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DFB-Dämpfer im Prestige-Duell: Niederlande nimmt Revanche

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verliert in der EM-Qualifikation gegen die Niederlande mit 2:4 (1:0). Das junge Team von Joachim Löw zahlt in der zweiten Halbzeit Lehrgeld.



Niederlage
Die deutschen Nationalspieler um Niklas Süle (M.) verloren trotz einer 1:0-Führung.   Foto: Christian Charisius » zu den Bildern

Hamburg (dpa) - Was für ein Dämpfer: Mit hängenden Köpfen schlichen die jungen Nationalspieler von Joachim Löw vom Platz, die Holländer feierten ausgelassen die gelungene Revanche.

Trotz der vom Bundestrainer geforderten kollektiven Energieleistung hat die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes im Prestige-Duell gegen die Niederlande eine bittere 2:4 (1:0)-Niederlage kassiert und ist auf dem Weg zur EM 2020 wieder unter Zugzwang.

«Holland war über 90 Minuten die bessere Mannschaft, wir haben verdient verloren», sagte Löw bei RTL. «Obwohl wir 1:0 in Führung waren, hatte man nie das Gefühl gehabt, dass wir das Spiel unter Kontrolle haben.» Er sei «enttäuscht», weil das Team «unter unseren technischen Möglichkeiten» gespielt habe. «Die Holländer konnten nachrücken, wir haben hohe Bälle gespielt. Das war nicht das Spielverständnis, was wir eigentlich wollen.»

Serge Gnabry rechtfertigte zwar die Stammplatzgarantie des Bundestrainers mit dem Führungstreffer für die DFB-Auswahl in der 9. Minute, konnte die Schlappe aber nicht verhindern. «Bei jeder Niederlage überwiegt die Enttäuschung», sagte er. «Wir kriegen die Gegentore viel zu leichtfertig, schenken das 2:3 einfach so her. Das darf uns einfach nicht passieren.» Niklas Süle äußerte enttäuscht: «Das kann nicht unser Anspruch sein, dass wir in einem Heimspiel so wenig Ballbesitz haben. Das war ein ganz schwaches Spiel von uns.» 

Treffer von Hollands jungem Barca-Star Frenkie de Jong (59.), ein Eigentor des glücklosen Jonathan Tah (66.) und der späte K.o. durch Donyell Malen (79.) und Georginio Wijnaldum (90.+1) besiegelten aber die erste Niederlage der DFB-Auswahl auf dem Weg zur EM 2020. Toni Kroos' (72.) Ausgleich per Handelfmeter nutzte vor 51.299 Zuschauern im ausverkauften Hamburger Volksparkstadion nichts. Das Ticket für die EM-Endrunde kann frühestens im Oktober gebucht werden.

Knapp ein halbes Jahr nach dem 3:2-Coup in Amsterdam überzeugte die Löw-Auswahl zwar lange mit großer Geschlossenheit und taktischer Disziplin, durch die Niederlage von Hamburg ist nun aber Holland auch im direkten Vergleich im Vorteil. Der Aufwärtstrend beim Neuaufbau nach dem WM-Desaster konnte letztlich nicht bestätigt werden. Erstmals in der laufenden Qualifikation und erstmals seit Oktober 2015 ging nach 14 Siegen wieder ein Spiel in einer Ausscheidungsrunde für ein großes Turnier verloren.

Löw, der bei den Siegen in Weißrussland (2:0) und gegen Estland (8:0) im Juni nach einem Sportunfall gefehlt hatte, bot in seinem 176. Länderspiel als Bundestrainer den Leipziger Timo Werner anstelle des am Kreuzband verletzten Leroy Sané im Sturm auf. «Timo hat das Selbstbewusstsein von fünf Toren», sagte Löw bei RTL mit Blick auf den Liga-Start. Sané wünschte seinen Teamkollegen vor dem Anpfiff bei Twitter «viel Erfolg heute Abend. Ich drück die Daumen!»

Gegen die zunächst etwas aktiveren Niederländer sorgte Gnabry, der im Verbund mit Werner und Marco Reus immer wieder das Tempo anzog, für den Start nach Maß. Kapitän Manuel Neuer parierte auf der Gegenseite einen unplatzierten Schuss des auffälligen Memphis Depay, ehe Joshua Kimmich, der mit Toni Kroos in der Mittelfeld-Zentrale waltete, Lukas Klostermann mit einem starken Pass einsetzte. Der RB-Profi scheiterte noch an Jasper Cillessen im Tor der Gäste, dann war Gnabry zur Stelle.

In der Abwehr setzte der Bundestrainer wie beim 3:2 im Hinspiel, das ebenfalls mit einer frühen Führung für Deutschland begonnen hatte, auf eine Dreierkette um Stabilisator Niklas Süle. Löw lief während der intensiven, aber an Höhepunkten armen ersten Halbzeit immer wieder in seiner Coaching-Zone auf und ab. Beide Mannschaften hielten sich meist an die taktischen Vorgaben.

Die Elftal um Supertalent de Jong und Europas «Fußballer des Jahres» Virgil van Dijk hatte nach dem Rückstand große Probleme mit der kompakt stehenden DFB-Abwehr. Die Konter-Chancen wurden allerdings nicht konsequent ausgespielt. Reus vergab zudem kurz vor dem Pausenpfiff die große Chance auf das 2:0, das Cillessen mit einem starken Reflex vereitelte. Die in der EM-Qualifikationsgruppe C mit zuvor einem Sieg und einer Niederlage schon unter Druck stehenden Gäste kamen bis dahin zu Kopfballchancen durch Matthijs de Ligt (22.) und Depay (40.).

Die unterhaltsame zweite Hälfte begann mit weiteren Kontern der DFB-Auswahl, die Gnabry (51.) und kurz darauf Reus aber nicht nutzen konnten. Den Niederländern, die Deutschland vor knapp einem Jahr schmerzhaft in der Nations League geschlagen hatten, zunehmend den Ballbesitz zu überlassen, rächte sich wenige Minuten später: Neuer konnte noch gegen Wijnaldum (55.) klären, de Jong war dann aber gedankenschneller als Schulz und traf zum Ausgleich.

Löw reagierte und brachte Kai Havertz für Werner und Ilkay Gündogan für Reus (jeweils 61.), doch stärker wurden in dieser Phase die Niederländer. Tah unterlief das Eigentor nach einer scharfen Hereingabe von Depay. Den Elfmeter, den Kroos sicher verwandelte, verursachte de Ligt mit einem Handspiel. Der eingewechselte Malen nutze die nächste Unkonzentriertheit in der deutschen Abwehr, Wijnaldum machte alles klar.

Veröffentlicht am:
06. 09. 2019
23:08 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
06. 09. 2019
23:08 Uhr



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