Hohe Stromkosten Düstere Zeiten für die Stadt Ebern

Sollen Laternen die ganze Nacht leuchten oder könnte man durch stundenweise Abschaltung Energie sparen? Damit beschäftigt sich nun auch die Stadt Ebern? Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Ebern droht eine Verdreifachung des Strompreises – Energiesparen heißt das Gebot der Stunde. Eine Möglichkeit liegt in der Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung. Doch diese Möglichkeit hat nicht nur Befürworter.

Es sind einleuchtende Argumente: Nicht nur Privathaushalte, Betriebe und Einrichtungen haben mit einer saftigen Strompreiserhöhung zu kämpfen, auch die Kommunen trifft es hart. Der Bayerische Gemeindetag, der derzeit im Auftrag vieler Kommunen im Freistaat eine sogenannte Strombündelausschreibung durchführt, rechnet mit einer knappen Verdreifachung der Strom-Einkaufspreise für Städte und Gemeinden. Kein Wunder, dass auch die Kommunen angehalten sind, Strom zu sparen, wo es nur geht. In einem Schreiben rät nun der Bayerische Gemeindetag den Kommunen zur Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung – ein Thema, das auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) seinen Stadträten ans Herz legt.

Ebern hat mit der Umrüstung seiner Straßenlampen auf LED-Leuchten – bei den Peitschenleuchten wurden die Leuchtmittel auf LED umgestellt und von zwei auf eines reduziert – bereits enorme Stromersparnisse verzeichnen können. So notierte die Stadt im Jahr 2018 noch einen Jahresverbrauch von 496 271 Kilowattstunden, im Jahr 2020 sind es nur noch 178 020 – eine Einsparung von 64,2 Prozent. Umgerechnet spart man so glatt den Strom für rund 90 Haushalte; die Anschaffungskosten haben sich damit in den zwei Jahren bereits amortisiert. Am Donnerstag beschloss der Stadtrat die Umrüstung weiterer 194 Brennstellen auf LED durch das Bayernwerk, wofür rund 110 000 Euro fällig werden. Trotz Haushaltüberschreitung – die Kosten waren bisher nicht eingeplant – stimmte das Gremium zu: Schließlich sollen so weitere 40 000 Kilowattstunden pro Jahr eingespart werden.

Die Außenbeleuchtung für Stadtpfarrkirche und Grauturm wurde bereits auf LED umgestellt; auch das Rathaus wird noch umgerüstet. Die Beleuchtung ist derzeit aber schon abgeschaltet. Die künftigen Stromkosten hängen wie ein Damoklesschwert über den kommunalen Haushalten. Denn auch wenn die Stadt Ebern, wie die meisten Kommunen im Bayern, bei der Strombündelausschreibung dabei ist und so dank starker Nachfrage in der Regel von günstigeren Preisen profitieren kann, werden die aktuellen 20 Cent nicht zu halten sein. Man rechne künftig mit rund 60 Cent, so Bürgermeister Jürgen Hennemann. Und: „Wenn sich im Verbrauch nichts ändert, werden die Kommunen ein Riesenproblem bekommen.“

Ein erster Schritt wäre auch für das Eberner Stadtoberhaupt die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet, die am vergangenen Donnerstag im Eberner Stadtrat diskutiert wurde. Das Wichtigste im Überblick:

1. Keine Beleuchtungspflicht

Die Kommunen sind nicht verpflichtet, ihre Laternen nachts leuchten zu lassen. Dies sei durch den Gemeindetag abgesichert und über die Kommunale Unfallversicherung geprüft. „Wir sind völlig frei, wann wir abschalten“, so Jürgen Hennemann: ob ab 20 Uhr, ab 22 Uhr oder erst ab 24 Uhr. Auch andere Kommunen schalten stundenweise die Beleuchtung ab, nehmen dabei aber beispielsweise die Wochenenden oder bestimmte Straßenzüge aus.

2. Was wäre zu tun?

Ganz umsonst ist die Umstellung nicht; es würden (einmalige) Kosten anfallen. Genaue Zahlen hat die Stadt Ebern hierfür aber noch nicht, ebenso wenig für diverse Zeitmodelle oder die Abschaltung nur jeder zweiten Laterne. Erforderlich wäre in jedem Fall die Umrüstung der Laternenmasten, die im Falle einer nicht durchgängigen Beleuchtung eine rot-weiße Banderole tragen müssen. Diese zieht sich in der Regel auf etwa eineinhalb Metern Höhe einmal um den Laternenmast und ist ein offizielles Verkehrszeichen. Innerhalb geschlossener Ortschaften werden so Laternen gekennzeichnet, die nicht die ganze Nacht leuchten. „In dem roten Feld kann in weißer Schrift angegeben sein, wann die Laterne erlischt“, heißt es in der Anlage 3 des Paragrafen 42 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Folgen hat dies übrigens auch für Autofahrer: Wer sein Fahrzeug dort parkt, ist bei Dunkelheit zur „Eigenbeleuchtung“ verpflichtet, damit sein Pkw für andere Verkehrsteilnehmer zu erkennen ist. Heißt: Er muss Stand- oder Parklicht anschalten.

3. Die Vorteile

„Die Energiekrise macht es nötig, dass wir alte Zöpfe abschneiden“, sagt Stadtrat Hermann von Rotenhan (FDP/Freie Bürger) und spricht sich für einen Versuch aus. Auch dem Naturschutz – Stichwort: Lichtverschmutzung – würde eine Abschaltung dienen. Zuvorderst steht aber freilich die Kostenfrage: Bei einer Abschaltung von sieben Stunden – etwa im Zeitraum zwischen 22 Uhr und 5 Uhr – könnten laut Bürgermeister Jürgen Hennemann rund 59 000 Kilowattstunden pro Jahr eingespart werden. Eine Investition in die Zukunft und obendrein eine Chance zum Umdenken sah Freie Wähler-Stadtrat Sven Steffan: Schließlich habe man früher auch viel „dunkler“ gelebt.

4. Die Bedenken

Andere Städte und Kommunen haben’s vorgemacht. Praktiziert wird eine solche Nachtabschaltung laut Hennemann bereits seit Jahrzehnten im Itzgrund, wo es keinerlei Beschwerden gebe. „Es ist eine Gewohnheitssache“, so Jürgen Hennemann. Auch in Bischwind, wo wegen eines Sicherungsausfalls für vier Tage das Licht gefehlt hatte, habe es keinen Aufschrei gegeben, berichtet Grünen-Stadtrat Klaus Schineller.

Andernorts sorgt die Frage, ob die Einsparung – gerade, wenn ohnehin bereits auf LED umgerüstet wurde – im Verhältnis stehe gegenüber den Nachteilen für die Bürger. Im Eberner Stadtrat wurden hier insbesondere das Sicherheitsgefühl (Ulrike Zettelmeier, SPD) sowie die Orientierungshilfe für Rettungsdienste insbesondere in unübersichtlichen Dörfern (Werner Riegel, SPD) angesprochen. Jüngst warnte NRW-Innenminister Herbert Reul vor einer „Bildung neuer Angsträume“; auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP), befürchtet, dass das Sicherheitsgefühl der Bürger leiden könnte.

5. Erst mal testen

Die temporäre Nachtabschaltung für eine gewissen Zeitspanne mal ausprobieren, „um uns heranzutasten“, wie es CSU-Stadtrat Dieter Gerstenkorn formuliert, ist der erste Schritt, den die Stadt Ebern gehen will. Das Zeitfenster soll so gewählt werden, dass sowohl die Schichtarbeiter bei FTE/Valeo am späten Abend als auch die Zeitungsausträger am frühen Morgen möglichst nicht von Dunkelheit betroffen sind. „Ich denke, wir finden einen Zeitraum, in dem wenig Menschen unterwegs sind“, so Bürgermeister Hennemann. Berücksichtigt werden sollen dann auch Sonderfälle, wie etwa der Parkplatz in Unterpreppach, der insbesondere während der dunklen Wintermonate an den Wochenenden stark frequentiert ist, worauf SPD-Stadträtin Karin Kaiser hinwies.

Gestartet werden soll nun eine Testphase, für die gemeinsam mit dem Bayernwerk zwei Gebiete ausgewählt werden sollen – vermutlich eines in der Eberner Innenstadt und ein weiteres in einem Stadtteil –, in denen für einen gewissen Zeitraum nachts die Laternen abgeschaltet werden. Angedacht ist ein Zeitfenster zwischen 24 und 4 Uhr. Abgeklärt werden muss dann allerdings noch, wie Frank Kaiser (CSU) einwarf, ob eine solche Testphase nicht ebenfalls schon aus Versicherungsgründen die Kennzeichnung der betroffenen Laternen erfordere.

Ein nächster Schritt, aber noch zu teuer, seien bewegungsgesteuerte Lampen, so der Bürgermeister. Dies sei allerdings nicht mit einem Austausch der Leuchtmittel getan, sondern hier müssten die Laternen komplett getauscht werden.

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