Tettau Ortsmitte so bunt wie das Leben

Tettau hat nun ein Freizeitgelände, das für Jung und Alt einiges zu bieten hat. Vandalen müssen hier mit dauerhaftem Platzverweis rechnen.

Bürgermeister Peter Ebertsch ist bekannt für seine markigen Worte, sein Draufloslegen. Am Samstag bei der Einweihung der Freizeitanlage im Herzen der Marktgemeinde stellte er vor allen Gästen gleich einmal klar: „Die Regierungspräsidentin sagt immer: Oberfranken ist spitze. Mein Landrat sagt: Der Landkreis Kronach ist spitze. Und wir hier in Tettau sind die Spitze der Spitze!“ Besser hätte man die grenzenlose Liebe zur Heimat wahrscheinlich gar nicht ausdrücken können. Wenn man etwas liebt, kümmert man sich darum – so wie die Tettauer, die seit vielen, vielen Jahren versuchen, ihren Ort lebenswert zu erhalten. Wie Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz erklärte, erhalte die Marktgemeinde bereits seit 30 Jahren immer wieder Fördergelder, damit sie die Mittelpunkte ihrer Ortsteile lebendig halten könne. Für die Freizeitanlage, deren Sanierung 2,1 Millionen Euro gekostet hat, flossen 1,2 Millionen Euro an Fördergeldern nach Tettau. „Wir sind schon mal als Fördertopf-Plünderer bezeichnet worden“, kommentierte Peter Ebertsch das verschmitzt grinsend.

Er ließ die Geschichte der Sanierung der Freizeitanlage noch einmal Revue passieren. 2015 war es, dass sich die Möglichkeit für diesen lang gehegten Wunsch der Gemeinde auftat. Man habe sich darum bemüht, das nicht mehr erhaltenswerte Gebäude an der Freizeitanlage, von den Tettauern „Alte Wasserburg“ genannt, zu erwerben und abzubrechen. Das Grundstück sollte später sinnvoll genutzt werden. Deshalb habe es zahlreiche Gespräche mit der Regierung von Oberfranken gegeben. Am Ende hatte man eine Machbarkeitsstudie für eine ambulant betreute Wohngemeinschaft plus barrierefreie Wohnungen sowie für die Sanierung der Freizeitanlage. Peter Ebertsch stieß damals durch Zufall bei einem Termin in Ludwigsstadt auf die Saco GmbH, einen Investor, der sich auch auf „zukunftsorientiertes Wohnen“ spezialisiert hat. Martin Schülein vom Tettauer Pflegedienst „Pflege ohne Grenzen“ wurde mit ins Boot geholt. So nahm das Projekt also vor sieben Jahren seinen Lauf. Wohn- und Freizeitanlage wurden geplant. Das Wohnprojekt wurde bereits im Juni 2020 ihrer Bestimmung übergeben. Coronabedingt fiel die Einweihung dafür aber aus. Deshalb wurde am Samstag nicht nur die Freizeitanlage „Park der Generationen“ eingeweiht, sondern auch die Wohnanlage.

Bis einen Tag vor dem Festakt ist laut Peter Ebertsch noch in der Freizeitanlage gewerkelt worden. Die Nerven seiner Geschäftsleiterin Katharina Morgenthum seien bei diesem Projekt arg beansprucht worden. Deshalb dankte er ihr mit einem Blumenstrauß.

Im Park der Generationen gibt es unter anderem einen Kinderspielplatz, einen kleinen Bachlauf, es kann zwischen 9 und 20 Uhr Basketball, Fußball und Tennis gespielt werden, zahlreiche idyllische Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein, ein Wegekonzept ist für kleine Spaziergänge ideal. „Wir haben es gemeinsam erreicht, in der Ortsmitte von Tettau eine Begegnungsstätte zu schaffen, die Jung und Alt eine Freizeitgestaltung ermöglicht. Neben Sport, Spiel und Spaß findet sich hier immer ein Ansprechpartner. Hier kann man Freundschaften pflegen und neue Kontakte knüpfen“, erklärte Peter Ebertsch stolz. Er machte aber auch deutlich, dass Vandalen keinen Platz haben: „Auch liegengelassene Bierflaschen oder Zigarettenkippen nehmen wir hier nicht mehr hin. Das führt zur Sperrung des Platzes für den Verursacher!“

Landrat Klaus Löffler betonte die Wichtigkeit der Heimat: „Wie wir sie übernommen haben, ist nicht unser Verdienst. Wie wir sie an die nächste Generation übergeben, das liegt aber in unserer Verantwortung.“ Deshalb dankte er Peter Ebertsch und dessen Kollegen des Marktgemeinderates für deren Arbeit zum Wohl der Menschen in Tettau. Man komme aus einer schwierigen Zeit. Damit meinte er nicht nur die Corona-Pandemie sondern auch den Krieg in der Ukraine. „Was die kommunale Familie hier geleistet hat, ist unglaublich.“ Solidarität mit den Flüchtlingen werde derzeit großgeschrieben. Fünf Millionen Ukrainer seien auf der Flucht. 180 000 seien in Bayern aufgenommen worden, 616 davon im Landkreis Kronach, „die hier hoffentlich eine zweite Heimat finden können“. Peter Ebertsch habe sofort die Tettauer Festhalle zur Verfügung gestellt, sollte man sie brauchen. Man habe die Flüchtlinge zwischenzeitlich privat unterbringen können. So bat Pfarrer Cyriac Chittukalam beim Segen der Freizeit- und Wohnanlage auch für Frieden, „der in vielen Ländern nur ein Traum ist“.

Landschaftsarchitekt Michael Rudolph vom Planungsbüro Station C23 dankte Peter Ebertsch und allen am Projekt Beteiligten. Martin Schülein vom Pflegedienst „Pflege ohne Grenzen“ erklärte, dass es in Oberfranken nur sechs solcher ambulant betreuter Wohngemeinschaften gebe. Eine Rund-um-die Uhr-Betreuung sei hier stets vor Ort, die Mieter würden täglich vom Pflegedienst besucht. Man habe feste Tagesabläufe: „Essen und Trinken mit einer Tagesstruktur ersetzt so manche Tablette.“

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