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Nur nicht noch eine Katastrophe

Die 0:6-Blamage war für FCN-Coach Jens Keller nur ein Ausrutscher. Was macht ihm im Endspiel in Kiel um den Verbleib in der 2. Fußball-Bundesliga Hoffnung?



Der Blick auf den Zwischenstand in Fürth wird für Nürnbergs Lukas Mühl (links) beim FCN-Auswärtsspiel in Kiel so lange wichtig sein, wie ein Club-Sieg nicht in trockenen Tüchern ist. Foto: Sportfoto Zink/DaMa
Der Blick auf den Zwischenstand in Fürth wird für Nürnbergs Lukas Mühl (links) beim FCN-Auswärtsspiel in Kiel so lange wichtig sein, wie ein Club-Sieg nicht in trockenen Tüchern ist. Foto: Sportfoto Zink/DaMa  

Nürnberg - Wäre da nur nicht der bange Blick auf die Tabelle. Jens Keller verströmte am Freitagnachmittag eine Portion angespannte Gelassenheit. Wenn der 1. FC Nürnberg am Sonntag, 15.30 Uhr, bei Holstein Kiel antritt, dann solle sein Team doch wieder daran anknüpfen, was es vor dem "schwarzen Sonntag" gezeigt habe. Jenem 21. Juni, jener 0:6-Blamage gegen den VfB Stuttgart. Also nur dort weitermachen, wo der Club zuvor aufgehört hatte?

Hilfe aus Fürth?

Die Ausgangslage für den 1. FC Nürnberg ist klar: Gewinnt der FCN in Kiel, ist der Klassenerhalt sicher und der Karlsruher SC muss in die Relegation. Der KSC, der zeitgleich am Sonntag, 15.30 Uhr, bei der SpVgg Greuther Fürth, also dem Nürnberger Erzrivalen, spielt. "Der Club sollte sich erst einmal auf sich selbst verlassen", sagte Rachid Azzouzi, Fürths Sportdirektor. "Wir spielen für uns und werden alles geben, um unsere erfolgreiche Saison zu beenden." In der Mannschaft sei die Nachbarschaftshilfe ohnehin kein Thema, berichtet Fürths Trainer Stefan Leitl. "Für uns geht es darum, eine Saison nach guten Leistungen sehr gut abschließen zu können." Er forderte mehr Anerkennung dafür statt für die Sorgen des Nachbarn. Denn: Das Kleeblatt könnte mit einem Sieg sogar noch den sechsten Platz erreichen. msc


In Kellers Argument steckt ein Funken Wahrheit, aber auch viel Prinzip Hoffnung. Denn eben jener Blick auf die Tabelle verrät: Der FCN hatte sich schon vor der Stuttgarter Lehrstunde schwer getan - und steht nunmal als Tabellen-15. an der Schwelle zur 3. Liga. Nur mit einem Sieg in Kiel wäre der Klassenerhalt sicher, in allen anderen Fällen müsste Nürnberg bis zum Schlusspfiff zittern.

Allerdings, und insofern hat Keller durchaus recht, war seine Mannschaft selten so haushoch unterlegen wie gegen die Schwaben. "Wir waren immer in den Spielen drin", sagt Keller. Die Stuttgart-Niederlage sei ein "Katastrophen-Spiel" und "indiskutabel" gewesen - aber eben nur ein "Ausrutscher", so der FCN-Trainer.

Für seine These sprechen einige Argumente: So reist der FCN als Dritter der Auswärtstabelle nach Kiel. Allerdings hat auch der 13. dieser Wertung (Sandhausen) nur drei Punkte weniger geholt als der Club. Argument Nummer zwei stützt sich auf dem Wenigen, das von der von Corona abgeschirmten Mannschaft nach außen dringt: Die Stimmung zwischen Mannschaft und Trainerteam sei gut. Auch Keller spricht von einem guten Verhältnis. "Es vereinfacht alles deutlich, wenn alle eine Einheit sind", sagt der 49-Jährige, auch wenn von einer Einheit gegen Stuttgart nicht viel zu sehen war. Immer wieder Stuttgart - das haben die Nürnberger allerdings satt. "Natürlich fällt‘s nicht leicht, so ein Spiel zu vergessen oder abzuarbeiten", hatte der FCN-Kapitän Hanno Behrens unlängst den "Nürnberger Nachrichten" gesagt, "aber jetzt ist es abgehakt und wir müssen uns auf Sonntag fokussieren." Und so befasste sich das Team schon seit Montag wieder mit dem Endspiel an der Kieler Förde. Nur gewinnen und dann sind alle Probleme für den Moment vergessen - so lautet der Plan. Oder wie es Behrens auf den Punkt brachte: "Wir können die ganze Scheißsaison mit einem Spiel zu einem akzeptablen Ende bringen."

Doch ganz um eine Auswertung des Stuttgart-Spiels kommt der Club bei dieser Aufgabe nicht herum. Denn ganz klar ist, dass die Nürnberger in allen Bereichen anders auftreten müssen. Keller: "Ich erwarte, dass die Mannschaft ein ganz anderes Gesicht zeigt." Er schwört gegen einen spielerisch starken Gegner auf Aggressivität, Kompaktheit und mannschaftliche Geschlossenheit.

Auch wenn er sich nicht in die Karten schauen lässt, so dürften einige Veränderungen in der Startelf zu erwarten sein. Während Felix Lohkemper (Schnittwunde im Training) ausfallen wird, besteht bei Konstantinos Mavropanos noch Hoffnung. "Es wird ein Wettlauf mit der Zeit", sagt Keller über die Einsatzchancen seines Innenverteidigers, der mehr Stabilität in die Nürnberger Hintermannschaft bringen soll. Mavropanos hatte mit der Mannschaft trainiert. "Nun warten wir die Reaktion am Samstag ab", so Keller.

Am Samstag wird er bei der Anreise nach Kiel auch genug Zeit haben, mit Mavropanos zu sprechen. Denn Keller verzichtet auf eine vorzeitige Anreise. Ein Sondertrainingslager? "Das wäre das falsche Zeichen", sagt der Chefanweiser. Dann hätten seine Kicker noch mehr Zeit, sich Gedanken über das schicksalsträchtige Spiel zu machen. "Die Spieler müssen hoch fokussiert sein, aber nicht verkrampfen." Also: am besten auch nicht auf die Tabelle schauen, denn es könnte am Sonntag nervenaufreibend werden.

Unter der Woche machte das Gerücht die Runde, Jens Keller säße bereits bei einem Relegationsspiel nicht mehr auf der Trainerbank. Die Bild-Zeitung hatte darüber berichtet. FCN-Sportvorstand Robert Palukuca stärkte dem Trainer aber den Rücken. "Jens hat hier einen Vertrag für die 2. Liga über das Saisonende hinaus", hatte Palikuca den "Nürnberger Nachrichten" erklärt. Die Diskussion beschäftige Keller zwar, "aber nicht so, dass ich nicht meiner Arbeit nachkommen könnte".

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
27. 06. 2020
00:00 Uhr

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Marcus Schädlich

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27. 06. 2020
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