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Trainer-Legende Rudi Gutendorf mit 93 Jahren gestorben

Ghana, Nepal, Fidschi: Mit dem Fußball reiste Rudi Gutendorf um die Welt. Bis ins hohe Alter begeisterte sich der Trainer für den Sport, den er liebte. Mit 93 Jahren verstarb «Riegel-Rudi» am Freitag.



Trainer-Legende
Rudi Gutendorf wird im Guinness-Buch der Rekorde als Trainer mit den meisten internationalen Engagements aufgeführt.   Foto: Thomas Frey

Frankfurt/Main (dpa) - Fußball-Deutschland trauert um Rudi Gutendorf. Der Kult-Trainer mit eigenem Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde starb mit 93 Jahren im Beisein seiner Familie an Altersschwäche.

Dies bestätigte sein Sohn der Deutschen Presse-Agentur am späten Samstagabend. «Wir verlieren in ihm jemanden, der uns durch sein großes Herz und Positivität jeden Tag bereichert hat», hatte die Familie des Weltenbummlers zuvor in einer Mitteilung geschrieben.

Der Fußball war für Gutendorf bis zu seinem Tod am Freitagmorgen immer mehr als ein Job. Es war seine ganz große Leidenschaft - und brachte ihn um die Welt, bis nach Ghana, Iran, China und Fidschi. Bis vor zwei Jahren war für den Weltenbummler, der aufgrund seiner zahlreichen Trainerstellen von Rengsdorf bis Ruanda als Trainer mit den meisten internationalen Engagements im Guinness-Buch aufgeführt ist, noch nicht Schluss.

In seiner Heimat in Koblenz trainierte der Coach noch einmal eine Flüchtlingsmannschaft. «Der Ball fasziniert mich einfach. Er lässt sich nicht betrügen. Manchmal ist er launisch, ein richtiger Sauhund», sagte Gutendorf vor zwei Jahren dem Fußball-Magazin «Socrates», «aber mit ihm ist mir nie langweilig geworden, nie hatte ich die Schnauze voll vom Fußball.» Er habe sein ganzes Leben «nichts anderes gemacht», betonte er einmal. Für seine Verdienste bei Jobs in Amerika, Afrika, Asien, Ozeanien und Europa erhielt Gutendorf auch zwei Bundesverdienstkreuze.

«Mit dem Fußball um die Welt» nannte Gutendorf daher auch sein Buch, das er im Jahr 2002 veröffentlichte - unmittelbar bevor er noch einmal die Nationalmannschaft von Samoa übernahm. Als Spieler schaffte er es bis in die Oberliga, bekannt wurde er aber als Trainer - und erwarb sich bei den Nationalverbänden kleinerer Länder einen guten Ruf. Vor Samoa betreute der Trainer unter anderem die Nationalteams aus Bermuda, Botswana, Grenada, Nepal sowie Trinidad und Tobago. Der frühere Weltverbands-Präsident Joseph Blatter nannte Gutendorf einst anerkennend «Fußball-Aufbauhelfer».

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und frühere Clubs von Gutendorf bekundeten am Sonntag ihr Beileid. DFB-Vizepräsident Rainer Koch sagte: «Rudi Gutendorf war weltweit ein herausragender Botschafter des deutschen Fußballs, was er für das Ansehen des deutschen Trainerwesens in mehr als 30 Ländern auf fünf Kontinenten geleistet hat, ist einzigartig.» Als «Riegel-Rudi» habe er auch «ein Stück Bundesliga-Geschichte» geschrieben, fügte Koch an. 

Mit diesem Spitznamen hatte der Coach dem MSV Duisburg mit seinem Defensivfußball in der ersten Bundesliga-Saison 1963/1964 die Vize-Meisterschaft beschert. Weitere Stationen in der höchsten deutschen Spielklasse vom VfB Stuttgart über Schalke 04, Kickers Offenbach, Tennis Borussia Berlin und den Hamburger SV folgten.

Der rastlose Fußball-Reisende hatte offenbar nie genug. Mit 85 Jahren bot er sich dem MSV Duisburg gar als Trainer in der 2. Bundesliga an - sein Angebot wurde aber abgewiesen. Auch als Ratgeber trat der Trainer-Routinier weiter auf und nahm dabei keine Rücksicht auf dekorierte Coaches der heutigen Zeit. So rügte er den ehemaligen Bayern-Coach Pep Guardiola für dessen ständige Rotationen und bescheinigte ihm, er habe beim Champions-League-Aus gegen Real Madrid 2014 «ganz große Scheiße gebaut».

Mit einer WM-Teilnahme als Trainer hat es trotz einiger Versuche nie sein sollen. Als Chile-Coach war Gutendorf auf dem Weg zum WM-Ticket 1974 und damit zum größten Erfolg seiner Laufbahn als Coach. Wegen des Militärputsches in dem südamerikanischen Staat musste der Koblenzer das Land verlassen, er sprach später von «Todesangst» und sagte dem Magazin «11 Freunde»: «Zweimal in meinem Leben stand ich knapp davor, eine WM zu erreichen, aber es blieb mir immer verwehrt. In Chile wegen der Politik und in Afrika aufgrund der Raffgier.»

Gutendorf meinte das Jahr 1982, als er ein Angebot hatte, Kamerun bei der Weltmeisterschaft zu betreuen. Seine Zusage wollte er per Post aus Tansania schicken, wo der Weltenbummler gerade tätig war. Doch der Postbote habe «die 72 Dollar selbst eingesteckt», wie Gutendorf im Nachhinein erzählte. So blieb die Zusammenarbeit aus.

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dpa

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Veröffentlicht am:
15. 09. 2019
12:31 Uhr

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15. 09. 2019
12:31 Uhr



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