Pater Theiler soll Ebern verlassen „Ich bin am Ende“

Pia Bayer
In Kürze mit Hauptwohnsitz in Erlangen: Der Vertrag von Pater Rudolf Theiler wurde nun zum 30. Juni 2023 von der Diözese Würzburg gekündigt. Mit diesem Datum soll der 71-jährige katholische Ordensmann auch seinen bisherigen Seelsorgebereich verlassen. Foto: NP-Archiv

Weiterer Paukenschlag für Pater Rudolf Theiler: Nach dem Willen der Diözese Würzburg soll der katholische Priester nicht nur Mitte nächsten Jahres in den Ruhestand gehen, sondern auch sonst seinen Seelsorgebereich verlassen. Dies schreibt eine Richtlinie vor.

Zahlreiche Fürsprachen, ein bislang mehrfach vorgetragener, ausdrücklicher Wille zum Weitermachen und eine Unterschriftenliste haben nichts genützt. Stattdessen steht nun ein konkreter Termin fest: „Zum 30. Juni 2023 geht Karmelitenpater Rudolf Theiler (71) in den Ruhestand und wird als Pfarradministrator der Pfarreiengemeinschaften ‚Gemeinsam unterwegs – Ebern – Unterpreppach – Jesserndorf’ sowie ‚Sankt Kilian und Weggefährten, Pfarrweisach’ entpflichtet. Die Stelle ist im Blick auf den Pastoralen Raum Haßberge Ost bereits neu ausgeschrieben“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Bischöflichen Ordinariats aus Würzburg. Und weiter: Der derzeitige Stelleninhaber habe „gemäß den Richtlinien der Diözese Würzburg nach Ende des Vertrags seinen Wohnsitz außerhalb des bisherigen Seelsorgebereichs zu nehmen“.

Mit dem Dienstende soll Pater Rudolf Theiler also nicht nur das Pfarrhaus in Ebern räumen, sondern sich einen Wohnsitz gänzlich außerhalb seines bisherigen Seelsorgebereichs suchen. Als Grund dafür nennt Markus Hauck, stellvertretender Pressesprecher des Bistums Würzburgs, dass ein Priester, der in den Ruhestand geht, „seinem Nachfolger weder direkt oder indirekt das Einfinden in die Gemeinde erschweren soll“. Ausnahmen, selbst beim weiteren Bewohnen eines Pfarrhauses, sind „in begründeten Fällen möglich“.

Jedoch muss, „wer in einem Pfarrhaus, das nicht mit einem neuen Pfarrer besetzt wird, wohnen möchte, die Erlaubnis hierzu wenigstens ein Jahr vor dem beabsichtigten Termin unter Angabe von Gründen beim Generalvikar einholen“. Das ist im Fall von Pater Rudolf Theiler nicht mehr möglich – und laut Pater Theiler selbst offenkundig auch nicht gewünscht.

Denn von einem konstruktiven Austausch der Diözese mit ihm sei bislang – trotz mehrfacher Ankündigung – weiterhin keine Spur gewesen. Überhaupt wurde nur einmal das persönliche Gespräch mit ihm gesucht, erzählt Pater Theiler. „Das fand am 20. Mai statt. Ein Gespräch, zwei Stunden“, erinnert sich der Eberner Stadtpfarrer. Auch die neue Ankündigung habe ihn lediglich über den Provinzial seines Ordens, Pater Klaus Rudolf Schenkelberger, erreicht, „eine Stunde, bevor die Pressemitteilung verschickt wurde“.

An das einzige direkte Gespräch mit der Diözese Würzburg erinnert sich Pater Rudolf Theiler zudem nur ungern. Denn dabei sei er vom Priesterbeauftragten behandelt worden „wie ein rotzfrecher Schuljunge“. „Mit militärischem Ton hat er mich zusammengeputzt. Der Hauptvorwurf war, dass ich zur Presse gegangen bin“, berichtet der 71-Jährige. Dabei findet er dieses Vorgehen bis heute als ehrlich und richtig. Denn es habe bereits Gerüchte gegeben und er habe die Gläubigen der Region über seinen Zustand schlicht informieren wollen.

„Der zweite Vorwurf war, ich wäre faul – und das, obwohl ich in den letzten Jahren keinen einzigen freien Tag genommen habe“, fühlt sich Pater Rudolf Theiler auch in diesem Punkt zutiefst ungerecht behandelt. Selbst nach seiner Knie-Operation Ende Juli habe er noch während der ambulanten Reha mit Krücken am Patrozinium in der Kirche gestanden, führt er sogleich ein weiteres Beispiel an.

Aufgrund dieser Vorwürfe gegen und dem Umgang mit ihm – Pater Theiler spricht von Mobbing und nun einem Missachten des Grundrechts auf Freizügigkeit –, habe er seine Meinung auch geändert: „Mittlerweile möchte ich in den Ruhestand gehen“, sagt der katholische Ordensmann und spricht mit Ärger in der Stimme über die Zeit, seitdem ihm Domkapitular Christoph Warmuth eher beiläufig in einem Gespräch am 7. Dezember 2021 erzählt hatte, dass er im nächsten Jahr in den Ruhestand gehen müsse (die Neue Presse berichtete mehrfach).

„Ich habe weiterhin ein positives Verhältnis zum Glauben, aber nicht mehr zur Kirche“, begründet der 71-jährige Pater diesen Sinneswandel und erzählt, dass er sich vor der Knie-Operation nur noch gewünscht habe, nach der Narkose nicht mehr aufzuwachen. Die 84-jährige Haushälterin, die mit ihm im Eberner Pfarrhaus wohnt und von Pater Theiler betreut wird, sei wegen der Diskussionen um seinen Ruhestand bereits zweimal zusammengebrochen. Was mit ihr und seinem Hund werde, sei nun fraglich, erzählt der Pater weiter und sagt im doppelten Wortsinn: „Ich bin am Ende.“

Sein Hauptwohnsitz werde deshalb bald Erlangen sein. Dort betreibt der Karmeliten-Orden, dem Pater Theiler angehört, ein Kloster, wo ihm schon jetzt ein Zimmer als Nebenwohnsitz zur Verfügung steht. Er freue sich auf die Zeit, in der er keine Gremien- und Strukturarbeit mehr leisten müsse, sondern sich auf Seelsorge und Bildungsarbeit konzentrieren könne, versucht Pater Rudolf Theiler dem Ruhestand ab dem 30. Juni nächsten Jahres nun positiv entgegenzusehen. Gleichzeitig verspricht er, auch weiterhin für die Menschen da zu sein, die ihn für Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen oder auch Gottesdienste anfragen: „Ich komme dahin, wo ich gewünscht werde.“

Die Diözese Würzburg informiert derweil weiter: „Wenn sich bis zum 30. Juni 2023 kein Nachfolger findet, wird ein Pfarradministrator ernannt werden. Dabei werden wir alle Fragen des Personals und die Erfordernisse des pastoralen Raumes Haßberge Ost sehr genau in den Blick nehmen. Unser erstes Augenmerk gilt dabei der Seelsorge für die Menschen in Ebern und Umgebung.“

Der Vertrag bezüglich des Dienstes von Pfarrer Theiler als Pfarradministrator der Pfarreiengemeinschaften ‚Gemeinsam unterwegs – Ebern – Unterpreppach – Jesserndorf’ sowie ‚Sankt Kilian und Weggefährten, Pfarrweisach’ zwischen dem Karmeliterorden und der Diözese wurde laut Karmelitenprovinzial Klaus-Rudolf Schenkelberger „von der Diözese Würzburg aufgekündigt“. „Einvernehmen war nicht nötig“, fasst er weiter diplomatisch in Worte und sagt dann: „Grundsätzlich ist die Sache rechtlich in Ordnung, aber menschlich schwierig im konkreten Fall.“

 

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