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Nur ein Etappensieg - Im Gespräch mit Para-Sprint-As Felix Streng

Er war einer der Superstars der Para-Leichtathletik-EM in Berlin: der dreifache Goldmedaillengewinner Felix Streng aus Meeder. Eine Begegnung mit einem jungen Mann, der noch lange nicht am Ziel ist.



Vor Heimpublikum: Felix Streng feiert seinen EM-Sieg über die prestigeträchtigen 100 Meter.	Foto: Jens Büttner/dpa
Vor Heimpublikum: Felix Streng feiert seinen EM-Sieg über die prestigeträchtigen 100 Meter. Foto: Jens Büttner/dpa   » zu den Bildern

Coburg - Felix Streng denkt gerne in Etappen. Und die nun zu Ende gegangene, das steht spätestens seit Sonntag fest, war für den Para-Leichtathleten eine in Perfektion. Aber eben trotzdem nur: eine Etappe. Auf dem Weg zum Gipfel.

Ein Coburger Café am Dienstagnachmittag, die Sonne scheint ungewöhnlich stark für September-Verhältnisse: Streng nimmt nach dem Ende einer langen Saison im Schatten Platz und bestellt einen Kaffee. Schwarz. Er trägt ein dunkelgrünes T-Shirt, "ERMAN" ist darauf zu lesen. Die schwarze Strickjacke darüber verdeckt das "G" und "Y" an Anfang und Ende. Der 23-Jährige wirkt ungeheuer relaxt, mit sich im Reinen. Vor sich, fast ein wenig versteckt hinter der Tischdeko, hat er vier Medaillen aufgehäuft: Drei goldene, eine silberfarbene. Sie ernten neugierige Blicke von den Nebentischen.

Streng war einer der Superstars der Para-Leichtathletik-EM im August in Berlin. Seine Bilanz in der Klasse T64: Gold über die 100 und 200 Meter, mit der 4 x 100 Meter Staffel sowie Silber im Weitsprung. Letzteres quasi ohne spezielles Training.

Nun, zwei Tage nach seinem Saisonabschluss in Newcastle am Sonntag, ist Streng, der ohne rechten Unterschenkel zur Welt gekommen ist, für fünf Tage zurück in seiner alten Heimat. Dort wo er nach seiner Geburt im bolivianischen La Paz aufwuchs: im Meederer Ortsteil Herbartsdorf. Mehr Beschaulichkeit geht nicht.

"Eine Oase zum Entschleunigen nach dem ganzen Trubel", nennt es Streng. Er fühle sich schon wieder wie zu Hause. Auch wenn sein altes Zimmer nicht mehr wiederzuerkennen sei, mittlerweile ein Gästezimmer ist. Man mag es seinen Eltern nicht verdenken, Streng ist nicht mehr oft daheim - das letzte Mal an Weihnachten. Er lebt in Köln, startet seit seinem kometenhaften Aufstieg, der 2012 begann, für den TSV Bayer 04 Leverkusen. Streng reist für seine Wettkämpfe um die halbe Welt.

Seine nun beendete Saison startete bereits im Oktober 2017. Sie sollte eine der Superlative werden. "Ein bisschen angeben muss ich jetzt schon", setzt Streng fast schüchtern an: "Ich habe kein einziges Rennen verloren." 

Der 23-Jährige ist zur Zeit der Unbesiegbare unter den Para-Sprintern.

Strengs Stern war spätestens bei den Paralympischen Spielen in Rio aufgegangen. In Brasilien holte er 2016 Gold in der Staffel und zweimal Bronze (100 Meter, Weitsprung).

Und was ist denn nun eigentlich der schwierigere Part: nach oben zu kommen oder oben zu bleiben? Streng denkt nach. "Natürlich erwarten die Leute irgendwann gewisse Leistungen", antwortet er dann. "Das sind zwei ganz verschiedene Herausforderungen, aber es ist schon etwas schwieriger, sich zu halten und keine Eintagsfliege zu sein."

Manchmal liegt das aber gar nicht erst zur Gänze in der Hand des Sportlers. Streng hat das bitter erfahren müssen. In der Saison nach Rio musste er die WM in London absagen. Ausgerechnet London: Die Olympischen Spiele in der englischen Hauptstadt im Jahr 2012 hatte der damals 17-Jährige intensiv am TV verfolgt, sie prägen ihn bis heute. "Es war frustrierend, dann nicht selbst vor 60 000 Leuten im Stadion mit dabei zu sein", erinnert er sich.

Probleme mit der Achillessehne begleiteten ihn die gesamte Saison über, sie wurden immer schlimmer. Drei Wochen vor der WM kam ein Virusinfekt hinzu, Streng lag zehn Tage im Krankenhaus. "Also habe ich die Entscheidung getroffen, 'nein' zu sagen, ich wollte nur in Top-Form antreten." Es sei die richtige gewesen, sagt er rückblickend, und: Er habe nach Rio zu viel gewollt.

Seitdem hat sich der Wahl-Kölner verändert: "Ich bin ruhiger geworden und nicht mehr so aggressiv im Training unterwegs. Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören und nicht mehr alles zu 100 Prozent perfekt machen zu wollen und stattdessen das große Ganze zu sehen." Seine Etappen eben.

Die auf europäischer Ebene hat er mit dem Höhepunkt Berlin in Perfektion abgeschlossen. Im kommenden Jahr steht dann die Etappe auf Weltebene an, mit dem Highlight WM in Katar. "Und die Spitze des Berges muss dann Tokio sein", beendet Streng seine Aufzählung.

Tokio. Immer wieder kommt der 23-Jährige auf die Hauptstadt Japans zu sprechen, wo 2020 die nächsten Paralympischen Sommerspiele stattfinden werden. Gerade der dortige Wettkampf über die 100 Meter scheint schon jetzt eine geradezu magische Wirkung auf Streng zu entfalten.

Sie seien eh sein Baby, die 100 Meter, schwärmt er dann. Nichts in der Leichtathletik sei mit dieser Strecke vergleichbar, mit der Situation vor dem Start, dieser Anspannung.

Heißt das erklärte Ziel für Tokio also Gold auf der prestigeträchtigsten aller Strecken? Streng, der bei den Wettkämpfen in Japan 25 Jahre alt sein wird, macht eine Pause, nickt zunächst und bejaht die Frage. Ehe er nochmal neu ansetzt: "Es ist ein Traum. Dieses Jahr ist es ein Traum, ab nächstem Jahr nach der WM dann das Ziel." Felix Streng denkt gerne in Etappen. Auf dem Weg zum Gipfel.

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David Büttner

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Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
00:00 Uhr

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David Büttner

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12. 09. 2018
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