Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Sport

Mit Euphorie und Demut: Werder arbeitet am Relegation-Wunder

Neue Zuversicht statt Abstiegstrauer! Werder ist wieder da. Rund um den Club mit den meisten Erstligaspielen herrscht wieder Euphorie. Doch das kann auch gefährlich sein. Denn die Relegation hat ihre Tücken - auch wenn es nicht gegen den Nordrivalen Hamburger SV geht.



Greifbarer Klassenerhalt
Für Werder Bremen ist der Klassenerhalt auf einmal wieder greifbar nahe.   Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Für ein Wunder war Florian Kohfeldt das spektakuläre Bundesliga-Finale noch zu wenig. Außergewöhnlich aber war es allemal, was sich am letzten Spieltag rund um Werder Bremen abspielte.

Von den meisten längst abgeschrieben, retteten sich die Grün-Weißen am Samstag mit einer spektakulären Offensiv-Gala gegen den 1. FC Köln doch noch in die Relegation und vermieden vorerst den ersten Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus seit 40 Jahren.

In zwei Duellen gegen den 1. FC Heidenheim hat Werder nun die Chance, eine völlig verkorkste und aus dem Ruder gelaufene Saison doch noch zu einem versöhnlichen Ende zu bringen. Das Hinspiel findet am Donnerstag in Bremen statt, das Rückspiel vier Tage später in Heidenheim.

«Wunder wäre vielleicht noch etwas zu hoch gegriffen», sagte Kohfeldt nach dem 6:1 (3:0) gegen die lust- und leidenschaftslosen Kölner, das wegen der parallelen 0:3-Niederlage von Fortuna Düsseldorf bei Union Berlin zum Last-Minute-Sprung auf Platz 16 reichte. «Wenn wir es am Ende noch schaffen, dann würde ich es in der Kategorie einordnen», sagte der Trainer der Norddeutschen, die in ihrer Club-Geschichte schon für so manches Wunder von der Weser gesorgt haben.

Doch bis dahin sind es eben noch zwei Schritte und Kohfeldt war sofort nach dem Schlusspfiff bemüht, den Fokus auf die nun anstehende Saison-Verlängerung zu legen. Dort geht es nicht gegen den Nordrivalen Hamburger SV, sondern gegen Heidenheim. Im DFB-Pokal gewann Werder gegen Heidenheim Ende Oktober 2019 in der zweiten Runde problemlos mit 4:1. Dennoch warnte Kohfeldt: «Wir haben noch gar nichts erreicht. Die brutale Drucksituation bleibt bestehen», sagte der 37 Jahre alte Coach, der nach dem erst zweiten Heimsieg der Saison sofort in die Kabine geflüchtet war, um das zuvor Erlebte für sich zu verarbeiten.

Geschäftsführer Fußball, Frank Baumann, sieht Werder gegen das Überraschungsteam aus Baden-Württemberg «sicherlich in der Favoritenrolle». Der 44-Jährige stellte jedoch auch klar: «Allerdings gibt es für uns keinen Grund überheblich zu sein, denn Heidenheim hat alles in allem eine sehr gute Saison gespielt.»

Während der wegen der dramatischen sportlichen Talfahrt ebenfalls heftig in die Kritik geratene Werder-Coach Demut vor der schweren Aufgabe in der Relegation predigte, herrschte rund um das Bremer Weserstadion erstmals seit langer Zeit wieder Euphorie. Einige hundert Werder-Fans hatten sich nach dem nicht mehr für möglich gehaltenen Verlassen der direkten Abstiegsplätze vor der Arena am Osterdeich versammelt und feierten die Spieler, als sei das eigentlich ausgegeben Saisonziel Europa League erreicht worden.

Die Polizei musste anrücken und die Anhänger an die Abstandsregeln in Corona-Zeiten erinnern, insgesamt verlief aber alles im geordneten Rahmen, auch wenn sich der Club mit Blick auf das Hinspiel in der Relegation am Donnerstag zu einem Appell veranlasst sah. «Haltet weiterhin durch und vermeidet größere Menschenansammlungen. Wir schaffen das alles zusammen!», schrieb Werder bei Twitter.

Doch der Stimmungsumschwung rund um den Club könnte neben den zum Ende der Saison endlich größer werdenden personellen Möglichkeiten zum entscheidenden Faktor für Werder werden. Noch vor dem Spiel hatte rund um das Weserstadion Tristesse geherrscht, die aus dem Nichts kommende Tore-Show von Yuya Osako (22. Minute, 58.), Milot Rashica (27.), Niclas Füllkrug (29.), Davy Klaassen (55.) und Josh Sargent (68.) bei einem Gegentreffer von Dominick Drexler (62.) sorgte dann für große Euphorie.

Auch die Entscheidungsträger atmeten nach dem vorerst abgewendeten Abstieg erst einmal tief durch, mahnten aber zur Besonnenheit. «Wir sind selbstbewusst, aber auch vorsichtig, da wir in dieser Saison nach Erfolgen immer wieder Negativerlebnisse hatten. Die Situation bleibt schwierig. Es ist noch nichts erreicht», sagte Bremens Aufsichtsratsboss Bode am Sonntag in der TV-Sendung «Doppelpass» bei Sport1. «Wir sind immer noch mit einem Bein in der Zweiten Liga.»

Für den Fall des Abstiegs hatte Bode bereits für Sonntag den Beginn der Aufarbeitung angekündigt, in der es vor allem um die Zukunft von Kohfeldt, aber auch von Geschäftsführer Frank Baumann gehen sollte. Nun konnten die Bosse die kritische Analyse erst einmal aufschieben. Stattdessen stand die Vorbereitung auf die Relegation auf dem Programm.

«Wir müssen die Anspannung hoch halten und dürfen keinen Millimeter nachlassen», sagte Kohfeldt, der zudem noch auf die bemerkenswerten Orakel-Künste seiner Frau vertrauen kann. Die hatte das 6:1 als wohl einzige Person auf diesem Planeten in einer Nachricht an ihren Mann vorhergesagt. «Das hat sie gut gemacht», lobte Kohfeldt. «Ich hoffe, sie schreibt mir am Donnerstag und Montag wieder ein paar gute Zahlenverhältnisse.»

© dpa-infocom, dpa:200628-99-592204/4

Veröffentlicht am:
28. 06. 2020
18:20 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
1.FC Köln DFB-Pokal Fortuna Düsseldorf Frank Baumann Hamburger SV Polizei Sport1 (Germany) Twitter UEFA Europa League Union Berlin Werder Bremen Werder-Fans Weserstadion
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Florian Kohfeldt

26.06.2020

Werder vs. Fortuna: Nervenkrimi-Fernduell im Abstiegskampf

Werder hat es nicht mehr in der eigenen Hand. Selbst wenn mal wieder ein Sieg daheim gelingen sollte, bedeutet das nicht automatisch die Rettung. Dennoch versprüht der Trainer wieder Zuversicht. Wie es mit ihm weitergeht... » mehr

Werder-Coach

28.02.2020

Spielverlegung verärgert Werder: Schwere Terminsuche

Kein Bundesliga-Fußball am Sonntag in Bremen. Das Spiel Werder gegen Frankfurt wird verschoben, weil die Eintracht sonst zu wenig Pause hätte. In Bremen sorgt die DFL-Entscheidung für Ärger. Ein neuer Termin steht noch n... » mehr

Niederlage

08.06.2020

Werders letzte Hoffnung: Das Restprogramm und ein Rückkehrer

Das war es jetzt. So denken viele Fans von Werder Bremen nach dem 0:1 gegen den VfL Wolfsburg. Die letzte Hoffnung besteht nur noch darin, sich in die Relegation zu retten. Dabei helfen könnten ein vermeintlich lösbares ... » mehr

DFB-Pokal

11.09.2020

Weiter Weg nach Berlin: Pokal-Saison startet - ganz anders

Die neue Saison nimmt Fahrt auf. Am Wochenende wird wieder im DFB-Pokal gespielt. Aber nicht so, wie es Tausende Fans gewohnt sind. Durch die Corona-Pandemie müssen fast alle Amateurvereine auf Heimspiele verzichten. » mehr

Zuversichtlich

27.06.2020

Werder oder Fortuna? - Bayer oder Borussia?

Die Corona-Saison in der Fußball-Bundesliga steht vor ihrem Abschluss - und einem brisanten letzten Spieltag. Wer steigt neben dem SC Paderborn direkt ab? Wer rettet sich in die Relegation? Und auch der Kampf um internat... » mehr

Florian Kohfeldt

01.07.2020

Zwei Schritte bis zur Werder-Rettung: «Viel investiert»

Eigentlich war für diese Woche bereits die kritische Saison-Analyse geplant. Es sollte auch um die Zukunft von Coach Kohfeldt gehen. Doch durch ein weiteres «Wunder von der Weser» rettete sich Bremen in die Relegation. U... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Parking Day in Coburg

Parking Day in Coburg | 18.09.2020 Coburg
» 23 Bilder ansehen

Schaeffler Aktionstag in Eltmann Eltmann

Schaeffler Aktionstag in Eltmann | 16.09.2020 Eltmann
» 7 Bilder ansehen

WG: Totschlags-Prozess Coburg

Gerichtsprozess in Coburg | 14.09.2020 Coburg
» 16 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 06. 2020
18:20 Uhr



^