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Thailands unentdeckter Süden

Von Meeresschildkröten, Mangrovenwäldern und traditioneller Heilkunst



Fotos: Rainer Heubeck, Grafik: dpa   » zu den Bildern

Missoni und Dory, die beiden Grünen Meeresschildkröten, die eigentlich nicht grün gefärbt sind, sondern grau-orange, zögern keine Sekunde. Kaum sind sie am Thai-Muang-Strand in der thailändischen Provinz Phang Nga in den Sand gesetzt, kennen die Tiere nur noch eine Richtung: Sie pflügen sich geradeaus durch den Sand und steuern zielsicher das weiß schäumende Wasser der Andamanensee an, das hier rhythmisch ans Ufer schwappt. Dabei haben diese beiden Schildkröten das Meer noch gar nicht kennengelernt, sondern die etwa acht Monate ihres bisherigen Lebens in einem kleinen Becken verbracht.

Dieses Becken befindet sich im Phang Nga Coastal Fisheries Research and Development Center, einer Einrichtung des thailändischen Fischereiministeriums. Dort sind Missoni und Dory untergebracht worden, nachdem sie an einem gesicherten Ort aus den Eiern geschlüpft waren. Diese hatten Mitarbeiter des Schildkrötenschutzprojektes, das in dem Zentrum angesiedelt ist und von der Provinz Phang Nga finanziert wird, auf den Similan- und den Surin-Inseln eingesammelt.

In den Naturschutzgebieten auf diesen Inseln wären die Eier nicht von Menschen bedroht gewesen, die Eier sammeln und essen. Aber möglicherweise wären sie bei Sturm und hohem Seegang vom Meer weggespült worden. Seit es in Thailand immer weniger Meeresschildkröten gibt, will man das verhindern. "Die Tiere sind bedroht durch die Verbauung der Küsten, aber auch durch die großen Fischereiflotten entlang der Schwimmroute der Tiere, bei denen die Schildkröten häufig als Beifang im Netz landen", berichtet Nipon Seanin, der Leiter des Schutzprojekts.

HINWEISE ZU IHRER REISE
ANREISE: Thai Airways bietet mehrmals pro Woche Nonstop-Flüge von Frankfurt am Main nach Phuket, www.thaiairways.de. Eine Taxifahrt vom dortigen Flughafen nach Khao Lak dauert etwa 75 Minuten und kostet umgerechnet etwa 40 Euro.
EINREISE: Touristische Aufenthalte bis zu
30 Tage sind für deutsche Staatsbürger visafrei. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein.
WÄHRUNG: In Thailand wird mit Baht (THB) gezahlt, 1 EUR = 37,87 THB
ÜBERNACHTUNG: Die Region Phang Nga erkunden Reisende idealerweise von einem Strandhotel in Khao Lak aus. Bei deutschen Gästen sehr beliebt ist das Ramada Khao Lak Resort, www.ramadakhaolak.com. Neu und exklusiver ist das Fünfsternehotel The Sands Khaolak, www.thesandskhaolak.com.
AKTIVITÄTEN: Ein erfahrener Anbieter für geführte Ausflüge in der Region ist Eco Khaolak Adventure, www.ecokhaolak.com. Der Veranstalter organisiert unter anderem Stadtbesichtigungen in Takua Pa und Kajaktouren durch die Mangroven. Das Thai Muang Turtle Sanctuary befindet sich im Phang Nga Coastal Fisheries Research and Development Center etwa 30 Kilometer südlich von Khao Lak, es hat normalerweise von 8.30 bis 16.30 Uhr geöffnet.
KLIMA: In der Region Phang Nga herrscht tropisches Klima mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Die beste Reisezeit ist die Trockenzeit von November bis Mai, wobei auch in dieser Zeit Niederschläge möglich sind. Die Hauptregenzeit ist von Juni bis Oktober.
INTERNETSEITE: www.thailandtourismus.de

Schildkröten schwimmen weite Strecken, von Thailand geht es zuweilen bis auf die Philippinen, nach Indonesien und sogar nach Australien. Doch irgendwann, meist nach zehn bis fünfzehn Jahren, kehren die Tiere dorthin wieder zurück, wo sie geboren wurden – und legen dort ihre Eier in den Sand. Ob und wann Missoni und Dory den Thai-Muang-Strand wieder ansteuern, das will Nipon Seanin herausfinden. Deshalb sind den Tieren Chips implantiert worden, die es ermöglichen, ihren Aufenthaltsort festzustellen, sobald sie sich in der Nähe der thailändischen Küste befinden.

Eines der wichtigsten Ökosysteme in Küstennähe sind Mangrovenwälder, sie sind gewissermaßen die Kinderstube des Meeres. An der Andamanenküste wurden diese im Jahr 2004 durch den verheerenden Tsunami stark beschädigt, doch mittlerweile haben sie sich regeneriert. Im Dorf Tha Din Daeng haben sich einige Einheimische zu Guides ausbilden lassen und schippern naturinteressierte in- und ausländische Besucher im Kajak durch die Mangroven. Das verschafft ihnen Einkommen und erhält die dörflichen Strukturen. Ebenso wie die Fischerei und der Gemüseanbau in Permakultur, der hier ebenfalls gefördert wird.

Auf dem Weg zu unserer Anlegestelle kommen wir an einer abschüssigen Rampe vorbei, deren Steine von Moos überwuchert sind. Die Region Phang Nga und die Insel Phuket lebten jahrzehntelang vor allem vom Zinnabbau, der meist im Tagebau betrieben wurde. Heute ist dieser Rohstoffboom vorbei, doch seine Überreste, etwa die alte Rampe, prägen die Landschaft noch immer – auch wenn die Bergbaugebiete inzwischen oft in Lagunen und sogar in Golfplätze verwandelt worden sind. Oder man hat sie mit Cashewbäumen bepflanzt, da diese auch auf schlechten Böden gedeihen.

Während wir zu Fuß zur Anlegestelle gehen, werden die Kajaks auf einem Motorradbeiwagen transportiert. Anschließend dürfen sich jeweils ein bis zwei Besucher zusammen mit einem einheimischen Paddler in ein Boot setzen. So können sie die Umgebung genießen und immer wieder die verschiedenen Lebewesen im Mangrovenholz beäugen, etwa Muscheln, Fische, Krebse, Garnelen oder Krabben.

Nach etwa einer Stunde auf dem Wasser legen wir am Ufer an – auf einem Pfad geht es durch eine grüne Buschlandschaft, die sich in der Trockenzeit ab Ende Januar gelb färbt. Dann, so versichern die Guides, ähnelt diese Umgebung der afrikanischen Savanne. Löwen und Antilopen gibt es hier freilich nicht, dafür Waschbären und Warane, Seeadler, Flughunde und Tukane.

Die Bewohner des Dorfes Tha Din Daeng sind überwiegend Muslime, wer sie besucht, der taucht ein in eine vom Tourismus noch weitgehend unentdeckte Welt. Weiter nördlich, im verschlafenen Städtchen Takua Pa, treffen wir vor allem Buddhisten, finden aber auch chinesisch-taoistische Tempel. Auch das hat mit dem Zinnabbau in der Region zu tun. In dessen Hochphase strömten chinesische Migranten nach Südthailand. Sie arbeiteten in den Zinnminen, brachten aber auch ihre Bräuche und Traditionen mit. Und ihr Wissen über Kräuter und traditionelle chinesische Heilkunst.

Thanakrit Sukjirung pflegt diese Traditionen noch heute. Der 44-Jährige ist Inhaber einer der ältesten chinesischen Apotheken in der Region und verkauft an die Einheimischen Kräuter- und Rindenmischungen. Diese werden als Tee aufgebrüht oder in Alkohol eingelegt. "Am häufigsten kommen Leute zu uns, die Fieber oder Menstruationsbeschwerden haben", berichtet der Apotheker – und gibt einem seiner Kunden eine passende Rindenmischung für zweitgenanntes Leiden in die Hand. Der Mann wurde von seiner Frau geschickt, um diese zu holen.

Während sein Vater Viboon Sukjirung und sein Urgroßvater die Apotheke noch im herkömmlichen Stil betrieben haben, hat Thanakrit Sukjirung das althergebrachte Wissen durch eine fundierte Ausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin an einer Bangkoker Universität ergänzt. So hat er den Vorteil, nicht nur Wirkstoffe verkaufen zu können, sondern ist auch in der Lage, fundierte Diagnosen zu erstellen. Einer unserer Mitreisenden, er ist eher kahlköpfig, nutzt die Chance, den Experten nach einem Mittel gegen Haarausfall zu fragen – doch da muss Thanakrit Sukjirung leider passen. Traditionelle Heilmittel hat er im Angebot, Wundermittel jedoch nicht.

 

 

 

 

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Rainer Heubeck
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Veröffentlicht am:
11. 10. 2018
18:45 Uhr

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