Kronach Vier Millionen Euro Schaden

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Seit Dienstagnachmittag steht fest: Ein technischer Defekt war die Ursache für das Feuer im Höfleser Sägewerk. Die Einsatzkräfte haben dort laut Polizei Großartiges geleistet.

Auch Einsatzleiter Markus Koch von der Höfleser Feuerwehr ist am Dienstagvormittag schon wieder am Einsatzort - man könnte auch sagen: immer noch. "Ich war fast die ganze Nacht da. Ich konnte zwar zwischendurch mal ein, zwei Stunden nach Hause, aber geschlafen habe ich nicht. Ich hab‘ kein Auge zubekommen", erzählt er. Denn so ein Großbrand sei auch für die Einsatzkräfte eine absolute Ausnahmesituation, genau wie für die Menschen im Ort.

Das Feuer sei zwar gelöscht, aber trotzdem werde man mindestens den ganzen Dienstag am niedergebrannten Sägewerk bleiben. "Es kommt immer noch vereinzelt zu Glutnestern", erklärt Markus Koch. Deshalb müsse man die Lage immer wieder mit der Wärmebildkamera überprüfen und Nachlöscharbeiten durchführen. Dafür sei die Feuerwehr Höfles zuständig. Die Nachtwache hätten dankenswerterweise die Kameraden aus Steinberg, Glosberg und Kronach übernommen. Wie viele Helfer insgesamt im Einsatz waren und wie lange es gedauert hat, bis der Brand gelöscht war, kann Koch nicht sagen: "Es waren auf jeden Fall zig Feuerwehren da - ich weiß gar nicht, wie viele. Und ich habe in dem Trubel jegliches Zeitgefühl verloren."

Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger war am Montag während der Brandbekämpfung ebenfalls vor Ort. Wie viele Feuerwehren tatsächlich im Einsatz waren, kann auch er nur schätzen. Bei so einem Großeinsatz sei das Aufgebot an Hilfskräften immens. In der Hoffnung, niemanden zu unterschlagen, zählt er die Wehren auf, die ihm an dem Abend über den Weg gelaufen seien: Kronach, Höfles, Vogtendorf, Fischbach, Wötzelsdorf, Neuses, Küps Marktrodach, Glosberg und Knellendorf. Später seien noch Steinwiesen, Steinberg und Wallenfels alarmiert worden. Auch die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung aus Pressig sei vor Ort gewesen. Ein Kuriosum am Rande: Die Feuerwehr Rugendorf aus dem Nachbarlandkreis Kulmbach war laut Ranzenberger zufällig in der Nähe unterwegs: "Sie haben den Feuerschein gesehen und dachten, es brennt in Losau. Plötzlich waren sie auch da."

Insgesamt seien gut 250 Feuerwehrkräfte im Einsatz gewesen. Er selbst sei bis 23 Uhr vor Ort gewesen: "Da war das Feuer weitgehend gelöscht. Es gab dann aber noch zig Nachlöscharbeiten."

Dass seine Kollegen das Wohnhaus und die Scheune auf dem Grundstück des Sägewerks halten konnten, sei eine tolle Leistung, freut sich Joachim Ranzenberger. "Im Haus dürfte meines Erachtens auch nicht viel kaputt gegangen sein", meint er. Das Gebäude, in dem früher eine alte Mahlmühle untergebracht war, hätte nicht so viel Glück gehabt. Das sei abgebrannt. "Bei den Löscharbeiten hat uns der fast 30 Meter hohe, brennende Turm Schwierigkeiten gemacht. Ich hatte Sorge, dass er umfällt. Aber auch das haben wir gut hinbekommen", sagt Ranzenberger.

Das THW war mit 45 Einsatzkräften vor Ort - 30 aus dem Ortsverband Kronach, 15 aus Naila und Coburg. "Wir haben mehrere Ölsperren in der Rodach errichtet. Die am weitesten vom Brandort entfernte war bei der Firma Woco in Kronach", erklärt Udo Höfer, stellvertretender Ortsbeauftragter des THW Kronach. Da das Sägewerk so nah an der Rodach stehe, sei Löschwasser auch in den Fluss gelaufen. Und dieses sei zum Teil auch durch dort verbrannte Öle verschmutzt gewesen.

Das THW habe auch die Kraftstoffversorgung der Feuerwehren übernommen. Die Coburger Kollegen seien mit der Fachgruppe Räumen vor Ort gewesen, um mit Radbagger und Radlader Holzstapel und Sägespäne umzusetzen. Das THW aus Naila habe sich um die Ausleuchtung des Geländes gekümmert "Die Coburger sind gegen 1 Uhr nachts abgerückt. Naila und Kronach war bis Dienstagmorgen da", erklärt Höfer.

Fabian Kristek war am Montagabend der Einsatzleiter des BRK. Verletzte habe es glücklicherweise nicht gegeben, trotzdem habe man alle Hände voll zu tun gehabt - mit der Betreuung der Eigentümer sowie der Absicherung und Verpflegung der Feuerwehreinsatzkräfte. Apropos Verpflegung: "Die benachbarte Metzgerei war unheimlich hilfsbereit. Die haben gut 400 Wurstsemmeln gemacht. Das ist keine Selbstverständlichkeit", lobt Kristek. Bis gegen 1 Uhr waren die 41 Einsatzkräfte des BRK vor Ort, mit der SEG Information und Kommunikation, der SEG Verpflegung, zwei Krankentransportwagen und drei Rettungswagen. "Zwei vom BRK und einer vom ASB, der war mit sechs Kräften dabei", zählt Kristek auf.

Am Dienstagnachmittag teilt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken schließlich mit: "Beim Anblick des Schadensausmaßes wird deutlich, welch großartige Leistung die Feuerwehrleute vollbrachten, um ein Übergreifen des Brandes auf die dicht bebauten Nachbarhäuser zu verhindern. Dennoch entstand durch die Zerstörung der Halle und den dort untergebrachten Maschinen ein Schaden in Höhe von etwa vier Millionen Euro."

Und weiter: "Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen dürfte der Brand aufgrund eines technischen Defektes an einer Säge ausgebrochen sein. Es liegen nach Auskunft der Brandermittler keine Hinweise auf vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln vor."

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