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Vor Klosterhalfens WM-Start: Cheftrainer Salazar gesperrt

Konstanze Klosterhalfen gilt als das größte Talent der deutschen Leichtathletik. Ausgerechnet bei der WM in Doha wird die Langstreckenläuferin nun eingeholt - von der Doping-Sperre ihres Cheftrainers im Nike Oregon Projekt in den USA.



Alberto Salazar
Alberto Salazar ist der Cheftrainer des Nike Oregon Projects.   Foto: Steve Dykes/epa/dpa

Schock vor dem Start - das Doping-Thema hat die deutsche WM-Hoffnung Konstanze Klosterhalfen absolut zur Unzeit erwischt: Einen Tag vor ihrem ersten Rennen in Doha sah sich die Läuferin mit einer vierjährigen Sperre des umstrittenen Trainers Alberto Salazar konfrontiert.

Die 22-Jährige war im vergangenen Herbst nach Portland in die USA umgesiedelt, wo sie bei Salazars Nike Oregon Project trainiert. Klosterhalfen wird nach eigenen Angaben von dessen Assistent Pete Julian betreut. Salazar wurde nun wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt, teilte die amerikanische Anti-Doping-Agentur (USADA) mit.

«Wenn man die genaue Faktenlage kennt, werden wir sicher das Gespräch mit der Athletin und ihrem Betreuerteam suchen, um abzustimmen, wie zukünftig das Trainingsumfeld sein wird», sagte Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), der Deutschen Presse-Agentur. «Das kam in dieser Heftigkeit überraschend, obwohl es immer wieder Vorwürfe und Gerüchte gab.» Dass man Salazar mitten in der WM so massiv aus dem Verkehr zieht, sei «dramaturgisch gut gemacht».

Klosterhalfens Management reagierte «überrascht und ein Stück weit geschockt» auf die Nachricht aus den USA. «Aber es ändert ja an der Situation nichts: Konstanze ist entschieden gegen jegliche Art von verbotenen Substanzen. Sie ist nie damit in Berührung gekommen», sagte ihr Manager Dany Biegler. Pete Julian «ist und bleibt» beim Oregon Project ihr Trainer.

Die Ermittlungen gegen Salazar liefen vier Jahre lang. Wegen ihres Wechsels in dessen Camp hatte Klosterhalfen in den vergangenen Monaten immer wieder kritische Fragen beantworten müssen. Die Leverkusenerin machte in diesem Jahr einen enormen Leistungssprung: Sie stellte in der Halle und im Freien insgesamt sechs deutsche Rekorde auf.

«Bei ihrer Arbeit für das Nike Oregon Project haben Herr Salazar und Dr. Brown demonstriert, dass Gewinnen wichtiger war als die Gesundheit und das Wohlergehen der Athleten, denen sie ihren Schutz versprochen hatten», sagte USADA-Chef Travis Tygart in einer Mitteilung. Der Mediziner Jeffrey Brown wurde von einem amerikanischen Schiedsgericht ebenfalls für vier Jahre gesperrt.

Die Hauptvorwürfe der Behörde gegen Salazar sind: Anwendung von verbotenen Infusionen, Besitz und illegaler Handel mit Testosteron und die Vertuschung von Daten im Zusammenhang mit Doping-Kontrollen. Der Weltverband IAAF teilte mit, dass Salazars Akkreditierung auf Bitte des US-Verbandes «deaktiviert» worden sei.

Salazar schrieb auf der Homepage des Projekts, er sei geschockt. «Das Oregon Project hat Doping nie erlaubt und wird Doping nie erlauben.» Die Vorwürfe seien «komplett falsch». Er werde gegen die Entscheidung in Berufung gehen, kündigte der 61-jährige an. Ein Nike-Sprecher kündigte an, man werde Salazar dabei unterstützen. «Nike dulde die Anwendung verbotener Substanzen in keiner Weise», bekräftigte das Unternehmen.

Der frühere Marathonläufer Salazar trainierte bis 2017 den vierfachen Olympiasieger und sechsfachen Weltmeister Mo Farah - und der Brite hat dazu eine unmissverständliche Meinung: Es könne «keine Toleranz für irgendjemanden geben, der die Regeln bricht oder eine Linie überschreitet».

US-Läuferin Kara Goucher warf Salazar vor, sie zur Einnahme des Schilddrüsenhormons Thyroxin gedrängt zu haben, das nicht auf der Doping-Liste steht. Und nach Angaben von Trainer Steve Magness soll Salazar im Besitz von Testosteron gewesen sein. «Die Athleten haben in diesen Fällen großen Mut bewiesen und letztendlich die Wahrheit ans Tageslicht gebracht», sagte Tygart.

Nach dpa-Informationen hat sich Klosterhalfen in Doha für einen Start über 5000 Meter entschieden. Die Leverkusenerin hatte bis zuletzt offen gelassen, ob sie über 1500 Meter oder auf der längeren Distanz antritt. Der Vorlauf steht am Mittwoch an, der Endlauf am Samstag.

Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel hat unterdessen Konsequenzen aus dem Fall gefordert. «Trainingszentren wie in Oregon werden in Zukunft im Fokus stehen müssen», sagte er. Die niederländische 10 000-Meter- Weltmeisterin Sifan Hassan, die ebenfalls im Oregon-Projekt trainiert, soll nach Medienangaben über 1500 Meter antreten. «Ich möchte darauf hinweisen, dass sich diese Untersuchung auf die Zeit vor meinem Beitritt zum Oregon-Projekt konzentriert und daher in keiner Beziehung zu mir steht», teilte sie mit.

Klosterhalfen hatte immer wieder betont, wie professionell die Trainingsbedingungen in Portland seien. Ihr Berater Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer beim Fußball-Bundesligisten RB Leipzig und selbst einst Langstreckenläufer, hatte am Rande der Hallen-EM im März in Birmingham erklärt, «gar keine Bedenken» wegen Salazar zu haben: «Die Voraussetzungen in den USA, die sind schon einmalig.»

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dpa

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01. 10. 2019
16:43 Uhr

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01. 10. 2019
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