten es "so wie letztes Jahr". "Meine Spieler haben Charakter gezeigt und die Ruhe bewahrt. Auch als es im letzten Spiel plötzlich 22:22 gestanden hat. Und das unter diesem Druck - dafür muss man ihnen Respekt zollen."

Auf die Frage was ihm der Klassenerhalt denn nun persönlich bedeute, pustet Röhrig kräftig durch. Und betont viel lieber die Bedeutung für den Verein. Er selbst fühle sich nun einfach ruhig und entspannt. Bis zum nächsten Herzschlagfinale? "Es wäre wünschenswert, wenn es nächstes Jahr etwas weniger spannend zu geht."

"Selbst herausgezogen"

"Wir sind stolz", sagt Stefan Apfel . "Das war ein überragender Endspurt." In einem spontanen Saisonfazit betont der Vorstandssprecher des HSC 2000 Coburg aber auch, dass es für das Team von Martin Röhrig nach gutem Start zwischenzeitlich alles andere als rosig lief. Auch wegen Verletzungspech, betroffen waren etwa Jonny Rivera, Andreas Wolf und Nikola Franke, sei die Mannschaft in einen Abwärtsstrudel geraten. Intern habe man in diesen Phasen diskutiert, ob man den Kader mit Spielern aus der ersten Mannschaft auffüllen soll, räumt Apfel ein. "Wir haben uns aber dagegen entschieden."

Vom Coburger Zweitliga-Team verstärkte einzig Lukas Wucherpfennig den HSC II in den letzten beiden Saisonspielen. Jan Gorrs Vorzeige-Talente Benedikt Kellner und Jakob Knauer gehörten die gesamte Serie über zum Kader von Martin Röhrig. "Das Team hat sich komplett selbst aus seiner Situation herausgezogen. Dafür muss man vor dem Trainerteam den Hut ziehen."

Was die Bedeutung des Klassenerhalts für den gesamten Verein angeht, äußert sich Apfel ganz ähnlich wie Gorr. In einem Punkt wird er aber noch etwas deutlicher: "Eine zweite Mannschaft in Liga drei ist natürlich eher mal ein Argument, mit dem man junge Spieler von Außen holen kann."

"Riesige Erleichterung"

Am besten solche vom Kaliber eines Tim Titze . Der 22 Jahre alte Torwart hütete den Großteil der Saison das Gehäuse des HSC II, Patryk Foluszny, der den Verein verlassen wird, blieb zumeist nur der Platz auf der Bank. Sein Coach bescheinigt Titze einen "Monster-Anteil" an der späten Rettung. Selbst redet der 22-Jährige nur ungern über seine eigenen Leistungen , bewerten will er sie gar nicht. "Insgesamt als Team haben wir unser Ziel erreicht", konstatiert er da viel lieber. "Hätten wir aber im Laufe der Saison die Spiele gewonnen, die wir eigentlich hätten gewinnen müssen, wäre es hintenraus nicht so knapp geworden." Und der Druck nicht so groß.

"Wir wussten, dass wir gewinnen müssen." Es war ein Spiegelbild des Saisonfinals 2016/17, als der HSC II im Saisonfinale Meister Elbflorenz mit 28:24 bezwang. "Für mich sind das dann schon Spiele, bei denen es ganz besonders kribbelt. Das sind die Spiele, wegen denen man überhaupt Handball spielt." Und es sind diese Spiele, die es wert sind bis tief in die Nacht gefeiert zu werden. Irgendwie muss man sie ja ausleben und rauslassen, diese "riesige Erleichterung" - nach der nächsten Rettung in letzter Minute.

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David Büttner

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Veröffentlicht am:
07. 05. 2018
18:14 Uhr

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David Büttner

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Veröffentlicht am:
07. 05. 2018
18:14 Uhr



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