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Anderes Derby: «Spezielle Emotionen» bei Hertha kontra Union

Die Trainer wollen den irrealen Rahmen ausblenden, verweisen aber auf «spezielle Emotionen». Die Spieler sollen standesgemäß jubeln, müssen jedoch «heiß sein». Bundesliga-Derby zwischen Hertha und Union sieht eigentlich anders aus. Deshalb wendet sich ein Teil der Fans ab.



Pyrotechnik
Das Hinspiel zwischen Union und Hertha wurde von reichlich Pyrotechnik begleitet.   Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Nein. Vorschreiben will Bruno Labbadia seinen Hertha-Profis nicht, wie sie im Geister-Derby gegen den 1. FC Union feiern sollen.

Denn auch zu Corona-Zeiten bleibe es nach Toren dabei: «Es ist pure Freude. Das muss man rauslassen.» Allerdings gab der neue Cheftrainer des deutschen Meisters von 1930 und 1931 den Profis um Kapitän Vedad Ibisevic für den Freitag (20.30 Uhr/DAZN und Amazon Prime) nochmals einen kurzen Hinweis zum standesgemäßen Jubeln mit: «Man muss noch ein Stück aufmerksamer sein und ein bisschen auf Abstände achten.»

Beim jüngsten 3:0-Sieg in Hoffenheim zählten die Jubel-Trauben der Herthaner in der sterilen Stadion-Atmosphäre zu den surrealen Begleiterscheinungen der umstrittenen Saisonfortsetzung.

Während sich ein Teil der Fans angesichts der widersprüchlichen Bilder vom ersten Geister-Spieltag in ihrer Ablehnung bestätigt fühlte, wollen die Hauptdarsteller vor allem das sportlich Beste aus der abnormen Situation machen. «Das ist nicht das Derby, wie man es sich vorstellt», sagte Labbadia vor dem Aufeinandertreffen der bald 128-jährigen Hertha mit dem 1966 als einem von zehn DDR-Fußballclubs gegründeten 1. FC Union. Aber: «Damit wollen wir uns gar nicht mehr beschäftigen.» Noch gehe es vor allem um den Klassenverbleib.

Sein Union-Kollege Urs Fischer denkt ähnlich: «Ich muss nicht viel unternehmen, dass die Spieler heiß sind für ein Derby. Es ist schon eine Aufgabe jedes Spielers. Wir werden das Spiel seriös vorbereiten und das eine oder andere planen.» Der Außenseiter hat immerhin schon zwei der fünf ausgetragenen Pflichtspiel-Derbys gewonnen, Hertha erst eins. «Deshalb ist die Bedeutung für uns schon groß», unterstrich Hertha-Manager Michael Preetz. In der Tabelle steht Hertha als Elfter mit 31 Punkten einen Zähler vor dem zwölftplatzierten Stadtrivalen.

Für einige Fanclubs ist vom Derby-Feeling nicht viel übrig geblieben. «Dieses ganze Schauspiel hat nichts mit dem Fußball zu tun, den wir lieben und unterstützen», erklärte der Förderkreis Ostkurve. Nicht nur Bilder von Ersatzspielern mit Gesichtsmasken und Riesenabstand auf der einen Seiten und andere Aufnahmen von knallharten Zweikämpfen natürlich mit Körperkontakt irritieren. Zudem sei offen, «ob mit den Geisterspielen das Überleben der Vereine oder doch schlichtweg die Rettung der bestehenden Gehaltsstrukturen in Millionenhöhe gesichert werden soll», schrieb die Vereinigung der Hertha-Fanclubs.

Labbadia erwartet im riesigen, aber durch die Hygieneauflagen leeren Olympiastadion eine «sehr intensive» Partie: «Das ist die Spielweise von Union, alle machen den Raum eng. Deshalb wird es viele Zweikämpfe geben.» Für Union-Coach Fischer, der beim jüngsten 0:2 gegen den FC Bayern wegen eines Trauerfalls in der Familie nicht auf der Bank saß, ist das Gewöhnen an die derzeitigen Bedingungen schwierig. «Man lernt, damit umzugehen. Dieses Konzept der DFL hält Stand. Alle geben sich unheimlich Mühe, mehr kannst du nicht machen.»

Mit Derbys haben sowohl Labbadia als auch Fischer viele Erfahrungen gesammelt. «Das ist noch mal ein bisschen das Salz in der Suppe», sagte der Hertha-Coach. Der Schweizer Fischer verwies aber auch auf den schmalen Grat bei diesen Spielen: «Beim letzten Derby wurde viel geschrieben, viel provoziert. Jetzt empfinde ich es als ruhig. Es sind spezielle Emotionen dabei.»

Der 1:0-Sieg der Eisernen am 2. November des Vorjahres war von heftigen Fanausschreitungen aus beiden Lagern begleitet worden. Die Partie stand kurz vor dem Abbruch. Hertha musste die Rekordstrafe von 190.000 Euro zahlen, Union 158.000 Euro an den DFB überweisen. Dieses Mal wird - vor allem durch die gesperrten Zuschauerränge - von Gastgeber Hertha und der Polizei ein ruhiges Derby erwartet. «Bisher liegen der Polizei keine Erkenntnisse über geplante Treffen rivalisierender Fangruppen vor», teilten die Sicherheitsbehörden mit. Die Polizei sei dennoch gut vorbereitet.

Hertha BSC muss einem Medienbericht zufolge auf Nationalspieler Niklas Stark verzichten. Der Innenverteidiger habe sich am vergangenen Sonntag im Training eine Adduktorenverletzung zugezogen und könne nicht spielen, berichtete der «Kicker». Beim 3:0-Sieg bei 1899 Hoffenheim im ersten Spiel nach der Corona-Pause hatten bereits Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha das Duo in der zentralen Abwehr gebildet. Gegen Union muss in Karim Rekik (Innenbanddehnung im Knie) bereits ein weiterer Innenverteidiger passen. Neben Stark soll dem «Kicker» zufolge auch Ersatzkeeper Thomas Kraft verletzt ausfallen.Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Hertha BSC: Jarstein - Pekarik, Torunarigha, Boyata, Plattenhardt - Grujic, Skjelbred - Lukebakio, Matheus Cunha, Mittelstädt - Ibisevic

1. FC Union Berlin: Gikiewicz - Hübner, Subotic, Friedrich - Trimmel, Prömel, Andrich, Lenz - Ingvartsen, Bülter - Andersson

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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 05. 2020
21:19 Uhr

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