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Tennis-Trip mit Federer soll Zverevs Frust vertreiben

Der Südamerika-Trip mit Roger Federer soll Alexander Zverevs Kurzzeit-Frust über das Halbfinal-Aus bei der ATP-WM vertreiben. Für das Tennisjahr 2020 wagt der Hamburger eine interessante Prognose.



Alexander Zverev
Schaut positiv in die Zukunft nach dem Halbfinal-Aus in London: Alexander Zverev.   Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa » zu den Bildern

Bei der Frage nach seinem Gemütszustand lächelte Alexander Zverev etwas gequält. Als Titelverteidiger war Deutschlands bester Tennisprofi gerade eben im Halbfinale der ATP-WM ausgeschieden.

Die Aussicht auf «nur ein paar Tage Urlaub» und eine anstehende Augenoperation in New York trug auch nicht gerade zur Stimmungsaufhellung bei. Und so richtig war aus Zverevs Worten nicht herauszuhören, ob er sich nun auf diesen strapaziösen Südamerika-Trip mit Roger Federer freut oder ob es ihm nicht doch eher lästig ist und er es bevorzugt hätte, mal ein paar Tage einfach nichts zu tun.

Für Sonntagabend war der gemeinsame Flug von London nach Buenos Aires geplant. Beim Finale, das Federer-Bezwinger Stefanos Tsitsipas gegen Zverev-Bezwinger Dominic Thiem 6:7 (6:8), 6:2, 7:6 (7:4) gewann, blieben beide außen vor. Während seine deutschen Teamkollegen in der kommenden Woche beim Davis Cup in Madrid antreten, wollen Zverev und der ihm freundschaftlich verbundene Federer fünf Showmatches in Argentinien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Ecuador bestreiten.

Einerseits freue er sich sehr auf die Zeit mit dem 38 Jahre alten Schweizer und werde versuchen, «es so gut es geht zu genießen» und auch viel mit dem vierfachen Papa Federer «über seine Familie und seine Kinder» zu reden. Andererseits werde es aber sicher auch anstrengend, «fünf Spiele in sechs Tagen zu machen und nachts immer in ein anderes Land zu fliegen», wie es Zverev formulierte.

Exakt dieses «einerseits-andererseits» versinnbildlicht am Ende des offiziellen Parts des Tennisjahres am anschaulichsten die Saison 2019 des in Hamburg geborenen und in Monaco lebenden Alexander Zverev. Vermutlich kann sich der junge Mann selbst nicht mehr hören, wenn er in jeder Pressekonferenz davon spricht, dass sein Jahr «nicht schön», «ganz schön hart» oder «nicht gerade das beste für mich» war.

Zverev hat in den vergangenen Wochen und Monaten offen über den Rechtsstreit mit seinem Ex-Manager gesprochen, über den zwischenzeitlich angegriffenen Gesundheitszustand seines Vaters und Trainers Alexander senior oder auch über die Trennung von und die Kommunikationsstörung mit seinem Kurzzeit-Coach Ivan Lendl.

Einerseits hat Zverev angesichts all der Schwierigkeiten keinen Einbruch erlitten. Er ist am Ende des Jahres die Nummer sieben der Tennis-Welt, er hat sich erneut für das Turnier der Achter-Elite qualifiziert und ist dort weitergekommen als Rafael Nadal (den er in der Gruppenphase klar in zwei Sätzen bezwang) und Novak Djokovic.

Andererseits hat Zverev auch in diesem Jahr bei den Grand Slams enttäuscht: Achtelfinale bei den Australian Open und US Open, Viertelfinale bei den French Open, Erstrunden-Aus in Wimbledon. Er hat ein Turnier gewonnen (Genf) und stand in zwei Finals (Acapulco, Shanghai). Einerseits ist ein 5:7, 3:6 gegen Dominic Thiem im Halbfinale der ATP-WM ein klares Ergebnis und vor allem das Resultat vieler vergebener Chancen, andererseits konnte Zverev am Ende dieses Jahres nicht damit rechnen, überhaupt im Halbfinale zu stehen.

In der Abwägung aller Ereignisse zeigte sich Zverev jedenfalls «schon relativ froh, dass das Tennisjahr zu Ende ist». Nach dem Südamerika-Roadtrip unterzieht er sich voraussichtlich einer Augen-Operation in New York und nimmt nach einem Kurz-Urlaub dann schon wieder die Vorbereitung auf die neue Saison auf. Ende Dezember steht erneut mit Federer ein Freundschaftsspiel in China an. Der Wechsel zu Federer und der von dessen Manager Tony Godsick gegründeten Agentur Team8 im Herbst hat Zverev vieles erleichtert auf der Tour, bringt aber eben auch Verpflichtungen mit sich.

Auf 20 Grand-Slam-Titel wie Federer wird es Zverev nach menschlichem Ermessen nicht bringen - aber auch er weiß genau, dass die Währung öffentlicher Wertschätzung Siege bei den vier großen Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York sind. Es klang daher sowohl nach Überzeugung als auch nach Hoffnung, als er sagte: «Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass es nächstes Jahr einen neuen Grand-Slam-Sieger geben wird.» Zverev prognostizierte kühn ein Ende der Dominanz von Federer (38), Nadal (33) und Djokovic (32) und nannte neben den London-Finalisten vom Sonntagabend, Stefanos Tsitsipas (21) und Dominic Thiem (26), den Russen Daniil Medwedew (23) als Grand-Slam-Champion-Anwärter - und sich selbst.

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dpa

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Veröffentlicht am:
17. 11. 2019
22:13 Uhr

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17. 11. 2019
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