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Coburg

Der Europa-Experte aus Neustadt

Professor Michael Gehler meldet sich mit einem neuen Werk aus der Coronazeit. Darin liefert er einen umfassenden Überblick über die Geschichte der EU.



Professor Michael Gehler zeigt in Vorträgen die Zusammenhänge der europäischen Geschichte eindrucksvoll auf. Zum einen vor Fachpublikum, zum anderen aber auch vor "Otto- Normalverbraucher". Foto. Tischer
Professor Michael Gehler zeigt in Vorträgen die Zusammenhänge der europäischen Geschichte eindrucksvoll auf. Zum einen vor Fachpublikum, zum anderen aber auch vor "Otto- Normalverbraucher". Foto. Tischer  

Neustadt - Prof. Michael Gehler, aufgewachsen in Neustadt, gilt als ausgewiesener Europa-Experte. In seinem neusten Werk zeigt er auf, dass Europa-Ideen im Spannungsfeld von Vision und Wirklichkeit pendeln. Doch er stellt sich auch klar pro EU dar und hält ein Plädoyer für Geduld und Realismus. Der Zusammenhalt der EU, so seine Einschätzung, werden über Geld entschieden und nicht über die Herzen.

Zur Person

Professor Michael Gehler wurde 1962 geboren und ist in Neustadt aufgewachsen. Er studierte Geschichte und Germanistik und ist Mitglied der Historischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Im Jahr 2006 wurde er an der Universität Hildesheim als Professor und Leiter des Instituts für Geschichte berufen. Von der EU-Kommission erhielt er die Auszeichnung "Jean-Monnet Chairs" für Europäische Geschichte. Er ist Mitglied des Liaison Committee, der Verbindungsgruppe der Historiker bei der EG-Kommission. Gehler hat zahlreiche Publikationen zur österreichischen, deutschen und europäischen Zeitgeschichte verfasst.


Die Zukunft der EU und der gegenwärtige Zustand Europas beherrschten die politischen Diskussionen unserer Tage. Dass Deutschland die Ratspräsidentschaft innehabe, sei ein Glücksfall für Europa. Deutschland müsse aber als "ehrlicher Makler" auftreten. Denn "nationalstaatliche Interessen treten immer mehr in den Vordergrund", schaut Gehler gen Polen und Ungarn. Dass Gehler natürlich auch Stellung zur Corona-Krise nimmt, erscheint selbstverständlich: "Wir erleben eine Krise in höchstem Wohlstand", versteht Gehler so manche Argumentation nicht. Sein Werk "Europas Weg. Von der Utopie zur Zukunft der EU" liefert einen umfassenden Überblick über die lange Geschichte Europas - von den Anfängen bis zur Gegenwart der Europäischen Union in stürmischen Krisenzeiten. Entstehung, Aufbau und Funktionen der Institutionen sowie die Entwicklung von der Montanunion bis zur EU werden allgemein verständlich dargestellt. Chronologie, Glossar, Literatur sowie zahlreiche Bilder und Karten veranschaulichen die Entwicklung der europäischen Integration. Sein zweiter Neuling "Deutschland. Von der geteilten Nation zur gespaltenen Gesellschaft von 1945 bis heute" zeigt, wie die Entfremdung, Konfrontation und der Systemwettbewerb die beiden Nachkriegsstaaten, die Bundesrepublik und die DDR, prägten.

Nach dem "Fall der Mauer" sei das vereinte Deutschland in den verstärkten Rahmen der EU ökonomisch und währungspolitisch sowie durch die NATO-Osterweiterung vollends sicherheitspolitisch eingebunden gewesen. Die Ära Kohl habe mit großem Reformstau geendet, so der Experte. Rot-Grün unter Schröder und Fischer startete mit der "Agenda 2000", verlor allerdings die Wählergunst.

Die Ära Merkel sei demnach eine Kanzlerschaft im Krisenmodus voller Widersprüche: "Sie ermöglichte unter deutscher EU-Präsidentschaft 2007 den Unionsvertrag von Lissabon und spielte mit Frankreich eine führende Rolle beim Zusammenhalt der Eurozone. In der Flüchtlingskrise 2015 provozierte sie die Spaltung der EU-Mitglieder. Chancen für eine neue Dynamik der Integration wurden von 2017 bis 2019 vertan", so Gehler. Die Corona-Krise stelle nun die Große Koalition vor eine noch größere Herausforderung als die Banken- und Finanzkrise von 2008/09. "Das Land ist 30 Jahre nach der Einheit gesellschaftlich und politisch gespalten", schreibt er.

Aspekte der Außen- und Innenpolitik sowie der Gesellschaft, Medien und Wirtschaft, aber auch des Alltags werden in dieser Gesamtdarstellung von 1945 bis 2020 behandelt. Gehler stellt aber Neustadt ein gutes Zeugnis aus: "Neustadt hat alles, was man braucht und ist ein idealer Rückzugsraum." Ein Umzug scheint für ihn schon gemachte Sache, denn schließlich hat er in Neustadt sein Abitur gemacht.

Autor

Peter Tischer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
27. 07. 2020
16:48 Uhr

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Autor

Peter Tischer

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Veröffentlicht am:
27. 07. 2020
16:48 Uhr



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