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Politik legt vor: Clubs bereiten sich auf Fan-Rückkehr vor

Die Zeit der Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga ist vorbei - vorerst. Schon das Eröffnungsspiel des Triple-Sieger Bayern München gegen Schalke 04 soll vor Fans stattfinden. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sieht Vereine und Fans jetzt in der Pflicht.



Allianz Arena
Der FC Bayern München rechnet für das Eröffnungsspiel gegen Schalke mit bis zu 15.000 Zuschauern in der Allianz Arena.   Foto: Sven Hoppe/dpa » zu den Bildern

Nach der ersehnten Freigabe durch die Politik will die Fußball-Bundesliga im Eiltempo schon zum Saisonstart wieder tausende Zuschauer in die Stadien lassen.

Schon am Freitag (20.45 Uhr/ZDF und DAZN) sollen die Geisterspiele im Oberhaus endlich vorbei sein, die Eröffnungspartie des deutschen Meisters FC Bayern gegen den FC Schalke 04 soll vor Publikum stattfinden. 7500 Zuschauer werden zugelassen, wie Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nach einem Spitzengespräch von Staatsregierung, Stadt und Vereinsführung in München mitteilte.

Die Bundesländer hatten sich auf eine flächendeckende Fan-Rückkehr in die Stadien und Sporthallen geeinigt. «Wir wollen den Fans die Freude nicht nehmen. Aber die Sicherheit steht immer noch davor», sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

In einer sechswöchigen Testphase ist zunächst eine Auslastung von maximal 20 Prozent der jeweiligen Stadion- oder Hallenkapazität erlaubt. Für die Partie der Bayern gegen Schalke in der Allianz Arena wurde eine Auslastung von zehn Prozent vereinbart.

Auch Bayern-Titelrivale Borussia Dortmund plant in seinem ersten Bundesliga-Heimspiel am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach mit rund 10.000 Zuschauern. Das größte deutsche Stadion fasst 81.365 Zuschauer, darunter sind etwa 20.000 Stehplätze auf der Südtribüne. Der 1. FC Köln will gegen die TSG 1899 Hoffenheim 9200 Fans hereinlassen. Das Kölner Stadion bietet 50.000 Besuchern Platz, bei der Berechnung wurden aber nur die 46.000 Sitzplätze einbezogen.

Pech hat der VfL Wolfsburg. Er darf am Sonntag gegen Bayer Leverkusen nur für 500 Zuschauer öffnen. Der VfL hatte nach dem Länder-Beschluss gehofft, 6000 Plätze nutzen zu können. Damit dies möglich ist, hätte die Corona-Verordnung der niedersächsischen Landesregierung angepasst werden müssen. Das soll erst in der kommenden Woche geschehen.

Dagegen will die baden-württembergische Landesregierung ihre Verordnung noch in dieser Woche überarbeiten, dann könnte auch der VfB Stuttgart sein Heimspiel gegen den SC Freiburg vor mehr als den bislang erlaubten 500 Zuschauern austragen. RB Leipzig hatte schon vor der Entscheidung vom Dienstag mit 8500 Fans am Sonntag gegen Mainz 05 geplant.

Aus Hygienesicht hat die Münchner Allianz Arena räumlich und organisatorisch im Vergleich zu den meisten anderen Stadien beste Voraussetzungen dank moderner Infrastruktur mit vielen Zugängen zu den Tribünen, zahlreichen Parkflächen und der Lage direkt an einem Autobahnkreuz beste Ablaufmöglichkeiten, auch zur hauptsächlichen Anreise der Fans mit Autos und Reisebussen.

Ein Problem ist, dass sich derzeit viele Menschen in München mit dem Coronavirus anstecken. Der Inzidenzwert für sieben Tage pro 100.000 Einwohner lag bei 45,53, nach 40,09 am Dienstag. Bei einem Wert von mindestens 35 und einem nicht klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen erfolgt in der Regel keine Freigabe für Fans in Stadien. In den Landkreisen um München herum sind die Inzidenzwerte allerdings niedriger. Viele Bayern-Anhänger kommen aus Münchens Umland.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sieht die Vereine und ihre Fans in der Pflicht. «Die Politik bringt den Clubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga und ihren Fans, aber auch vielen anderen Sportarten, damit Vertrauen entgegen, das es nun durch alle Beteiligten zu rechtfertigen gilt», sagte der Chef der Deutschen Fußball Liga.

Ähnlich äußerte sich BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Man fühle «eine große Verpflichtung, dass wir als Clubs gemeinsam mit den beteiligten Fans mit dieser Probezeit in den kommenden Wochen äußerst verantwortungsvoll umgehen». Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) begrüßte die Neuregelung: «Für mich ist Sport ohne Publikum auf Dauer nicht vorstellbar, denn er prägt unsere Kultur.»

Auch der Deutsche Fußball-Bund will die nächsten Spiele der Nationalmannschaft wieder vor Fans absolvieren. Der DFB braucht für die Umsetzung aber die Zustimmung durch den europäischen Dachverband UEFA. Derzeit werden alle kontinentalen Wettbewerbsspiele wegen der Corona-Pandemie ohne Fans ausgetragen. Das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußballerinnen am Samstag in Essen gegen Irland muss deshalb noch ohne Fans auf den Tribünen stattfinden.

Die UEFA will das Supercup-Finale FC Bayern gegen FC Sevilla am 24. September in Budapest als Probelauf für die Rückkehr von Fans nutzen. Am 7. Oktober tritt das Team von Bundestrainer Joachim Löw in Köln zu einem Testspiel gegen die Türkei an. Danach spielt die Mannschaft in der Nations League am 10. Oktober in der Ukraine und am 13. Oktober wieder in Köln gegen die Schweiz.

Von der Entscheidung am Dienstag profitieren auch andere Profiligen in Deutschland, die wesentlich stärker als die Fußball-Bundesliga von Zuschauereinnahmen abhängig sind. Etwas enttäuscht hatte sich Gernot Tripcke von der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vor allem von der 20-Prozent-Regel gezeigt. «Nach den Gesprächen der letzten Woche hatten wir uns deutlich mehr Unterstützung in diesem für uns wirtschaftlich so existenziellen Bereich erhofft», meinte der DEL-Geschäftsführer.

Geschäftsführer Stefan Holz von der Basketball-Bundesliga war indes froh, betonte aber zugleich, dass seine Liga nur wenige Erkenntnisse zur sechswöchigen Testphase bis Ende Oktober beitragen könne, da der Ligabetrieb «erst am 6. November und damit nach der Testphase» beginnt.

Die Teil-Rückkehr von Zuschauern sei ein «kleiner Schritt zurück in die Lebenswirklichkeit», sagte Holz' Kollege Frank Bohmann von der Handball-Bundesliga. «Es wird uns die Möglichkeit wiedergegeben, unseren Sport zu betreiben», meinte der 55-Jährige. Wenn es noch ein halbes Jahr ohne Zuschauer gelaufen wäre, «hätte es definitiv keinen Handball, keinen Basketball, kein Eishockey mehr gegeben».

© dpa-infocom, dpa:200916-99-585559/6

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Veröffentlicht am:
16. 09. 2020
20:35 Uhr

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16. 09. 2020
20:35 Uhr



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