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«Wichtigster Mann»: Flick schwärmt von ausgeruhtem Müller

Rund um die mäßigen Länderspiele Anfang Oktober wurde Bundestrainer Joachim Löw mehrfach nach einem möglichen Comeback von Thomas Müller befragt. Für den Bundestrainer ist das derzeit kein Thema. Doch Müllers Leistungen befeuern die Diskussionen immer weiter.



Thomas Müller
Hatte auch in Bielefeld wieder einen starken Tag: Bayern-Urgestein Thomas Müller.   Foto: Martin Meissner/AP-Pool/dpa

Für Joachim Löw verzichtbar, für Hansi Flick unersetzlich: Eigentlich sind sich der Bundestrainer und sein langjähriger Co-Trainer in den meisten Fußball-Fragen einig.

Dass Löw eine Rückkehr von Thomas Müller in die Nationalelf aber weiter ausschließt, erweist sich für den Bayern-Trainer derzeit aber fast schon als Glücksfall. Im Mammutprogramm vor dem Start der Champions League kürte Flick den ausgeruhten Ex-Weltmeister zum Schlüssel für den Erfolg der Münchner.

Als er nach dem 4:1 (3:0) bei Arminia Bielefeld zu Lobeshymnen für Robert Lewandowski aufgefordert wurde, schlug Flick in jedem Interview schnell den verbalen Haken zum anderen Doppel-Torschützen. «Ihn muss ich herausheben», sagte Flick über Müller. «Er tut uns sehr gut.»

Die körperlichen Reserven, die sein ehemaliger Chef Löw dem 31-Jährigen durch die Pause in den Länderspiel-Wochen lässt, nutzt Flick deshalb gerne aus. Obwohl Müller als einziger Stammspieler aus der Offensive keine 48 Stunden vorher im Pokal gegen Düren (3:0) eine Stunde auf dem Platz gestanden hatte, spielte er in Bielefeld durch. Und wird so vor dem ersten Königsklassen-Spiel des Titelverteidigers am Mittwoch gegen Atlético Madrid zum Dauerbrenner, der in der Länderspielpause ein paar freie Tage von Flick bekam.

«Ich hätte ihn eigentlich rausnehmen müssen, aber er war neben Lewy unser wichtigster Mann», sagte Flick und hörte mit dem Schwärmen gar nicht mehr auf: «Es ist klasse, wie er die Räume sieht. Wie er das Spiel verlagert. Nach der Roten Karte wusste er, wie man das Zentrum im Mittelfeld verteidigt. Er war immer anspielbar und macht vieles geschickt.»

Solch einen Spieler könnte die Nationalmannschaft nach zuletzt drei holprigen Länderspielen in einer Woche sicher auch gebrauchen. Und Müller, der neben seinen beiden Toren auch noch als erster Spieler seit Beginn der Daten-Erfassung sein 150. Tor vorbereitete, hätte offenbar auch immer noch Lust auf das Nationalteam.

«Hoffentlich findet die EM nächstes Jahr statt», sagte er im ZDF schmunzelnd und zunächst ausweichend auf die Frage nach seiner Hoffnung auf eine Nominierung für die Euro im Sommer 2021. Er erinnere sich noch «an die Zeit zurück - lang ist's her - als ich Nationalspieler war», sagte Müller: «Über alles andere wurde viel geredet. Das lassen wir schön ruhig angehen. Aber dass ich mich in guter Verfassung befinde, sieht jeder.» Sicher auch Löw.

Das kongeniale Duo Müller und Lewandowski, das sich in Bielefeld auch noch Tore gegenseitig vorbereitete, ist für den Champions-League-Sieger auch deshalb so wichtig, weil die Münchner Defensive aktuell ein brüchiges Gebilde ist. Selbst Arminia-Trainer Uwe Neuhaus, der ansonsten in den höchsten Tönen vom Gegner schwärmte, erklärte, «dass die Bayern uns hinten große Räume geboten haben». Mehr als die acht Gegentore nach vier Spielen kassierten bis Samstag nur drei der 18 Bundesligisten.

«Klar können wir besser verteidigen», sagte Flick, der nach dem Gegentor durch Ritsu Doan (59.) und der «blöden Roten Karte» gegen Corentin Tolisso (76.) nach Notbremse und vorherigem Katastrophen-Rückpass von Javi Martínez wutentbrannt seine Jacke wegwarf. «Mir war es zu warm», antwortete der 55-Jährige auf die Frage nach dem «Warum» mit einem gequälten Lächeln.

Doch mehr als beim mühsamen 4:3 gegen Hertha BSC und im Gegensatz zum 1:4 in Hoffenheim überwogen die offensiven Qualitäten diesmal die defensiven Unzulänglichkeiten. Dank Lewandowski, der nun gegen alle 18 aktuellen Bundesligisten getroffen hat und mit sieben Toren die Torjägerliste anführt. Und eben dank Müller. «Jo Kimmich hat vor dem Spiel in unseren Chat geschrieben, dass wir gefräßig sein sollen», erzählte dieser von einer Nachricht des Nationalspielers, der wegen der Geburt seines zweiten Kindes in Bielefeld fehlte. Gefräßig waren die Münchner in Bielefeld. Vor allem Müller selbst. Dessen Gier würde wohl auch wieder für zwei Mannschaften reichen.

© dpa-infocom, dpa:201018-99-986506/2

Veröffentlicht am:
18. 10. 2020
12:11 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 10. 2020
12:11 Uhr



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