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«Die neue Norm»: Was bringt der Notbetrieb der Formel 1?

Die Formel 1 steigt in den Corona-Betrieb ein. Auf den Start in Spielberg sollen noch 14 weitere Grand Prix folgen. Wer kommt sieben Monate nach dem bislang letzten Rennen am schnellsten auf Touren? Und welche Chancen hat Sebastian Vettel auf seiner Abschiedstour?



Weltmeister
Lewis Hamilton und Mercedes sind das Maß der Dinge in der Formel 1.   Foto: Steve Etherington/MediaPortal Daimler AG/dpa

Knapp vier Monate nach dem geplatzten Saisonauftakt in Australien startet die Formel 1 in ihre Notsaison.

Mit Geisterrennen, einem reduzierten Kalender und einem umfangreichen Hygienekonzept will die Vollgas-Branche ihr wirtschaftliches Überleben sichern und im Corona-Jahr 2020 doch noch einen Weltmeister ermitteln. «Wie lange das so weitergeht? Wir wissen es nicht, aber für den Rest des Jahres wird das die neue Norm sein», sagte Formel-1-Sportchef Ross Brawn vor dem Grand Prix von Österreich am Wochenende.

Welche Einschränkungen sieht der Notbetrieb der Formel 1 vor?

Die Zuschauer bleiben vorerst ausgesperrt. Nur rund 3000 Menschen dürfen an die Strecke. Neben dem verknappten Personal der zehn Teams und ihrer Zulieferer sind das Offizielle, Streckenposten und wenige Medienvertreter sowie die Mitwirkenden der Rahmenserien. Der Zugang zum Fahrerlager ist streng limitiert. Es wird keine Motorhomes geben, die VIP-Bereiche bleiben geschlossen. Unter strengen Hygieneregeln arbeiten die Rennställe in sogenannten eigenen «Blasen» und sollen möglichst keinen Kontakt untereinander haben. Auch für die Mechaniker in den Garagen herrscht Maskenpflicht. Am Grand-Prix-Programm ändert sich aber nichts. Das Training beginnt am Freitag, am Samstag folgt die Qualifikation und am Sonntag das Rennen.

Wie viele Rennen wird es dieses Jahr noch geben?

Die Formel-1-Bosse streben mindestens 15 Grand Prix an. Damit wären wohl die Vertragspflichten erfüllt und der Großteil der TV- und Sponsorengelder würde fließen. Fest terminiert sind aber bislang nur die ersten acht WM-Läufe in Europa. Auf zwei Gastspiele in Spielberg folgen Rennen in Budapest, zweimal Silverstone, Barcelona, Spa und Monza. Als fast sicher gilt, dass danach auf der Ferrari-Hausstrecke in Mugello gefahren wird. Auch Reisen nach Sotschi und Shanghai sind wahrscheinlich. Der Abschluss ist im Dezember in Bahrain und Abu Dhabi geplant. Dass die noch nicht abgesagten Herbst-Rennen in den USA, Mexiko und Brasilien stattfinden, ist dagegen sehr fraglich.

Welche Auswirkungen hatte die Zwangspause für die Fahrer?

Sieben Monate sind seit dem Saisonfinale 2019 vergangen. Dazwischen gab es nur die Testfahrten in Barcelona im Februar. Den Piloten blieb seither fast nur virtuelles Training im Simulator, einige versuchten sich in digitalen Motorsport-Serien. Mit einigen Testkilometern in alten Autos durften die Fahrer zuletzt immerhin die neuen Corona-Abläufe probieren. Dennoch dürfte die Rückkehr in den Wettbewerb nach so langer Auszeit eine echte Prüfung für Fitness und Fahrkunst werden. Übermut und mehr Fahrfehler nicht ausgeschlossen.

Was bedeutet der Neubeginn für die Rennställe?

Die fehlenden Einnahmen durch die Rennpause schmerzten vor allem die privaten Teams wie Williams oder McLaren. Viele Rennställe gingen in Kurzarbeit, die Fabriken wurden wochenlang geschlossen. Unter dem finanziellen Druck wurde die fürs nächste Jahr geplante Budgetgrenze noch einmal deutlich gesenkt, die kleineren Teams sollen künftig einen höheren Anteil vom Preisgeld erhalten. Aber auch die Werksteams wie Mercedes oder Renault könnten die Folgen der Absatzkrise in der Autoindustrie zu spüren bekommen. Die Formel 1 muss weiter um ihre Zukunft kämpfen, dafür braucht sie jetzt dringend wieder Rennen.

Wer startet als Favorit in die Saison?

Lewis Hamilton (35) und Mercedes sind das Maß der Dinge. Der Weltmeister kann in diesem Jahr mit seinem siebten Titel den Rekord von Michael Schumacher einstellen. Die Silberpfeile könnten mit der siebten Team-WM in Serie für eine neue Bestmarke sorgen. Bei den Wintertests wirkte der Branchenführer schon wieder bedrohlich stark, doch seither hatte die Konkurrenz zumindest viel Zeit zum Nachdenken. Der Rennkalender könnte zudem Red-Bull-Jungstar Max Verstappen (22) begünstigen. In Spielberg, dem Ort der ersten beiden Grand Prix, gewann der Niederländer in den beiden Vorjahren. In Ungarn, wo das dritte Rennen steigt, stand er 2019 erstmals auf der Pole Position. Auf beiden Strecken tat sich Mercedes in der Vergangenheit oft schwer - und könnte gleich zu Beginn ins Hintertreffen geraten.

Welche Chancen hat Sebastian Vettel?

Es war die Formel-1-Nachricht der Corona-Zeit: Vettel verlässt Ferrari am Jahresende. Nach fünf vergeblichen Anläufen auf die WM haben sich die Scuderia und der 32-Jährige auseinander gelebt. Offen ist, ob und wo Vettel nach dieser Saison seine Karriere fortsetzt. Klar dürfte aber sein, dass der viermalige Champion es noch einmal allen beweisen will - einschließlich Ferrari. Viel Rücksicht auf Stallinteressen und seinen Teamrivalen Charles Leclerc (22) wird der Hesse nicht mehr nehmen, er fährt jetzt ganz auf eigene Rechnung. Das Problem: Ferrari schwächelte bei den Testfahrten und hatte sich schon für ein weiteres Jahr ohne Titel gerüstet.

Wo ist die Formel 1 für die Fans zu sehen?

Es wird die Abschiedssaison für RTL in der Formel 1. Nach 30 Jahren und vielen Quoten-Erfolgen steigt der Privatsender am Saisonende aus. Zu teuer seien die Rechte geworden, erklärten die RTL-Bosse - und das Interesse der Zuschauer ist eben längst nicht mehr so groß wie auf dem Höhepunkt der Ära Michael Schumacher. Bis zum letzten Rennen will RTL aber im gewohnten Umfang berichten, zeigt jeden Grand Prix live im Free-TV. Das komplette Renn-Wochenende ist beim Bezahlsender Sky zu sehen, der vom kommenden Jahr an die Formel 1 in Deutschland exklusiv übertragen wird. Zudem bietet die Rennserie auch eine eigene Plattform für Fans an. 7,99 Euro monatlich kostet das Komplettpaket auf F1 TV.

© dpa-infocom, dpa:200629-99-605362/4

Veröffentlicht am:
29. 06. 2020
16:59 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 06. 2020
16:59 Uhr



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