Coburg Stadtrat einstimmig für Klinikneubau

Der älteste Teil des Coburger Krankenhauses stammt auf dem 19. Jahrhundert. Im kommenden Jahr wird sich entscheiden, ob die Klinik auf die Lauerer Höhe zieht. Quelle: Unbekannt

In Coburg soll ein neues Krankenhaus gebaut werden. Eine Generalsanierung des heutigen Gebäudes findet keinen Befürworter.

Coburg - Nach dem Kreistag hat sich auch der Stadtrat von Coburg einstimmig für den Neubau eines Krankenhauses entschieden. Des soll auf dem Gelände des ehemaligen Bundesgrenzschutz-Standorts an der Von-Gruner-Straße in der Coburger Nordstadt entstehen. In unmittelbarer Nähe findet sich die Zufahrt zur Autobahn A 73.

Die Beschlüsse von Kreistag und Stadtrat haben allerdings lediglich empfehlenden Charakter. Die endgültige Entscheidung über einen Neubau oder die Generalsanierung des bestehenden Krankenhauses in der Ketschendorfer Straße liegt bei der bayerischen Staatsregierung.

In der Stadtratssitzung am Donnerstag im Kongresshaus Rosengarten gab es niemanden, der sich gegen einen Neubau aussprach. Aus allen Fraktionen und Wählergruppen kam eindeutige Zustimmung für das Projekt, eine Generalsanierung fand keinen einzigen Befürworter. Sie sei, wie alle Rednerinnen und Redner betonten, im Vergleich zum Neubau auf einen Zeitraum von 30 Jahren gerechnet unwirtschaftlicher sowie eine nicht akzeptable Zumutung für Patienten, die rund 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik sowie die Bewohner der Coburger Südstadt. Norbert Tessmer, Vorsitzender der SPD-Fraktion, bemühte dazu ein Bild: Kein Anwohner werde es hinnehmen, dass über fast 20 Jahre Bauzeit hinweg Betonmischer durch die Hans-Berger-Straße fahren.

Wie schon im Kreistag in der vergangenen Woche (Neue Presse vom 17. Juli), stellten Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke, Regiomed-Finanzbereichsleiter Sebastian Knoch und Andreas Wasner vom gleichnamigen Büro für Projektentwicklung, Strategie- und Baumanagement den Vergleich zwischen der Generalsanierung und dem Neubau vor. Dessen Gesamtkosten gibt das Büro Wasner - Stand Juli 2020 - mit 493,7 Millionen Euro an. Eine Generalsanierung des bestehenden Hauses würde den Berechnungen zufolge 429,5 Millionen Euro kosten, die Bauzeit, die in mehrere Abschnitte aufgeteilt werden müsste, sich bis 2035 hinziehen. Ein Neubau könnte dagegen im besten Fall 2029 in Betrieb gehen, und er sei, gerechnet auf eine Nutzungsdauer von 30 Jahren, wesentlich wirtschaftlicher.

Eigentümer des Krankenhauses Coburg ist ein Zweckverband, den die Stadt und der Landkreis bilden. Sie müssen zusammen rund 100 Millionen Euro für einen Neubau aufbringen. Die Klinikum Coburg GmbH muss ebenfalls 100 Millionen Euro beisteuern. Etwa 300 Millionen Euro werden vom Freistaat Bayern erwartet. Der Landkreis hält rund 60 Prozent am Krankenhauszweckverband, die Stadt etwa 40 Prozent. Betreiber der Klinik ist der bayerisch-thüringische Klinikverbund Regiomed, der an Bauinvestitionen jedoch nicht beteiligt ist.

Der Neubau soll nach Abstimmung mit dem Freistaat Bayern 630 Betten umfassen. Dies bedeutet, dass das Krankenhaus in Neustadt aus der Akutversorgung herausgenommen wird. Im Kreistag hatte Regiomed-Geschäftsführer Schmidtke davon gesprochen, dass man sich Nachnutzungsmöglichkeiten für das Haus im Neustadter Seilersgründlein vorstellen könne, ging am Donnerstag im Stadtrat aber nicht darauf ein.

Schmidtke sagte, man erhoffe sich spätestens im November dieses Jahres eine klare Aussage des bayerischen Gesundheitsministeriums, ob für Coburg ein Klinikneubau geplant werden kann. Bis in das vergangene Jahr hinein hatte die Staatsregierung noch die Generalsanierung bevorzugt, worauf der SPD-Fraktionsvorsitzende und frühere Oberbürgermeister Norbert Tessmer hinwies.

Der Regiomed-Geschäftsführer gab auch im Stadtrat das Ziel aus, den Antrag für die Aufnahme des Projekts in den bayerischen Krankenhausbedarfsplan am 31. Dezember 2020 zu stellen. Das sei ambitioniert, aber machbar. Und: Ein Krankenhausneubau, zu dem der Freistaat 300 Millionen Euro beisteuern soll, sei auch für Bayern ein Kraftakt.

Alexander Schmidtke betonte zudem, dass es beim Coburger Krankenhaus nicht nur um ein Bauprojekt gehe, sondern vor allem um die künftige medizinische Versorgung der Bevölkerung. Es sei "sehr viel wert, wenn man eine moderne medizinische Versorgung hat". Ein Neubau habe dabei große Vorteile gegenüber einer Generalsanierung: Er biete bessere medizinische Möglichkeiten als ein altes Haus, sei wirtschaftlicher zu betreiben und ein wichtiger Standortfaktor.

Wie schon im Kreistag verwies Schmidtke darauf, dass in den vergangenen Jahren Patienten dem Coburger Krankenhaus den Rücken gekehrt haben und sich in anderen Kliniken haben behandeln lassen. Der Regiomed-Hauptgeschäftsführer sei überzeugt davon, dass sich mit einem modernen medizinischen Konzept in einem modernen Krankenhaus verlorene Patienten wieder zurückgewinnen lassen.

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