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Nagelsmann hofft auf «versüßten» Abschied mit Europa League

Am Sonntag wird Julian Nagelsmann im Trainingszentrum noch sein Büro ausräumen, dann ist der Erfolgstrainer der TSG Hoffenheim endgültig weg. In Mainz kann sich der 31-Jährige den Abschied noch versüßen.



Julian Nagelsmann
Zum letzten Mal auf der Trainerbank von 1899 Hoffenheim: Julian Nagelsmann.   Foto: Rolf Vennenbernd

Vom Trainer-Bubi und Baby-Mourinho zu einem der begehrtesten Fußballlehrer der Branche: Mit dem Saisonfinale beim FSV Mainz 05 geht für Julian Nagelsmann am Samstag (15.30 Uhr/Sky) die Ära TSG 1899 Hoffenheim zu Ende.

Wenn der 31 Jahre alte Senkrechtstarter die Kraichgauer erneut in die Champions League geführt hätte, hätten sie ihm wohl ein Denkmal gebaut. Zuletzt aber hat er einige Kratzer abbekommen - was ihm vielleicht bei seiner weiteren Karriere noch weiter voranbringt. «Der Abschied würde versüßt werden, wenn wir die Europa League erreichen. Es war eine unglaubliche Reise. Jetzt haben wir nochmal 90 Minuten, wo ich einen ordentlichen Job machen will», sagte Nagelsmann am Donnerstag.

Bei seiner nächsten Station RB Leipzig wird sich zeigen, ob er auch das Zeug für eine internationale Karriere hat. Dankbar blickte er zurück auf Februar 2016, als ihn die TSG auf den Chefsessel hievte. «Es war schon ein sehr, sehr großes Risiko, was aber gut ging. Wie - das weiß ich auch nicht mehr. Sonst wäre die Karriere wohl vorbei gewesen», sagte er.

Sein Abschied aus Hoffenheim ist emotional mit dem bitteren 0:1 gegen Werder Bremen und der anschließenden Party auf einem Neckarschiff am Samstagabend teilweise schon vollzogen. Über Leipzig will Nagelsmann noch nichts groß sagen, dennoch plauderte er am Donnerstag nochmal eine Stunde lang mit Medienvertretern. In seinen 39 Monaten als jüngster Bundesliga-Coach war der gebürtige Landsberger nie einer Frage ausgewichen. Mit seinem Sprachwitz, seinen Sprüchen und auch seinen anschaulichen taktischen Erläuterungen hat er die Liga bereichert - und natürlich auch mit seinen Offensivspektakeln.

Der schwache Saisonendspurt mit zuletzt nur einem Punkt aus drei Spielen, die vielen vergebenen Siege in dieser Spielzeit und nicht zuletzt die Kritik ausgerechnet von seinem Musterschüler Andrej Kramaric an seinen häufigen Systemwechseln haben Nagelsmann aber zu schaffen gemacht. Dass er sehr fordernd und anstrengend sein kann, wissen viele im Verein zu berichten. «Ich glaube, dass er seine Spieler auch jeden Tag nervt», sagte Leipzigs Macher Ralf Rangnick, sein künftiger Chef beim Bundesliga-Rivalen Leipzig.

Nagelsmanns Übungseinheiten sind für Außenstehende mitunter kaum zu durchschauen, für seine Profis richtig Stress. Die meisten Neuzugänge brauchen erstmal ein paar Monate, um sich da zurechtzufinden - blühen dann aber auf. Der «DFB-Trainer des Jahres» 2017 hat aus einst mittelmäßigen Erstliga-Profis wie Kerem Demirbay oder Nico Schulz Nationalspieler gemacht, Defensivspezialisten wie Benjamin Hübner oder Kevin Vogt auf ein ganz anderes Niveau gehoben oder Talente wie Niklas Süle und Nadiem Amiri zu überaus begehrten Profis geformt.

Nagelsmann riskierte gern viel, verzockte sich auch mal wie in einer seiner ersten Partien, als er beim VfB Stuttgart mit 1:5 unterlag und sich viel Spott anhören musste für den Zettel, den er auf dem Platz bei seinen Profis durchgeben ließ.

Wenn der Mountainbike-Fan und Familienvater - mit Ehefrau Verena hat Nagelsmann den vierjährigen Sohn Maximilian - die TSG am Samstag in die Europa League führt, kann er zufrieden gehen. In den wenigen Monaten seiner ersten Saison rettete er den Club vor dem Abstieg, in seiner zweiten führte er ihn in die Europa League, in seiner dritten in die Königsklasse. 191 Punkte in 115 Spielen - nur der FC Bayern und Dortmund holten in der Zeit mehr.

Im Kraichgau hinterlässt Nagelsmann seinem Nachfolger und früheren niederländischen Assistenten Alfred Schreuder ein schweres Erbe. «Wir bekommen einen Toptrainer. Ich hoffe, dass er bei uns noch eine Stufe draufpacken kann. Vielleicht spielen wir dann im europäischen Wettbewerb eine noch bessere Rolle», sagte Leipzigs Leistungsträger Yussuf Poulsen dem Sender Eurosport.

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dpa

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Veröffentlicht am:
16. 05. 2019
15:43 Uhr

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