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Kronach

Zwischen Jubel und Katerstimmung

CSU und Grüne freuen sich über ihre Ergebnisse bei der Europawahl. Bei der SPD ist man dagegen nicht glücklich: Man hat wohl mit den Themen die Menschen nicht erreicht.



Die Europawahl stieß im Landkreis Kronach auf größeres Interesse als noch vor fünf Jahren. Diesmal lag die Wahlbeteiligung bei 56,7 Prozent. Foto: Ossinger (dpa)  

Landkreis Kronach - Die Protagonisten der Frankenwald-CSU sind am Tag 1 nach der Europawahl mehr als zufrieden. "Wir haben das zweite Mal in Folge alle Gemeinden gewonnen", erklärt CSU-Kreisvorsitzender Jürgen Baumgärtner mit Blick auf die Ergebnisse der Landtagswahl im Herbst 2018 und auf das Wahlergebnis vom Sonntag. In Oberfranken hätten die Kronacher mit 47,59 Prozent das beste Ergebnis für die CSU überhaupt eingefahren. "Das ist bemerkenswert, weil wir in der Frankenwald-CSU einen nicht ganz unumstrittenen Kurs eingeschlagen haben", meint Baumgärtner. Seit Jahren sei den Christsozialen im Landkreis die Verbindung von Ökologie und Ökonomie wichtig. Man habe mit dem Vorschlag, einen Nationalpark Frankenwald zu schaffen, ein klares Bekenntnis zum Klima- und Naturschutz abgegeben. Als das abgelehnt worden sei, habe sich die CSU dafür ausgesprochen, den Frankenwald zur Biosphären-Region zu entwickeln.

Dass die Frankenwald-CSU in Oberfranken das beste Wahlergebnis eingefahren habe, sei auch ein Signal an den Bauernverband. Dessen Kreisobmann Erwin Schwarz habe in einem Fernsehinterview geäußert, dass er das gesetzliche Ziel ablehne, 50 Prozent der Pflanzenschutzmittel einzusparen. "Da hat die Spitze des Bauernverbands den Knall nicht gehört", meint Baumgärtner, dessen Verhältnis zu den Bauern seit der Nationalpark-Diskussion belastet ist.

BBV-Kreisobmann Erwin Schwarz erklärt auf NP -Nachfrage, er halte das Versöhnungsgesetz als Antwort auf das Volksbegehren "Rettet die Bienen" für unausgegoren. In diesem Zusammenhang habe er auch geäußert, dass die Einsparung der Hälfte der Pflanzenschutzmittel wohl nicht machbar sei. Denn dass in Deutschland genügend Nahrungsmittel vorhanden seien, das sei vor allem auf den Einsatz der Pflanzenschutzmittel zurückzuführen. Schwarz: "Das vergisst man schnell. Deswegen weiß ich nicht, welchen Knall Jürgen Baumgärtner meint."

Der betont unterdessen, dass die Frankenwald-CSU eine Wende in der Landwirtschaft wolle mit weniger Pflanzenschutzmitteln und mehr Engagement für die Artenvielfalt. Auch die Bewirtschaftung der Wälder müsse anders organisiert werden. Die Staatsforsten sollten als Kernziel eine ökologische Ausrichtung anstelle von Gewinnmaximierung haben. Private Waldbesitzer bräuchten staatliche Hilfe beim Waldumbau.

Auch die Grünen im Frankenwald sind mit den erreichten 10,02 Prozent mehr als zufrieden. Das ist zwar in Oberfranken das schlechteste grüne Ergebnis, aber, so Edith Memmel, der Landkreis Kronach sei "ja ein bisschen Diaspora für die Grünen". Und man könne ländliche Regionen nicht mit Hochschulstädten wie Coburg oder Bayreuth vergleichen. Demzufolge sei man höchst erfreut über den Zugewinn von knapp fünf Prozentpunkten. "Wir haben uns das Vertrauen hier hart erkämpft", sagt sie.

Die Grünen würden ganz klar für Europa stehen. Aber auch im Landkreis habe man stets bewiesen, dass man zu seinen Forderungen stehe, seine Meinung hartnäckig vertrete. Sie denke da beispielsweise an die Privatisierung der Klinik, die in den Augen der Grünen nie hätte passieren dürfen.

Nicht glücklich ist SPD-Kreisvorsitzender Ralf Pohl. Das Abschneiden seiner Partei sei auf allen Ebenen enttäuschend gewesen. Sowohl auf Bundes-, als auch auf bayerischer oder Landkreis-Ebene. Dass die Politik vor Ort dazu beigetragen haben könne, daran glaubt Pohl nicht. "Da spielen eher europa- oder bundespolitische Überlegungen eine Rolle", meint er. Abgesehen davon, dass es der SPD nicht gelungen sei, ihre Themen zu den Menschen zu transportieren, habe auch der Reformprozess der Partei nicht gegriffen. Würde das Auswechseln des Führungspersonals helfen? Pohl verneint: "Man macht so etwas immer zu schnell an Personen fest." Das Problem sei, dass die Menschen nicht mehr wissen, für was die SPD steht. Man dringe nicht mehr durch mit den eigenen Themen. "Wir müssen unser Profil schärfen, um Inhalte konsequenter zu vermitteln", betont Pohl.

AfD-Kreisvorsitzender Harald Meußgeier freut sich über das Abschneiden seiner Partei im Landkreis Kronach. Die Grünen hätten mit dem Thema Klimaschutz gepunktet. Der sei sicher wichtig. Aber man müsse ihn so betreiben, dass er keine Arbeitsplätze gefährde. Schließlich sei für Deutschland die Automobilindustrie das wichtigste Standbein. Meußgeier: "Da muss man mit Fingerspitzengefühl rangehen." Der FDP-Kreisvorsitzende Björn Cukrowski meint, der Wahlkampf sei ziemlich zugespitzt gewesen auf die Frage, wie viel die Rechten im Europarlament dazu gewinnen. Da sei es schwierig gewesen, mit eigenen Themen durchzukommen. Dennoch sei er mit dem Abschneiden seiner Partei zufrieden.

Den Kreisvorsitzenden der Freien Wähler, Tino Vetter, freut zuallererst die deutlich höhere Wahlbeteiligung: "Schön, dass Europa in den Köpfen angekommen ist." Das Ergebnis der Freien Wähler im Landkreis Kronach sei zwar "nicht der Brüller im Vergleich zu dem der Landtagswahl". Im Herbst 2018 hatte man bei den Erststimmen immerhin 11,6 Prozent eingefahren. Man liege bei der Europawahl im Landkreis aber deutlich über dem Landesdurchschnitt. "Wir stehen also im Landkreis Kronach noch ziemlich gut da. Das ist dem geschuldet, dass wir hier eine solide Politik machen und das schlägt sich eben in dem Ergebnis nieder", ist Tino Vetter überzeugt.

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Bianca Hennings
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Veröffentlicht am:
27. 05. 2019
18:40 Uhr

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Autor

Bianca Hennings

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Veröffentlicht am:
27. 05. 2019
18:40 Uhr



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