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Sport

Siegen für Micki: Europacup-Finale als politisches Statement

Ein normales Fußball-Spiel wäre es sowieso nicht geworden. Es ist ein Europa-League-Finale, und erstmals eines mit zwei Teams aus derselben Stadt. Doch inzwischen ist das Duell zwischen dem FC Chelsea und dem FC Arsenal mehr als ein Fußball-Spiel. Es geht um Politik.



Henrich Mchitarjan
Arsenals Henrich Mchitarjan ist wegen Sicherheitsbedenken nicht mit nach Aserbaidschan gereist.   Foto: Nick Potts/PA Wire

Siegen für Micki vor dem Fernseher: Wenn der FC Arsenal im Europa-League-Finale auf den FC Chelsea trifft, geht es um mehr als um Fußball und die Rivalität im ersten stadtinternen Endspiel der Europa-League-Geschichte.

Denn rund um das Spiel am Mittwoch (21.00 Uhr/RTL, Nitro und DAZN) ist ein politischer Disput entbrannt, das Geschehen auf dem Rasen in Baku wird somit zum politischen Statement.

Dass der Ex-Dortmunder Henrich Mchitarjan wegen Sicherheitsbedenken nicht mit nach Aserbaidschan reiste, ist für Arsenals deutschen Torhüter Bernd Leno schlicht «ein Skandal». Mitspieler, sogar Gegner und viele Polit-Kritiker geben ihm recht. Im Gegenzug wirft das Außenministerium der autoritär geführten Ex-Sowjetrepubllik am Kaspischen Meer Mchitarjan vor, seine Absage für politische Zwecke zu missbrauchen. Andere Athleten aus Armenien hätten ohne Probleme an Großveranstaltungen in Baku teilgenommen. Mchitarjan versicherte derweil: «Das ist ein Spiel, das man als Spieler nicht oft erlebt. Deshalb tut es sehr weh, dass ich nicht dabei sein kann.»

So oder so wird das sportliche Ergebnis am Ende im Lichte von Mchitarjans Fehlen betrachtet werden. Ganz nach dem Motto: Arsenal hat deswegen verloren. Oder trotzdem und mit Zusatz-Motivation gewonnen. «Unsere Mannschaft hat das natürlich im Hinterkopf: Wir wollen auch für Micki siegen», sagte Shkodran Mustafi, neben Leno und Mesut Özil einer von drei Deutschen bei Arsenal, dem «Kicker». Leno stellte deshalb im Fachblatt Baku als Ausrichter infrage: «Wenn die Voraussetzungen nicht gegeben sind und ein Spieler aus politischen Gründen nicht antreten kann, dann ist das nicht richtig.»

Vorwürfe an Mchitarjan, der schon zu Dortmunder Zeiten wegen des ungeklärten Konflikts beider Länder um die Region Berg-Karabach auf ein Europacup-Spiel verzichtete, gibt es aus der Mannschaft jedenfalls keine. «Seine Entscheidung ist völlig verständlich», sagte der Ex-Leverkusener Leno: «Für ihn tut es mir einfach nur leid, und es macht mich traurig.» Auch Chelsea-Trainer Maurizio Sarri zeigte Bedauern und Verständnis: «Ich hätte ihn gern auf dem Platz gesehen, aber in so einer Situation ist es die Entscheidung eines Mannes, nicht eines Spielers. Das kann man nur respektieren.»

Die Arsenal-Spieler hatten vor, sich geschlossen in Mchitarjan-

Trikots warm zu machen. Doch die UEFA erlaubt das nicht. Auch auf eine geplante Stellungnahme vor Ort wollen die Verantwortlichen laut «Daily Mail» verzichten, weil sie den Konflikt nicht schüren möchten. Der frühere Mönchengladbacher Granit Xhaka zeigte sich am Dienstag genervt davon, dass die politischen Diskussionen das Sportliche überlagern. «Wir haben in den letzten Tagen sehr viel über Micki gesprochen und über Politik. Jetzt wird es Zeit, wieder über Fußball zu sprechen», sagte er.

In sportlicher Hinsicht ist Chelsea leichter Favorit. Für Arsenal geht es aber um mehr als um den Titel. Als Fünfter verpassten die Gunners die Champions League. Ein Final-Sieg würde die nachträgliche Qualifikation für die Königsklasse bedeuten, die Chelsea als Dritter schon sicher hat. «Für uns geht es um zwei Erfolgserlebnisse», sagte Mustafi: «Daher sind wir doppelt motiviert.»

Das Treffen des deutschen Arsenal-Trios mit Nationalmannschafts-

Kollege Antonio Rüdiger fällt derweil aus. Der Chelsea-Abwehrspieler hat sich erst kürzlich einer Meniskus-Operation unterziehen müssen. In Sokratis, Pierre-Emerick Aubameyang (beide früher in Dortmund), Sead Kolasinac (Schalke) und Xhaka stehen aber auch ohne Mchitarjan auch noch vier Ex-Bundesliga-Profis im Arsenal-Kader. Und in Trainer Unai Emery einen echten Europa-League-Spezialisten auf der Bank: Der Baske, der im vergangenen Sommer nach 22 Jahren die Arsenal-Ikone Arsene Wenger ablöste, gewann den Pokal 2014, 2015 und 2016 dreimal in Folge mit dem FC Sevilla.

Und er steht am Mittwoch vor einem Dilemma. Denn Torhüter Petr Cech müsste aufgrund der in dieser Saison praktizierten Arbeitsteilung eigentlich den Vorzug vor Leno kriegen - zumal der 37-Jährige nach dem Spiel seine Karriere beendet. Doch der Tscheche spielte vor seinem Wechsel zu Arsenal 2015 elf Jahre für Chelsea und kehrt im Sommer möglicherweise als Sportdirektor dorthin zurück. Er habe sich nicht entschieden, aber eine mögliche Chelsea-Zukunft spiele dabei keine Rolle, sagte Emery: «Wie käme ich dazu, ihm nicht zu vertrauen. Ich vertraue ihm als Mensch und Profi. Er ist ein Gentleman.»

Sollte Emery Cech spielen lassen, sei das «ein Entlassungsgrund», sagte deshalb der frühere irische Nationalstürmer Tony Cascarino der «Times». Cech erklärte, dieses Finale zu spielen und zu gewinnen, sei sein «letzter Traum». Doch auch Leno meldet Ansprüche an. Cech habe «jegliche Anerkennung verdient, und ich gönne ihm alles», sagte der Nationaltorhüter. Es sei aber der «völlig falsche Zeitpunkt, um ein schlechtes Gewissen zu haben».

Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
16:43 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
16:43 Uhr



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