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Regionalsport

Ein Rennen für die Geschichtsbücher

Anne Haug gewinnt als erste Deutsche den Ironman-WM-Titel. Das Rennen auf Hawaii ist wie für die Bayreutherin gemacht.



Der historische Moment: Anne Haug überquert die Ziellinie des Hawaii Ironman Triathlons. Als erste Deutsche gewinnt sie das legendäre Rennen. Foto: David Pintens/BELGA/dpa
Der historische Moment: Anne Haug überquert die Ziellinie des Hawaii Ironman Triathlons. Als erste Deutsche gewinnt sie das legendäre Rennen. Foto: David Pintens/BELGA/dpa  

Kailua-Kona/Bayreuth - Anne Haug ist der größte Erfolg gelungen, den man in ihrer Sportart erreichen kann. Nachdem die 36-jährige Bayreutherin bereits vor einem Jahr als Debütantin bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii mit einem dritten Platz imponiert hatte, gelang ihr nun das historische Kunststück, als erste deutsche Frau überhaupt dieses legendäre Rennen zu gewinnen. "Es ist fantastisch, ich kann es selbst noch gar nicht richtig glauben", sagte die strahlende und erstaunlich frisch wirkende Anne Haug kurz nach dem Zieleinlauf in einer Endzeit von 8:40:10 Stunden. Das Schwimmen über 3,86 Kilometer im recht unruhigen Pazifik hatte sie bereits vielversprechend in 54:09 Minuten bewältigt, und die 180 Kilometer auf dem Rad in zufriedenstellenden 4:50:18 Stunden. Entscheidend war aber wieder einmal ihre Dominanz im abschließenden Marathonlauf: Ihre Zeit von 2:51:07 Stunden für die 42,195 Kilometer war die zweitbeste, die jemals auf dieser Strecke mit Start und Ziel in Kailua-Kona von einer Frau erreicht worden ist.

Im Interview mit dem Internet-Portal tri-mag.de machte Anne Haug aber auch deutlich, wie wichtig bereits das gute Abschneiden beim Schwimmen gewesen war. Schließlich gehörte sie nach ihrer früher unsichersten Disziplin bereits zur ersten Verfolgergruppe die nur der bekanntermaßen herausragenden Schwimmerin Lucy Charles-Barcley (Großbritannien) und der nicht zum Favoritenkreis zählenden Laura Brandon (USA) fünf Minuten Vorsprung überlassen musste. "Es war schon ein großes Ziel, vorne mitzumischen, aber ich war doch etwas überrascht, sogar ganz vorne dabei zu sein", erklärte die Siegerin. "Das gibt einem ganz andere taktische Optionen. Man muss nicht einfach hinterherhecheln, sondern kann das Rennen mit gestalten." Dabei habe sie dann auch die Führungsarbeit nicht gescheut: "Mein Sieg in Kopenhagen hatte mir zusätzliches Selbstvertrauen gegeben, dass ich auch alleine fahren kann. Ich wusste ja zudem, dass Lucy vorne auch allein fahren muss." Trotzdem schafften es die Verfolgerinnen nicht, den Rückstand auf Charles-Barcley nachhaltig zu verkürzen. Auf den letzten 30 Rad-Kilometern gelang es der britischen Vizeweltmeisterin des Vorjahres sogar, ihren Vorsprung für das Laufen auf acht Minuten auszubauen. Diesen Abstand reduzierte Anne Haug dann jedoch in ihrer stärksten Teildisziplin ganz allmählich und stetig mit einem eindrucksvoll gleichmäßigen Laufstil. "Man darf nicht versuchen, so eine Lücke auf Biegen und Brechen zuzulaufen, das wäre ein Suizid-Kommando", erklärt Haug. "Vielmehr muss man immer bei sich bleiben. Ich habe nie auf die Uhr geschaut, sondern mich ganz auf mein Körpergefühl verlassen. Ich gehe dabei an eine Schmerzgrenze, von der ich denke, dass ich sie bis zum Ende durchhalten kann."

Diese Marschroute setzte Anne Haug geradezu perfekt in die Tat um. Von keiner Situation ließ sie sich dazu verleiten, von ihrem Rhythmus abzuweichen - weder als Charles-Barcley auf dem einsamen Highway außerhalb der Stadt erstmals in Sichtweite kam, noch als sie die Führende nach einer Gesamtzeit von 7:30 Stunden schließlich überholte. Vielmehr setzte sie sich auf den verbleibenden rund 17 Kilometern mit genau derselben Kontinuität ab, mit der sie zuvor herangelaufen war. "Es heißt ja noch nichts, wenn man jemanden bei Kilometer 25 überholt, sondern man muss es auch halten können. Der Mann mit dem Hammer kommt oft erst zwischen Kilometer 35 und 38. Ich habe mich darauf konzentriert, nicht nachlässig zu werden und beispielsweise bis zuletzt jede Verpflegungsstation gewissenhaft zu nutzen." Gegen Ende sei es tatsächlich noch einmal mühsam geworden, "aber da haben mich die Zuschauer und die Nähe zum Ziel schon getragen." Auf diese Weise häufte Anne Haug bis ins Ziel sogar noch einen stattlichen Vorsprung von 6:34 Minuten gegenüber Charles-Barcley an.

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Eberhard Spaeth
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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
21:37 Uhr

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Eberhard Spaeth

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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
21:37 Uhr



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