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Bayern weiter mit Flick nach «traumhaftem» Sieg im Klassiker

Uli Hoeneß ist nach seinem tollen Abschiedsspiel-Geschenk happy und redselig. Er verrät ein Detail, das zur Leistungsexplosion beim Münchner «Männerfußball» gegen Dortmunds brave Komparsen beiträgt. Die «Ziellinie» von Interimscoach Flick muss neu justiert werden.



Hansi Flick
Münchens Interimstrainer Hansi Flick (l) jubelt über das Tor zum 4:0 gegen Borussia Dortmund.   Foto: Matthias Balk/dpa

Nach Hansi Flicks unschlagbarem Bewerbungsfilm fiel das Votum der Bayern-Jury einstimmig aus. Der wiederbelebte FC Bayern fertigte Borussia Dortmund mit 4:0 ab.

Das grandios in Szene gesetzte Clásico-Drehbuch mit einigen neu- oder umbesetzten Rollen im Münchner Starensemble um den Hauptdarsteller Robert Lewandowski war als von Übergangs-Regisseur Flick selbst ausgerufene «Ziellinie» Borussia Dortmund zwangsläufig nicht mehr zu halten.

Der dominante Sieg über in der Allianz Arena einmal mehr brav mitspielende BVB-Komparsen war für die seligen Bayern-Bosse ein mehr als eindeutiges Statement, dem zupackend handelnden Interimscoach die nach wie vor bestbesetzte deutsche Fußball-Mannschaft auch über die anstehende Länderspielpause hinaus anzuvertrauen.

Es war mal wieder Uli Hoeneß, der das alternativlose «Weiter mit Hansi» plakativ begründete. «Eines ist doch klar: Nach so einer überragenden Woche mit zwei überzeugenden Siegen kann man doch nicht sagen, den Hansi Flick schicken wir jetzt erstmal wieder weg.»

Hoeneß musste Flick und dem Team ja besonders dankbar sein für den rasanten Stimmungsumschwung kurz vor seinem Abschiedskonvent in der Münchner Olympiahalle. «Ich denke immer an den nächsten Freitag. Wenn man da mit einem 4:0 einmarschiert, ist es natürlich angenehmer als mit einem 0:2», sagte der 67-Jährige nach seinem «traumhaften» letzten Spiel als Vereinsoberhaupt. «So habe ich mir etwa meinen Abschied als Präsident vorgestellt. Die Mannschaft hat mir ein Geschenk gemacht, wie man es besser nicht haben kann.»

Für Hoeneß ist der langjährige Löw-Assistent Flick urplötzlich «der erste Gesprächspartner» für die von Karl-Heinz Rummenigge angeführte Trainerfindungskommission. «Nach der besten Saisonleistung» verfügte der Vorstandsvorsitzende: «Wir werden mit Hansi Flick bis auf Weiteres arbeiten. Er hat gesagt, die zwei Spiele gegen Piräus und Dortmund sind erstmal die Ziellinie. Die hat er bravourös überschritten, und jetzt werden wir in aller Ruhe mit ihm weitermachen. Er hat unser Vertrauen jetzt.» Alles weitere folgt.

Die Trainersuche wird nicht eingestellt. Aber sie kann nach der Leistungsexplosion im Liga-Gipfel in aller Ruhe angegangen und mit einer dann «langfristigen Lösung», die Hoeneß anmahnte, erfolgreich abgeschlossen werden. «Bis es zu so einer kommt, bin ich der Meinung, ist Hansi Flick keine schlechte Lösung», kommentierte Hoeneß.

Flick selbst kostete zunächst die schöne Momentaufnahme aus, mit einer «schönen Flasche Rotwein» im Kreise seiner Familie. «Wir waren ganz klar über die 90 Minuten auch die vier Tore besser», urteilte der Chef auf Zeit nach den Treffern von Fließbandschütze Lewandowski (2), Nationalspieler Serge Gnabry und einem unglücklichen Eigentor des komplett bedienten München-Rückkehrers Mats Hummels.

Was will Flick? Will er das Rampenlicht des ersten Mannes überhaupt auf Dauer? Der 54-Jährige forderte nichts, schloss aber auch nichts aus. «Ich bin da vollkommen relaxed», erklärte der von den Spielern geschätzte Fußballfachmann gelassen auf dem Podium des Pressesaals in der Allianz Arena. Flick wies gelassen auf seinen Arbeitsvertrag als Assistenztrainer hin, «der geht bis 2021». Er sagte aber auch, er habe die Arbeit mit dem Team genossen - «so in der Funktion». Als Chef also. Neben ihm saß Dortmunds Cheftrainer Lucien Favre und stöhnte: «Wir waren klar nicht da! Es war viel zu wenig!»

Den «Männerfußball», den BVB-Sportdirektor Michael Zorc von seiner Mannschaft sehen wollte, spielten nur die echten Bayern-Kerle. «Es ist immer wieder herrlich, wenn die Dortmunder nach München kommen und wir so auftreten wie heute», stichelte Thomas Müller. Es war die sechste Liga-Watschn am Stück für den BVB in München - bei 3:26 Toren. Kapitän Hummels sprach den Unterschied zu seinen Münchner Ex-Kollegen schonungslos an: «Es ist ein Zeichen für uns, dass wir selber keine Top-Truppe sind.» Er vermisste das «Dagegenhalten».

Wie hat Flick den rasanten Wandel vom 1:5-Tiefpunkt in Frankfurt zum 4:0-Höhepunkt gegen den BVB bewirkt? Er drehte an den richtigen Stellschrauben, personell und taktisch. Fokus auf «die Null» hinten, hohes Pressing, gegenseitige Unterstützung und Umbesetzungen in der Startelf. «Hansi Flick hat uns daran erinnert, warum man eigentlich Fußball spielt: Es soll Spaß machen», berichtete Leon Goretzka.

Den hatten etliche Spieler unter Niko Kovac verloren, wie Hoeneß durchblicken ließ. «Es hat sicherlich Strömungen innerhalb der Mannschaft gegeben, die den Trainer weg haben wollten. Deswegen hat die Führung entsprechend reagiert», verriet der Präsident im ZDF.

Die Flick-Effekte wirkten jedenfalls. Javi Martínez und David Alaba formierten ein stabiles Abwehrzentrum. Der junge Alphonso Davies verblüffte als linker Verteidiger. Dazu spielte Flick im Mittelfeld die deutsche Karte mit einem plötzlich strategisch agierenden Joshua Kimmich auf der Sechs, einem schlau spielenden Goretzka und Ur-Bayer Müller als mitreißendem Antreiber und Organisator aus.

«In fünf Tagen kannst du nicht die Welt verändern. Aber er hat an den richtigen Punkten angesetzt und die richtigen Änderungen vorgenommen. Das hat schon gefruchtet», sagte Goretzka zu Flick. «Das ist eine gute Option», sagte Führungsspieler Lewandowski zum Interimschef.

Goretzka bescheinigte Flick «eine hohe Empathie und ein gutes Fingerspitzengefühl für die Leute». Das unterstrich Flick mit den Einwechslungen der aktuellen Trainerwechsel-Verlierer Philippe Coutinho und Thiago, die er gegen den BVB so mit in sein Bayern-Boot nahm. Hoeneß sah die Mannschaft aber auch in einer besonderen Bringschuld. «Die Mannschaft hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass Niko Kovac nicht mehr da ist. Heute haben sie gemerkt: «Hoppla, wir müssen liefern!» Und sie haben geliefert.» Gemeinsam mit Flick.

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 11. 2019
12:37 Uhr

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10. 11. 2019
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