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Coburg

Ganz in Weiß zu einem besonderen Picknick

Wenn bei Vollmond der Wasserstand niedrig ist, treffen sich alljährlich einige Coburger zum Dinner im Fluss. Trotz festlicher Kleidung sind Gummistiefel ein Muss.



Geli und Sabine Berger (von links) genießen die Stimmung beim Dinner im Fluss.
Geli und Sabine Berger (von links) genießen die Stimmung beim Dinner im Fluss.   Foto: privat » zu den Bildern

Coburg - Einmal im Jahr trifft sich Sabine Berger mit ihren Freunden in der Itz. Dann platziert sie Campingtisch und Stühle im Wasser, dekoriert festlich mit Kerzenständer und weißer Tischdecke und lädt zum Dîner en blanc (siehe Infokasten) in den Fluss ein. Meist Ende August oder Anfang September, wenn Vollmond ist und der Wasserstand recht niedrig. So auch am Donnerstag voriger Woche.

Diner en blanc

Das Dîner en blanc bezeichnet das Massenpicknick weiß gekleideter Menschen an prominenten städtischen Orten. Es wird privat über Netzwerke von Freunden und Bekannten organisiert. Das erste fand 1988 in Paris statt.

 

Mittlerweile gibt es gleichartige Veranstaltungen weltweit auf allen Kontinenten. In Deutschland fand das erste Dîner en blanc 2008 in Hannover statt, seitdem auch in anderen Städten im deutschsprachigen Raum, etwa Berlin oder München.

Quelle: Wikipedia

 

Angefangen hat alles mit einer Flasche gutem Champagner. "Ein Freund ist 2014 nach Afrika ausgewandert und hat mir diese Flasche geschenkt mit der Auflage, sie an einem besonderen Ort zu trinken", schildert Sabine Berger. Da sie direkt an der Heiligkreuzbrücke in Coburg wohnt, kam ihr eines Abends die Idee mit dem Picknick im Wasser. "Ich höre immer die Itz rauschen, und da dachte ich mir, rein ins Wasser".

 

Damit das Ganze zu einem würdigen Event wurde, machte sie es zur Auflage, dass alle ihre Freunde ganz in Weiß kamen. Nur die Gummistiefel sind eine stilistische Ausnahme. "Und die müssen richtig hoch sein, sonst hat man sofort nasse Füße". Berger hat jahrelang als Hobby Theater gespielt. Und aus ihrem Fundus an Kostümen, Schals und Perücken können sich alle bedienen. "Wir machen uns vorher zusammen schick, das macht einen Riesenspaß", sagt Berger.

Meistens bringt jeder der Gäste ein Gericht mit, griechische, türkische, italienische oder deutsche Speisen. Die stehen dann auf einem zweiten, festlich gedeckten Tisch. "Um sich etwas zu holen muss man aufstehen und hinlaufen, da muss man schon aufpassen im unebenen Flussbett", so die Erfahrung.

Zweimal hat die Gruppe auch Pizza bestellt. Adresse: Itzufer. Die Pizzaboten waren erst verwirrt, kamen dann aber sogar bis ans Wasser hinunter. Dazu gibt es immer Champagner oder sehr guten Sekt. "Es war nie ein Besäufnis, sondern immer sehr würdig", sagt Berger. Heuer gab es zum edlen Tropfen selbst gepresste Fruchtsäfte von einem der Gäste, die alle "im mittleren Alter" sind, wie Sabine Berger es formuliert.

Sie schwärmt von dem fast traumähnlichen Gefühl, umgeben vom Wasser in der Itz zu sitzen. "Das ist ganz anders als wenn man nur aufs Wasser schaut, wir sind oft auch ruhig und genießen die Atmosphäre", sagt Berger. Ansonsten spielen sie Lieblingsmusik und verbinden dazu ihre Smartphones mit einer wasserfesten, tragbaren Box. "In den Anfangsjahren hatten wir so einen kleinen Weltmpfänger, da war einmal plötzlich die Musik weg weil er im Wasser lag", schildert Sabine Berger. Nachdem sie die Batterien jedoch abgetrocknet hatten lief das robuste Gerät wieder. "Das Ding war über 30 Jahre alt, das war noch echte Qualität", meint sie.

Passanten bleiben oft auf der Heiligkreuzbrücke stehen und beobachten oder fotografieren das ungewöhnliche Picknick in der Itz. Viele fragen, ob sie dazu kommen dürfen. "Wir sagen immer, klar, zieht euch weiß an, bringt einen Stuhl mit und rein ins Wasser". Aber bisher habe sich noch kein Spaziergänger dazugesellt. Nur einmal, da stand ein Handwerker, der auf der Walz war, in voller Berufskleidung am Ufer, mit Stuhl und einer Flasche Sekt unter dem Arm. "Benni war so festlich gekleidet, dass es okay war, auch wenn er nicht in Weiß war", erinnert sich Sabine Berger. Sie hat schon mit dem Gedanken gespielt, ihr Dinner in Weiß öffentlich zu machen. "Dann könnten von Mohren- bis zur Heiligkreuzbrücke lauter weiß gedeckte Tische im Wasser stehen", meint Berger. Diese Idee würde ganz nebenbei gut ins Konzept der Stadtverwaltung passen. Deren erklärtes Ziel ist es, die Itz für die Menschen zugänglich und erlebbar zu machen.

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Christiane Schult

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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
17:36 Uhr

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Christiane Schult

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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
17:36 Uhr



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