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Stevens fordert Neustart mit Schalke-Tugenden

Zurück in die Zukunft: «Jahrhunderttrainer» Stevens und «Eurofighter» Büskens müssen Schalke nach der Trennung von Tedesco schnell wieder in die Erfolgsspur bringen. Die Zeit drängt. Bis zum Spiel gegen Leipzig sind Motivations- und vertrauensbildende Maßnahmen gefragt.



Huub Stevens
Trainer Huub Stevens erhält einen Vertrag bei Schalke 04 bis zum Saisonende.   Foto: Ina Fassbender

Huub Stevens bleibt sich treu. Wie an seinem ersten Arbeitstag auf Schalke am 9. Oktober 1996 als damals unbekannter Trainer-Neuling erscheint der Niederländer auch zu seiner insgesamt dritten Mission bei seiner großen Liebe im blauen Pullover.

8193 Tage später ist sein Auftrag beim Fußball-Bundesligisten zwar ein anderer, aber die Grundsätze seines Handelns sind dieselben. «Alle sind gefordert, ganz Schalke ist gefordert, auch die Fans sind gefragt. Wir können es nur gemeinsam schaffen», betonte der 65 Jahre alte Niederländer in Gelsenkirchen. Und: «Ich appelliere daran, dass wir wieder eine Familie sind.»

Wie in seiner erfolgreichsten Ära gemeinsam mit dem damaligen Manager Rudi Assauer will Stevens dem taumelnden Team nun Leidenschaft, Kampf und Disziplin vermitteln, eben die «Schalker Tugenden», wie er es nennt. Viel Zeit bleibt nicht bis zur ersten Prüfung am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Heimspiel gegen RB Leipzig. «Es ist nicht einfach, die Mannschaft in einem Tag vorzubereiten», räumte Stevens ein. «Spaß, Vertrauen und Ansprache» seien akut die wichtigsten Attribute. «Ohne Spaß kannst du keine Leistung bringen», lautet das Credo des Nachfolgers des tags zuvor freigestellten Domenico Tedesco.

Gemeinsam mit Co-Trainer Mike Büskens, dem zum Teammanager aufgestiegenen Ex-Profi Gerald Asamoah und dem neuen Assistenzcoach und Video-Analysten Matthias Kreutzer soll der Absturz in die 2. Liga verhindert werden. «In dieser Konstellation werden wir die Saison bis zum Ende spielen», betonte Sportvorstand Jochen Schneider, der die Suche nach einem Sportdirektor und einem Technischen Direktor erst einmal hintenan stellte, weil es derzeit viel größere Probleme gibt: «Der Karren war so verfahren, dass wir ihn so nicht mehr rausziehen konnten. Die Situation ist prekärer als viele denken», begründete Schneider, warum die Clubführung nicht einmal mehr bis zur zweiwöchigen Länderspielpause nach dem Leipzig-Spiel warten wollte.

Tedesco sei man zu großem Dank verpflichtet, weil er von Anfang an und bis zuletzt «100 Prozent» für Schalke gegeben habe, sich zudem in der Vorsaison mit der Vizemeisterschaft und in dieser Spielzeit mit dem Erreichen des Achtelfinals der Königsklasse große Verdienste erworben habe, betonte Schneider. Daher sei die Trennung «extrem schwergefallen.»

Nach der fast beispiellosen sportlichen Talfahrt mit zuletzt fünf Pflichtspielpleiten, 21 Gegentoren und der 0:7-Schmach in der Champions League bei Manchester City als negativem Höhepunkt, braucht das spielerisch limitierte und in Teilen zerstrittene Team dringend neue Impulse, eine andere Ansprache und womöglich auch eine harte Hand.

«Jahrhunderttrainer» Stevens und der 50 Jahre alte «Eurofighter» Büskens, der Schalke bereits zweimal für einige Wochen als Interimscoach zum Saisonende (2008 und 2009) aus der Patsche half - wer sonst könnte in den verbleibenden neun Bundesliga-Spielen genügend Zähler holen, um angesichts des nur noch vier Punkte betragenden Vorsprungs auf den Relegationsrang 16 (VfB Stuttgart) den Abstieg zu verhindern?

Beide haben als UEFA-Cup-Sieger von 1997 eine gemeinsame und glorreiche Schalker Historie, kennen den Traditionsclub in- und auswendig und brauchen keine Anlaufzeit. Nur die aktuellen Spieler müssen sie so schnell wie möglich besser kennenlernen, um deren körperliche und mentale Verfassung ausloten zu können, betonte Stevens. Trotz einer Herz-Operation vor wenigen Monaten fühlt er sich fit für die Herkulesaufgabe. «Mir geht es gut. Und ich hoffe, dass es mir nach den drei Monaten immer noch gut geht.»

Büskens will Stevens, der seinen Posten als Aufsichtsratsmitglied bis Saisonende ruhen lässt, bei der heiklen Mission nach Kräften helfen. «Huub hat den Hut auf», sagte «Buyo», wie er von den Fans gerufen wird. Als Schalkes Interims-Cheftrainer in bisher 15 Bundesligaspielen hat Büskens übrigens den besten Punkteschnitt (2,67 pro Spiel) aller vergleichbaren königsblauen Übungsleiter eingefahren. Während er mit Schalke noch keine Überlegungen für die Zeit nach dem 30. Juni angestellt hat, ist für den eigentlich schon im Trainer-Ruhestand befindlichen Stevens dann definitiv Schluss. Die Frage, ob er sich für irgendeinen anderen notleidenden Club der Welt noch einmal auf die Trainerbank setzen würde, beantwortete er eindeutig mit einem «Nein» - Schalke ist und bleibt für ihn eine Herzenssache.

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dpa

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Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
16:01 Uhr

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