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Fit für Olympia 2021: Zwischen Neuanfang und Traum-Ende

Alles war auf die Sommerspiele in Tokio ausgerichtet. Und dann finden sie nicht statt. Ziellose Sportlerinnen und Sportler? Nein - auch wenn es nicht jedem leichtfällt. Olympia ist doch zu groß. Selbst, wenn es gerade weit weg scheint.



Tokio 2021
Die Olympischen Spiele sollen erst im Jahr 2021 stattfinden.   Foto: Eugene Hoshiko/AP/dpa

Doch nur Training. Schon wieder. Alleine, keine Zuschauer, kein Jubel, keine Medaillen, nur Schinderei. Tag für Tag für den großen Tag.

Für Olympia, das Sehnsuchtsziel fast aller Sportlerinnen und Sportler. Ab Samstag wollten sie in Tokio um Gold, Silber oder Bronze kämpfen. Dabei sein, wenn die Besten der Besten sich messen. Stattdessen doch nur Training.

Für manche bedeute es eine «unwahrscheinliche Härte, das tolle Niveau, das sie sich insbesondere in Ausdauersportarten ganz gezielt auf den Termin hin antrainiert hatten, im nächsten Jahr erneut entwickeln und abrufen zu können», betont Ulf Tippelt, Chef des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig.

Das Problem ist auch das, was Olympia vor allem ausmacht. Erfolge im Zeichen der Ringe machen Sportlerinnen und Sportler teils zu Superstars, mitunter unvergesslich und auch reich. Es ist der Sehnsuchtsort, den viele Sportler nur einmal in ihrer Karriere überhaupt erreichen.

Es ist das größte Sportspektakel der Welt - aber eben im Sommer wie im Winter nur alle vier Jahre. Nicht nur das Training wird penibel darauf abgestimmt, dass am Tag X die maximale Leistung abrufbar ist. Auch die Lebensplanung vieler Athletinnen und Athleten wird vom olympischen Zyklus bestimmt.

«Man muss sich vorstellen, dass man sein ganzes Leben auf ein Ziel ausrichtet», betont Hockey-Kapitän Tobias Hauke, für den Olympia 2020 der Abschluss seiner Karriere werden sollte. Gerade bei Olympia rücken die Hockey-Asse bei Erfolgen immer besonders in den Blickpunkt. Bekannt sind sie auch für ihre Feierqualitäten.

«Es war alles ausgelegt den Sommer 2020 abzuschließen mit einer Riesenparty», sagte der 32 Jahre alte Hamburger in einem Beitrag des Senders Sky Sport. Die Option auf die Spiele im nächsten Sommer will er sich aber offen halten. Es bedeutet aber auch: Erneut lange Vorbereitung, erneut viel Trainingsqual neben dem Beruf und der Familie.

«Eigentlich hätte ich meine Karriere am 5. August 2020 beendet», sagte Ringer Frank Stäbler der «Sport Bild»: «Ich hatte mein ganzes Leben darauf ausgelegt. Das Schicksal wollte aber eine Verlängerung», sagte der 31 alte dreimalige Weltmeister, der aber vor einer weiteren Herausforderung steht. Er muss von der gestrichenen Gewichtsklasse bis 75 Kilo bis Tokio auf 67 Kilo kommen. «Das ist eine Tortur, da ich kaum Körperfett habe - und es wird umso schwieriger, je älter ich werde.» Würde er im Geringsten an Olympia im kommenden Jahr zweifeln, würde er es nicht durchhalten.

«Ich kann es auch verstehen, wenn Leute sagen, sie wollen jetzt dieses Jahr nicht mehr dranhängen», sagte der Kapitän der deutschen Wasserballer, Julian Real. Sie müssen die Qualifikation erst noch schaffen. «Und wenn jetzt jemand sagt, meine Polizeiausbildung oder mein Referendariat fängt jetzt an, ich lasse das jetzt nicht noch ein Jahr schleifen, dann kann ich das auf jeden Fall verstehen», sagt der 30-jährige gebürtige Oberhausener von Waspo 98 Hannover in einem dpa-Gespräch.

Sie alle müssten darüber nachdenken, was nach dem Sport passiere, sagt Real. «Gerade in solchen Sportarten wie Wasserball oder anderen vermeintlichen Randsportarten.» An das, was wäre, wenn es auch 2021 nicht mit Olympia wegen der Coronavirus-Pandemie klappen würde und die Spiele komplett abgesagt würden, will keiner denken. «Dann wäre man im Endeffekt acht Jahre von der Bildfläche verschwunden», betont Real.

Es sei schwierig, als Leistungssportler Höchstleistung zu bringen, wenn das Ziel nicht da sei, betont Turn-Medaillenhoffnung Elisabeth Seitz. Auch ihr sei es schon passiert, dass sie ein bisschen diesen Kampfgeist verloren habe, erinnert sich die 26-Jährige in einem weiteren Sky-Sport-Beitrag an das Training der vergangenen Wochen.

Andererseits gibt es Athletinnen und Athleten, die mit Verletzungen gekämpft haben und diese nun auskurieren können. So wie Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul, der seine Saison abbrechen musste. Seit 2017 hat er eine Verletzung am Ellenbogen des Wurfarms. Er ließ sich operieren.

Ende August wäre Kaul womöglich bei den deutschen Mehrkampf-Meisterschaften in Vaterstetten angetreten. Stattdessen richtete er schon am Tag nach dem Eingriff den Blick erstmal wieder auf Olympia. Nach der Reha heißt es dann auch für den 22 Jahre alten König der Athleten: Training, Training, Training.

© dpa-infocom, dpa:200722-99-881973/2

Veröffentlicht am:
22. 07. 2020
13:17 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
22. 07. 2020
13:17 Uhr



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