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Abwehrspieler als Torjäger: BVB feiert «Waffe» Hakimi

Viel Kampf, wenig Glanz. Anders als zuletzt in der Bundesliga bewies der BVB beim 2:0 in Prag Stehvermögen und brachte eine Führung ins Ziel. Für die nötigen Tore sorgte Achraf Hakimi, der normalerweise fürs Verteidigen zuständig ist. Ein BVB-Profi schob jedoch Frust.



Erfolgserlebnis
Der BVB durfte in Prag vor allem dank Achraf Hakimi (3.v.r.) feiern.   Foto: Guido Kirchner/dpa

Als Abwehrspieler verpflichtet, als Torjäger gefeiert - die große Show von Achraf Hakimi versetzte Marco Reus ins Schwärmen.

«Er war eine Waffe für uns», lobte der Dortmunder Kapitän nach dem Doppelpack des marokkanischen Fußball-Nationalspielers zum mühseligen 2:0 (1:0) von Borussia Dortmund in der Champions League bei Slavia Prag. Wirklich daran erinnern, wann ihm zuletzt zwei Treffer in einem Spiel gelungen waren, konnte sich der Leihspieler von Real Madrid nicht: «Als ich sehr klein war - glaube ich.»

Seine Tore bejubelte er mit Daumen im Mund und verriet einen Tag später via Instagram den Grund: Der 20-Jährige wird Vater und hatte schon vor dem Spiel seiner Freundin versprochen, «dass ich mit einem klaren Ziel aufs Feld gehen werde: Ein Tor zu erzielen, das unserem zukünftigen Baby gewidmet ist. Die Freude und der Enthusiasmus trieben mich dazu, nicht ein, sondern zwei zu machen.»

Die Maßnahme von Trainer Lucien Favre, den Außenverteidiger in Prag als Flügelstürmer aufzubieten, erwies sich als kluger Schachzug und bewahrte den BVB nach zuletzt durchwachsenen Vorstellungen in der Bundesliga vor weiteren Diskussionen über mangelnde Mentalität. Michael Zorc wirkte wie von schweren Lasten befreit. «So ein Sieg ist durch nichts zu ersetzen», kommentierte der Sportdirektor, «wir sind sehr erleichtert, weil wir die letzten drei Spiele nicht gewonnen haben.»

Der erst 20-jährige Hakimi nutzte seine immense Schnelligkeit, um die als stabil bekannte Abwehr der Tschechen zu überlisten und als erster Marokkaner zwei Treffer in einem Champions-League-Spiel zu erzielen. Das verhalf dem BVB nach dem 0:0 zwei Wochen zuvor gegen den FC Barcelona zur Tabellenführung in der kniffligen Gruppe F.

Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl verwies nicht nur auf die Klasse von Hakimi, sondern auch auf die Qualitäten des zuletzt in die Kritik geratenen Fußball-Lehrer Favre: «Es war ein sehr guter Move des Trainerteams, Achraf heute vorne links aufzustellen. Er war für uns der Mann des Spiels.»

Nicht auszuschließen, dass Favre in Zukunft ähnliche «Moves» plant und Hakimi häufiger in der Offensive einsetzt. Der Aushilfsstürmer von Prag wäre nicht gänzlich abgeneigt. «Ich kann diese Position spielen. Und der Trainer weiß, dass er diese Option hat.»

Hakimis Treffer in der 39. und 89. Minute dürften die Bemühungen der Vereinsführung verstärken, das nur bis zum kommenden Sommer ausgeliehene Talent fest zu verpflichten. Hans-Joachim Watzke sieht den BVB dabei nicht chancenlos. «Real ist auf seinen Positionen sehr gut besetzt. Ich höre von ihm nicht, dass er sofort wieder in seine Heimatstadt will. Mein Eindruck ist: Er fühlt sich in Dortmund wohl», sagte der BVB-Geschäftsführer der «Süddeutschen Zeitung».

Doch bei aller Erleichterung über die Treffer von Hakimi blieben erneut viele Wünsche offen. Nachdem der zuletzt formschwache Jadon Sancho in der 47. Minute eine große Chance zum früheren 2:0 ausgelassen hatte, geriet der BVB gehörig unter Druck. «Dass Jadon das Ding nicht gemacht hat, hat uns Nerven gekostet», bekannte Torhüter Roman Bürki, «wir hatten viele unnötige Ballverluste und haben uns schwer gegen das Pressing von Slavia getan.»

Gleichwohl werteten alle Beteiligten den mitunter wackeligen Auftritt in Prag als Mutmacher für das Spiel des Liga-Achten am Samstag beim Dritten SC Freiburg. Auf kritische Fragen nach der hohen Fehlerquote im Spielaufbau reagierte Kehl mit Unverständnis: «Natürlich war noch nicht alles gut. Aber warum sollen wir jetzt wieder das Haar in der Suppe suchen. Wir wollen das einfach mal positiv sehen.»

Nur ein BVB-Profi schob Frust. Als erster Spieler saß Mario Götze vor der nächtlichen Fahrt zum Prager Flughafen im Mannschaftsbus - lange vor seinen Teamkollegen. Dass er nur in den Schlussminuten zum Einsatz kam, obwohl er beim 2:2 gegen Bremen am vergangenen Samstag als Startelf-Spieler überzeugt hatte, gab dem Weltmeister von 2014 sichtlich zu denken. Bei Nachfragen zum Dauerthema verwies Trainer Favre auf den dichten Terminkalender: «Ich habe immer gesagt, dass wir rotieren werden. Wir spielen alle drei Tage, das wird auch anderen Spielern passieren.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 10. 2019
14:55 Uhr

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03. 10. 2019
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