Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Sport

Hoffen auf Fall X: Ackermann will bei Sprint Medaille

Seit dem Sieg von Rudi Altig 1966 wartet Deutschland auf einen Straßenrad-Weltmeister. Pascal Ackermann könnte laut Bundestrainer Jens Zemke die Nachfolge antreten. Dafür müsste das Rennen aber einen kuriosen Verlauf nehmen, denn die Klassikerstars sind im Vorteil.



Pascal Ackermann
Hofft auf eine Sprintentscheidung bei der WM in Yorkshire: Pascal Ackermann.   Foto: Bernd Thissen

Geht es nach den Experten, wäre Sprintstar Pascal Ackermann am besten daheim in der Pfalz geblieben. Zu schwer, zu lang, zu selektiv sei bei der Rad-WM in Yorkshire am Sonntag der Kurs im WM-Straßenrennen für einen reinen Sprinter wie den kräftigen Blondschopf.

Entmutigen lassen will sich der erfolgreichste deutsche Radprofi im Jahr 2019 davon nicht. «Der Kurs bietet viele Möglichkeiten, da kann eigentlich alles passieren, von Solosieg bis Sprint. Wenn es zu einem Sprint kommt und ich noch dabei bin, dann ist ganz klar eine Medaille das Ziel», sagte Ackermann der Deutschen Presse-Agentur.

So hofft die deutsche Mannschaft auch mangels Alternativen auf den unwahrscheinlichen Fall X. Ein Verzicht auf einen der schnellsten Männer im Peloton kam daher nicht in Frage. «Auch wenn die Chance auf einen Sprint sehr gering ist, ist das meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, Weltmeister zu werden. Diese Chance dürfen wir nicht verstreichen lassen», sagt Bundestrainer Jens Zemke.

285 Kilometer - eine Distanz, die Ackermann noch nie im Rennen gefahren ist - geht es durch die Hügellandschaft von Yorkshire. Eine Angelegenheit für die Klassikerspezialisten soll es sein. Maximilian Schachmann wäre prädestiniert gewesen, doch ein Handbruch bei der Tour de France und eine anschließende Grippe machten seinen Start hinfällig. Auch John Degenkolb wäre zu besseren Zeiten ein klarer Sieganwärter gewesen, doch der Ex-Roubaix-Champion wartet schon seit gut 32 Wochen auf einen Sieg. Nils Politt und Nikias Arndt könnten eine Rolle spielen. Echte Chancen auf die Nachfolge des letzten deutschen Weltmeisters Rudi Altig vor 53 Jahren hat aber wohl keiner.

Also doch Ackermann? Das nötige Selbstbewusstsein bringt der 25-Jährige jedenfalls mit. «Mit elf Saisonsiegen bin ich einer der erfolgreichsten Fahrer im Feld, und die Siege waren ja wirklich nicht bei kleinen Rennen», sagt der zweimalige Giro-Etappengewinner, der in diesem Jahr endgültig in der Weltspitze angekommen ist.

Und die Vergangenheit zeigt, dass die Prognosen nicht immer aufgehen. 2001 in Lissabon hatten im deutschen Team aufgrund des schweren Kurses alle auf Jan Ullrich gesetzt. Am Ende kam es doch zum Sprint und Erik Zabel verpasste knapp eine Medaille. Ein ähnlicher Verlauf - mit besserem Ausgang - wäre auch in diesem Jahr «das Traumszenario» für die deutsche Mannschaft, wie Degenkolb ergänzt. «Dann könnten wir unsere Stärken ausspielen.»

Die anderen Top-Nationen haben indes ihre Topsprinter daheim gelassen. Weder der zweimalige Tour-Etappensieger Caleb Ewan (Australien) noch Europameister Elia Viviani (Italien) oder Holland-Ass Dylan Groenewegen sind dabei. Die Favoriten sind vielmehr die altbekannten Klassiker-Stars aus dem Frühjahr, allen voran Sanremo-Sieger Julian Alaphilippe (Frankreich), Roubaix-Champion Philippe Gilbert (Belgien) oder der niederländische Cross-Weltmeister Mathieu van der Poel. Nicht zu vergessen der Slowake Peter Sagan, der Weltmeister von 2015 bis 2017.

Eine entscheidende Rolle wird dabei das Wetter spielen. «Ich finde es cool, wenn es regnet», sagt Degenkolb und fügt hinzu: «Uns als deutsche Mannschaft würde das schlechte Wetter in die Karten spielen.» Ob Regen hin oder her - die Zuschauer werden wohl trotzdem zahlreich an die Strecke pilgern, mit über einer halben Million Zuschauer wird am Wochenende gerechnet. «Ich glaube, es wird megageil. Ich bin in London 2012 und beim Tour-Start 2014 dort gefahren. Das war bombastisch. Nach Olympia hatten wir im Ziel einen Tinnitus wie nach einem Disco-Besuch. Das war eine Dauerbeschallung», sagt Degenkolb.

Veröffentlicht am:
27. 09. 2019
14:13 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundestrainer Deutsche Presseagentur Dylan Groenewegen Erik Zabel Europameister Jan Ullrich John Degenkolb Nikias Arndt Nils Politt Olympiade Pascal Ackermann Peter Sagan Philippe Gilbert Radweltmeisterschaften Rennen Rudi Altig Tour de France Weltmeister
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Pascal Ackermann

29.09.2019

Warten auf den Altig-Nachfolger

Geht das lange Warten auf den ersten deutschen Straßenrad-Weltmeister seit 1966 zu Ende? Die Chancen sind eher gering, dafür müsste es schon zu einem eher unwahrscheinlichen Massensprint kommen. Vorhergesagter Regen dürf... » mehr

John Degenkolb

26.09.2019

Degenkolb nicht mehr in der Chefrolle - Hoffen auf 2020

Das WM-Rennen in Yorkshire ist eigentlich wie maßgeschneidert für John Degenkolb. Doch der Klassikerspezialist wartet seit gut 32 Wochen auf einen Sieg. Auch wenn er nicht mehr alleiniger Kapitän ist, freut sich der Thür... » mehr

Titelverteidiger

04.07.2019

Tour im Zeichen des Gelben Trikots - neue Ära durch Bernal?

Erstmals seit Jahren verspricht der Kampf um das Gelbe Trikot wieder Spannung. Experten wie Eddy Merckx glauben gar an einen Generationenwechsel. Kolumbiens Youngster Bernal wird heiß gehandelt. Auch ein Deutscher hat di... » mehr

Chancenlos

29.09.2019

Pedersen neuer Straßenrad-Weltmeister - Deutsche ohne Chance

Auch 53 Jahre nach dem Sieg von Rudi Altig auf dem Nürburgring muss Deutschland weiter auf einen Straßenrad-Weltmeister warten. Ackermann steigt aus, auch für Degenkolb reicht es nicht. Der Sensationscoup im Regenrennen ... » mehr

Mitfavorit

27.09.2019

WM-Favoriten: Tour-Held, Serien-Champion oder Poulidor-Enkel

Seit dem Triumph von Rudi Altig 1966 wartet Deutschland bei der Straßenrad-WM auf einen Nachfolger. Auch in diesem Jahr werden Pascal Ackermann und John Degenkolb allenfalls Außenseiterchancen zugerechnet. In der Favorit... » mehr

Tony Martin

22.09.2019

Martin und Co. hoffen auf Medaille zum WM-Auftakt

Zum WM-Auftakt gibt es eine Premiere. Ein Mixed-Mannschaftszeitfahren wurde vom Weltverband neu ins Programm genommen. Aus deutscher Sicht womöglich eine gute Wahl, denn die Chancen auf eine Medaille sind in diesem Wettb... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Tödlicher Unfall bei Gleisenau Gleisenau

Tödlicher Unfall bei Gleisenau | 12.12.2019 Gleisenau
» 5 Bilder ansehen

Schwerer Unfall auf der B 303 Ebersdorf

Unfall auf der B 303 | 12.12.2019 Ebersdorf
» 16 Bilder ansehen

Brand in Kronach

Brand in Kronach | 12.12.2019 Kronach
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
27. 09. 2019
14:13 Uhr



^