Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Sport

«Hohes Gut»: Mehr Athleten-Meinungsfreiheit bei Olympia?

Im Weltsport ist eine Debatte über mehr politische Meinungsfreiheit von Athleten entbrannt. Auch bei Olympischen Spielen. Das Nationale Olympische Komitee der USA geht voran und will seine Regeln ändern. Auch die Athleten Deutschland sehen dringenden Handlungsbedarf.



In der Diskussion um die Möglichkeit von politischen Botschaften bei den Olympischen Spielen wie dem symbolischen Kniefall im Kampf gegen Rassismus hat Thomas Bach die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees ins Spiel gebracht.

Das Gremium solle Vorschläge machen, kündigte der IOC-Präsident auf einer Pressekonferenz nach einer Exekutivsitzung an. «Die IOC-Athletenkommission steht im Dialog mit ihren Kollegen und den Athleten aus der ganzen Welt, um herauszufinden, wie Athleten ihre Unterstützung auf würdige Weise zum Ausdruck bringen können.»

Er wolle den Konsultationen nicht vorgreifen und irgendwelche Anweisungen geben, ergänzte Bach und verwies darauf, dass das IOC laut Charta gegen jede Art von Diskriminierung eintritt. «Diese Prinzipien sind in unserer DNA. Wir leben diese Werte Tag für Tag», betonte Bach.

Ob das IOC an seinen Richtlinien gegen politische Zeichen und Aussagen festhält, wie vom «Daily Telegraph» berichtet, ließ Bach damit offen. Laut Regel 50 des IOC sind bei Olympia jegliche Demonstrationen sowie politische, religiöse oder rassistische Botschaften untersagt.

So kündigte das Nationale Olympische Komitee der USA (USOPC) an, seine eigenen Regeln überdenken und sich international für das Erlauben von politischen Botschaften seiner Sportler einsetzen zu wollen. Man werde eine von Athleten geführte Arbeitsgruppe einsetzen und die eigenen Regeln infrage stellen, die Hürden darstellten für den Fortschritt, «inklusive eures Rechts zu protestieren», hieß es in einem Schreiben des Verbandes an die US-Sportler. «Wir werden uns auch global für eine Veränderung einsetzen.» Eine dpa-Anfrage beim IOC zu diesem Thema blieb zunächst ohne Antwort.

Bei Athleten Deutschland stößt die US-Initiative auf positive Resonanz. «Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut», sagte Maximilian Klein, Beauftragter für internationale Sportpolitik der Vereinigung. «Von Athleten kann dabei eine gute Inspiration ausgehen.» Für die Regel 50 des IOC, die bei Olympia jegliche Demonstrationen sowie politische, religiöse oder rassistische Propaganda verbietet, habe es nie eine Legitimation gegeben.

«Was es auf jeden Fall geben muss, ist, dass ein Prozess losgeht, auf welche Werte man sich einigen kann und welche Grenzen man ziehen muss», betonte Klein. «Wir Athleten sehen uns als Personen des öffentlichen Lebens in der Verantwortung.» Ob das IOC mit den Athleten diese Diskussion führen wird, bezweifelt er angesichts des Disputs um die Regel 40. Das dadurch beschränkte Werbeverbot für Sportler bei Olympia wurde zwar gelockert, aber nicht aufgehoben. «Ein großer Wandel war nicht zu erkennen», so Klein.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund sieht die Zeit für eine Veränderung der rigiden Haltung zu politischen Äußerungen der doch akzeptierten mündigen Athleten für gekommen. «Grundsätzlich ist es immer wieder wichtig und auch notwendig, die Sinnhaftigkeit bestehender Regelwerke des autonomen Sports selbstkritisch zu hinterfragen», sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann am Mittwoch.

In der aktuellen Diskussion müsse aber man sehr präzise trennen zwischen politischen Statements und der Unterstützung von grundsätzlichen Zielen wie der Einhaltung der Menschenrechte, die in Verbandssatzungen oder der Olympischen Charta benannt würden. «Wenn Sportler für die dort aufgeführten Werte offen und deutlich eintreten, ist das aus unserer Sicht positiv und somit völlig anders zu bewerten, als wenn die Bühne des Sports zur Aussendung politischer Botschaften jedweder Art genutzt und teilweise auch missbraucht wird», erklärte Hörmann. In beiden Fällen brauche es «auch weiterhin klare Regeln, wann und wo Äußerungen Sinn machen und allseits zu akzeptieren sind.»

Die Sportausschussvorsitzende des Bundestages Dagmar Freitag begrüßt, dass das US-NOK - sicher auch unter dem Eindruck der Proteste um den rassistisch begründeten Tod von George Floyd - vorangehe und dem Ansinnen der Athleten Rechnung trage, sich entsprechend zu äußern. «Allerdings hat das IOC erst im Januar dieses Jahres in seinen Guidelines das Verbot jeglicher gesellschaftspolitischer Äußerungen oder Handlungen («taking a knee») unter Androhung von Sanktionen bekräftigt», sagte sie. «Aber die Zeiten sind im Juni 2020 noch mal andere als im Januar.» Der Sport betone stets seine bedeutende gesellschaftliche Funktion, aber damit gehe auch Verantwortung einher: «Diese müssen Athleten wahrnehmen können - und zwar ohne Angst vor Sanktionen durch Verbände.»

Veröffentlicht am:
10. 06. 2020
18:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Dagmar Freitag Debatten Demonstrationen Deutscher Bundestag Deutscher Olympischer Sportbund Diskussionen IOC-Präsidenten Internationales Olympisches Komitee Meinungsfreiheit Olympiade Propaganda Rassismus Sportler Sportlerinnen und Sportler Thomas Bach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Max Hartung

14.07.2020

«Unheimlich zäh»: Das quälende Bangen um die Tokio-Spiele

Finden die Tokio-Spiele 2021 im gleichen Format statt, ohne Zuschauer und überhaupt? Von der IOC-Session am 17. Juli rhoffen sich vor allem die Athleten Antworten auf viele Fragen. Die Ungewissheit nagt an ihnen. Aktiven... » mehr

Tokio 2021

22.07.2020

Orga-Chef: Tokio-Spiele in aktueller Lage nicht möglich

Der Präsident des Organisationskomitees hält eine Austragung der Olympischen Spiele 2021 in Tokio für ausgeschlossen, wenn die Ausmaße der Coronavirus-Pandemie sich bis dahin nicht wesentlich verbessern. » mehr

Ankunft des Feuers

20.03.2020

«Business as Usual»: Olympisches Feuer in Japan

Ungeachtet der Debatten um die Ausrichtung der Spiele im Sommer hält das IOC am traditionellen Ritual und den Tokio-Spielen fest. Das Olympische Feuer ist nun in Japan eingetroffen - kommt es auch in der Hauptstadt des L... » mehr

Tommie Smith

21.06.2020

Tommie Smith wartet auf Entschuldigung vom IOC

Seine bei der olympischen Siegerehrung in den Himmel gestreckte Faust ist eine der berühmtesten Szenen der Sport-Geschichte. Tommie Smith ist eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung und eine Stimme im Kampf gegen Rassismus. ... » mehr

Thomas Bach

vor 17 Stunden

IOC-Chef Bach: «Wir leben nicht in einem Raumschiff»

Thomas Bach will sich als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees angesichts der andauernden Corona-Krise nicht an den Spekulationen über die Olympischen Spiele 2021 in Tokio beteiligen. » mehr

Olympische Spiele

28.07.2020

Olympische Spiele der Zukunft werden digitaler

Digitaler, dezentraler und näher an den Menschen dran: Das Internationale Olympische Komitee sucht für die Sommer- und Winterspiele einen Weg in die Zukunft. Der Frankfurter Stadtplaner Stefan Klos hat für das IOC viele ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg Coburg

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg | Coburg
» 32 Bilder ansehen

Repatatur des Windrades bei Untermerzbach

Reparatur des Windrads bei Untermerzbach |
» 7 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
10. 06. 2020
18:41 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.