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Ein Drama in drei Akten

Eine solche Dramaturgie sucht ihresgleichen. Der 1.FC Nürnberg ist in der 95. Minute bereits mausetot. Und dann trifft Fabian Schleusener den Club vor dem Absturz in die 3. Liga. Ausgerechnet Schleusener!



Auf Augenhöhe
Michael Heinloth von Ingolstadt (l) und Fabian Nürnberger von Nürnberg im Kampf um den Ball.   Foto: Matthias Balk/dpa » zu den Bildern

Ingolstadt - Das Spiel ist bereits seit 20 Minuten vorbei, als der Thomas Grethlein noch auf der Tribüne steht und sich mit der Hand auf die Brust hält. Sein Herz. "Ich dachte, ich überlebe das nicht", sagte er. Denn das, was sich in den 97 Minuten zuvor im Relegations-Rückspiel zwischen dem FC Ingolstadt und dem 1. FC Nürnberg abgespielt hat, war nichts für schwache Nerven. Und erst recht nichts, wenn man eine Abneigung gegen herzzerreißende Szenen hat. Die klassischen Autoren der Antike hätten hingegen ihren Spaß an diesem Feuerwerk der Gefühle gehabt, an diesem Drama in drei Akten.

Der erste Akt, die ersten 52 Minuten. Nichts, aber auch gar nichts sah danach aus, als ob der FC Ingolstadt auch nur annähernd zu der "kleinen Chance" kommen würde, die Schanzer-Coach Tomas Oral angekündigt hatte. Das Ingolstädter Abwarten irritierte gar. Wie wollen sie nur einen 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel aufholen, wenn sie nicht einmal vors gegnerische Tor kommen. Keine klare Torchance für den FCI, hingegen ein souverän auftretender Club. Doch Orals Einschätzung, dass es nicht so weit um das Nürnberger Nervenkostüm bestellt sei, sollte sich als richtig erweisen. Nach der torlosen ersten Hälfte, die eher von der Spannung lebte als von der Qualität des Auftritts beider Teams.

Doch eine erste Entschädigung dafür gab es in der Phase nach der 52. Minute, der herannahenden Katastrophe für den FCN. Ein "Ping-Pong-Tor" - wie es Enrico Valentini später bezeichnen würde - führte zum kompletten Zusammenbruch des Nürnberger Kartenhauses. Club-Keeper Christian Mathenia boxte einen Ball gegen Patrick Erras' Rücken, von dort trudelte der Ball in Richtung Torlinie, wo Stefan Kutschke für die Schanzer abstaubte (53.). "Wir sind danach gewaltig ins Straucheln geraten", sagte Club-Coach Michael Wiesinger fast schon beschönigend. "Wir haben fahrlässig verteidigt." So strauchelte der Club in Riesenschritten in Richtung 3. Liga. Das Team brach - wie so oft in dieser Saison bei kleinsten Widerständen - in sich zusammen und kassierte innerhalb der schwarzen 13 Minuten von Ingolstadt zwei weitere Gegentreffer (Schröck/62. und Krauße/66.). Der pure Wahnsinn. Der Club schien tot. Wiederbelebung? Fast aussichtslos, spätestens als Michael Frey (87.) die beste Club-Chance zum reanimierenden Auswärtstor vergab. Die 95. Minute verstrich und damit auch die Hoffnungen der Cluberer.

Doch was dann geschah, schreibt nur der Fußball. In der Nachspielzeit der Nachspielzeit brachte Erras einen Ball noch einmal in den Strafraum - auf Fabian Schleusener, der den Ball irgendwie über die Linie drückte. Ausgerechnet Schleusener, ausgerechnet in Ingolstadt. Vor der Saison war er aus Sandhausen an den Valznerweiher gewechselt - und bis Samstag ohne Tor geblieben. Ein Fehleinkauf, so hieß es immer. "Er hat einen Torriecher", sagte Wiesinger. "Aber den hatte er beim Club im letzten Jahr irgendwie verloren." Er entdeckte ihn im richtigen Moment wieder. Und litt danach unter einem "Gefühlschaos". Wohl auch deshalb, weil er sich an gleicher Stelle, also im selben Strafraum in der Ingolstädter Arena, am 31. März 2019 das Schienbein gebrochen hatte - und dadurch womöglich seinen Torriecher verlor. Bis er ihn im letztmöglichen Moment am Samstag wiederfand und damit Relegationsgeschichte schrieb.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: "Eine deutliche Warnung"

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
11. 07. 2020
20:12 Uhr

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
11. 07. 2020
20:12 Uhr



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