Höfles - "Ich bin überzeugt davon, es gibt etwas zwischen hier", dabei klopft Christa Leyer energisch mit den Fingerkuppen der rechten Hand auf die Tischplatte, "und da", sie zeigt mit dem Zeigefinger gen Himmel. Die 55-Jährige ist die Frau, die 2013 von ihrem Vermieter im Kronacher Stadtteil Höfles angeschossen wurde. Das war am 22. Oktober. Seit Längerem hatte es Mietstreitigkeiten zwischen ihr und dem damals 87-Jährigen gegeben. "Aber an dem Tag haben wir gar nicht miteinander gesprochen", erinnert sich Christa Leyer. Sie kommt vom Bäcker, geht die Treppe hoch zu ihrer Wohnung. Ihr Vermieter steht oben im Flur. Auf einmal gibt es einen ohrenbetäubenden Knall. "Ich merke, wie mein rechter Oberarm weh tut, schaue nach oben. Da steht er mit einer Pistole da und zielt auf meinen Kopf. So nah - da hatte ich ein Gefühl - das kann ich gar nicht beschreiben - das war überall - dieses Gefühl. Ich glaub', das war Todesangst." Ihre Füße kleben am Boden fest. Sie kann sich nicht bewegen. Weglaufen erscheint ihr unmöglich. In Sekundenbruchteilen entscheidet sie: "Bevor ich hier jetzt einen Kopfschuss abkriege, breche ich mir lieber das Genick." Sie lässt sich rückwärts nach hinten kippen, fällt die steile Treppe hinunter. Unten rappelt sie sich auf, rennt über die Straße, ruft zwei Nachbarn zu: "Holt die Polizei. Der hat geschossen." Dann setzt sie sich auf den Treppenabsatz des gegenüberliegenden Hauses.
Kronach Der Schuss, der ihr Leben verändert
Von Bianca Hennings 26.12.2014 - 00:00 Uhr