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HSC Coburg

Verzweiflung des Gegners als Spaßfaktor

Max Jaeger macht gerne den Kontrahenten im Handball das Leben schwer. Der 21-jährige Linksaußen des HSC 2000 Coburg will mit seinem neuen Team zurück in die 1. Bundesliga.



Freut sich auf eine spannende Zeit beim HSC 2000 Coburg: Neuzugang Max Jaeger startet in dieser Woche mit seinem Team in die Vorbereitung auf die neue Saison in der 2. Bundesliga.	Foto: Michael Döhler
Freut sich auf eine spannende Zeit beim HSC 2000 Coburg: Neuzugang Max Jaeger startet in dieser Woche mit seinem Team in die Vorbereitung auf die neue Saison in der 2. Bundesliga. Foto: Michael Döhler  

Coburg - Um den Wiederaufstieg in die 1. Handball-Bundesliga zu schaffen, braucht der HSC 2000 Coburg erfolgshungrige Spieler. Gut dann, wenn der Klub aufstrebenden jungen Akteuren eine gute Perspektive bieten kann. "Ich war in der vergangenen Spielzeit nicht zufrieden, weil ich beim VfL Gummersbach in der 1. Bundesliga nur wenig Spielzeit bekommen habe. Mein Vater Gunnar, der früher auch Bundesliga gespielt hat, und Jan Gorr hatten schon vorher einmal Kontakt wegen meinem Bruder gehabt. Im Dezember 2017 haben sie dann wieder Kontakt aufgenommen", erzählt Max Jaeger, wie sein Wechsel in die Vestestadt eingefädelt wurde.

Zur Person

Geboren am/in: 17. Februar 1997

Konfession: katholisch

Wohnort: Coburg

Körpergröße: 189 Zentimeter

Gewicht: 85 Kilogramm

Schuhgröße: 46

Erlernter Beruf: Studium Wirtschaftsingenieurwesen; künftig Industriewirtschaft

Ausgeübter Beruf: Handball-Profi

Sportliche Stationen: VfL Gummersbach von Kindesbeinen an

Größte Erfolge: 3. Platz Deutsche Meisterschaft Handball-B-Jugend

Hobbys: Freundin; Freunde; Schwimmen; Basketball

Vorbilder: Vater Gunnar, Großvater Rolf, Mutter Monika

Lieblingsgetränk: Mineralwasser

Lieblingsspeisen: Mamas Küche

Lieblingsverein: Fußball 1. FC Köln

Zuletzt gelesen: IKEA-Aufbauanleitung für einen Küchentisch

Musik-Favoriten: quer Beet

Lebensmotto: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt"

Ziele: Gesundheit und Glück.

 

Die Argumente des Coburger Trainers haben den 21-Jährigen sofort überzeugt, obwohl er weitere Angebote aus der ersten und zweiten Liga vorliegen hatte. "Wer Handball-begeistert ist, wird am HSC nicht vorbei kommen. Ich habe die Entwicklung des Klubs verfolgt, seit der in die 1. Bundesliga aufgestiegen war. Und die tolle Atmosphäre in der tollen HUK-Arena habe ich erstmals beim Erstliga-Rückspiel kennengelernt, als wir Gummersbacher eine schmerzhafte Niederlage hinnehmen mussten", erinnert sich der Linksaußen.

 

Blick nach oben

"Ich würde sehr gerne mit Coburg in die erste Liga aufsteigen", betont der 1,89-Meter-Mann, der einen Zwei-Jahres-Vertrag bei den Gelb-Schwarzen unterschrieben hat. "Freilich hängt das immer auch von möglichen Verletzungen und der Integration der neuen Spieler ab. Aber der Blick richtet sich nach oben."

Menschlich charakterisiert sich der gläubige Katholik als eher zurückhaltend, seine Antworten platziert er - öfters mit verschmitztem Lächeln - reflektiert und punktgenau. Beispielsweise wenn er seine persönlichen Freuden im Handball zugibt: "In der Abwehr decke ich sehr gerne auf Halb, weil man dann mehr im Spiel ist und Verantwortung übernehmen kann. Es gibt für mich nichts besseres, als den Gegner im Angriff in Zeitnot und zur Verzweiflung zu bringen und ihm so den Spaß zu verderben." Genau deswegen, weil er nicht nur für Tore von der linken Seite sorgen, sondern auch auf der Halbposition gut verteidigen kann, passt er wohl besonders gut in das Konzept von Coburgs Chef-Taktiker Jan Gorr.

Die Aussicht, in Coburg mehr Spielzeit in der 1. Mannschaft zu bekommen, war ein wichtiges Argument für seinen Wechsel. "Ich will aus der Komfort-Zone herauskommen und mich weiterentwickeln", betont Max Jaeger. In Gummersbach hatte ihn zuletzt auch die Doppelbelastung gestört. "Da bist du mit der ersten Mannschaft nachts aus Kiel heimgekommen und musstest am Tag danach 60 Minuten lang in der Reserve aushelfen. Am Montag stand bereits wieder Training mit dem Bundesliga-Kader an."

Obwohl er keinesfalls zur Kategorie der trötenden Selbstdarsteller und Klassen-Clowns zählt, muss sich der HSC nicht auf eine Stimmungs-Bremse einstellen. "Ich kann schon mitziehen, bin aber halt nicht der Aktivist an vorderster Front", sagt Jaeger. Daher hat er auch die Gelegenheit, sich im Vorfeld seiner Vertragsverhandlungen ein erstes Bild von den "Narren" in Coburg zu machen, ausgelassen. Da besuchte er ein Heimspiel der 2. HSC-Mannschaft in der 3. Liga Ost gegen die SG Leutershausen, in deren Diensten sein Zwillingsbruder Felix und sein älterer Bruder Philipp stehen und seinerzeit die Punkte entführt haben. "Den Faschings-Umzug anzuschauen, darauf habe ich damals bewusst verzichtet", lacht der Neu-Coburger. Und fügt zur Aufklärung an: "Da wo ich herkomme, ist das Wort 'Fasching' verpönt, weil der 'Karneval' in Köln der einzig wahre ist". Der bekennende - daher aktuell leidgeprüfte - Fan des dortigen 1. Fußball-Clubs findet durchaus noch die ein oder andere weitere Sache in Bayern, über die er sich etwas wundert. Zuletzt das "Polit-Theater" mit Seehofer als Hauptdarsteller.

Die Bratwurst lockt

Seine Wohnung in Coburg hat er in der vergangenen Woche bezogen, die Veste allerdings noch nicht besichtigt und die berühmte Bratwurst noch nicht gekostet. Aber: "Ich bin zwar ein absoluter Anhänger der gesunden Küche mit Gemüse, Kohlehydraten und Eiweiß, die viel gerühmte Leckerei werde ich natürlich bald einmal probieren müssen."

Auch Team-Building steht an. "Bis auf Marcel Timm, mit dem ich mich schon ein wenig hier umgeschaut habe, kenne ich noch niemanden. Aber unter Handballern ist das meistens kein Problem, sich in eine neue Mannschaft einzugewöhnen." Jener 20-jährige Kreisläufer ist ebenfalls aus Gummersbach in die Vestestadt gewechselt und soll gemeinsam mit ihm und den weiteren "Jungen Wilden" - wie dem 21-jährigen Felix Sproß, dem 22-jährigen Lukas Wucherpfennig, dem 19-jährigen Eigengewächs Jakob Knauer oder dem 23-jährigen weiteren Neuzugang von TuS Nettelstedt-Lübbecke, Pontus Zettermann - für frischen Wind beim HSC 2000 sorgen.

In der Familie Jaeger dreht sich nahezu alles um Handball. Vater Gunnar gehörte der von Heiner Brand trainierten Mannschaft an, die 1991 den bis dato letzten deutschen Meistertitel nach Gummersbach holte. Max Jaegers 2011 gestorbener Opa Rolf war 1956 der erste Nationalspieler des VfL nach dem Zweiten Weltkrieg, er wurde mit seinem Klub 1966 Deutscher Meister und anschließend Europacup-Sieger. Mama Monika war zwar keine aktive Handballerin, "sie hat uns aber immer unterstützt, wo sie nur konnte", weiß der Sohnemann, was er an ihr hat. Aber auch einen schönen Service von Oma Bärbel, mit dem es zwangsläufig ab sofort vorbei ist, wusste der Enkel zu schätzen: Sie hat die Fachzeitschrift Handballwoche abonniert und sie gerne zwecks Weiterbildung an ihren Max weitergegeben. "Jetzt muss ich mich in Coburg selbst darum kümmern", stellt sich der Handball-Profi auf sein neues Leben im noch fremden Oberfranken ein.

Dazu gehört, nun eine Fernbeziehung mit Freundin Michelle zu führen. Die 21-Jährige, mit der er bereits seit der gemeinsamen Abiturienten-Zeit liiert ist, absolviert in Köln ein Studium und wohnt weiterhin in Gummersbach. "Das schaffen wir. Den ICE nach Nürnberg kennen wir von Fahrten zu meiner Großtante und die Bahn-Card haben wir bereits gekauft", hofft Max Jaeger auf möglichst häufige Besuche seiner Liebsten. Um eine größere Dosis an Ablenkung vom Trennungsschmerz muss er sich keine Sorgen machen, ab heutigem Mittwoch steht die intensive Vorbereitung auf den Saisonstart an. Viel Zeit für andere Gedanken als die an Handball sollte da nicht bleiben.

Ein Wiedersehen

Dass die erste Pflichtspielaufgabe des HSC in der Runde 2018/2019 gleich zu einem Wiedersehen mit alten Bekannten und einem Jaeger-Familientreffen wird, ist Zufall. "Wir treten am 18. August im DHB-Pokal zum Turnier in Kornwestheim an. Wenn wir dort unser Halbfinale gegen den Gastgeber gewinnen, treffen wir entweder auf meinen Ex-Verein Gummersbach oder auf die SG Leutershausen mit meinen Brüdern", fiebert der Angreifer für die linke Seite schon hochmotiviert dem Auftakt entgegen.

Für ihn hat Jan Gorr sogar ausnahmsweise seinen "Coburger Weg" verlassen. Der besagt, dass sich im Idealfall ein erfahrener Akteur und ein Nachwuchstalent je eine Position im Spielsystem teilen sollen. Auf die Frage, wer denn nun von Felix Sproß und ihm, den beiden 21-Jährigen auf Linksaußen, der erfahrenere ist, antwortet Max Jaeger diplomatisch: "Zwei junge Hungrige auf einer Position zu haben, muss nicht unbedingt ein Nachteil sein."

Gerne erinnert sich der Youngster an seine schönsten Erlebnisse: sportlich an sein erstes Bundesligaspiel 2015 gegen den THW Kiel, in dem ihm auch gleich ein Tor gelang, im privaten Bereich wie er seine Freundin kennen gelernt hat. Auch einige schmerzhafte Dinge sind hängen geblieben. "Der Tod von meinem Opa 2011 hat mich schwer getroffen, sportlich war wohl in der B-Jugend das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft der bitterste Moment, als wir in Leipzig fünf Sekunden vor Schluss mit einem Tor geführt, in der letzten Sekunde den Ausgleich kassiert und in der Verlängerung noch verloren haben." Aber: "Aus Niederlagen lernt man am meisten", versucht Max Jaeger aus jeder Situation das Positive herauszuziehen.

Eine wichtige Qualität, um mit dem HSC 2000 Coburg tatsächlich ins Handball-Oberhaus zurückzukehren. Notfalls als Tabellenzweiter, besser noch mit einem Jaeger-Meister in seinen Reihen.

Autor
Michael Döhler

Michael Döhler

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Veröffentlicht am:
03. 07. 2018
21:26 Uhr

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Autor
Michael Döhler

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Veröffentlicht am:
03. 07. 2018
21:26 Uhr



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